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Reiseziel für 2020: Ardèche, Frankreich:Ein weiter Bogen

Tipp für einen Urlaub ohne Flug: Baden und Höhlenkunst von Chauvet an der Ardèche in Frankreich.

Von Monika Maier-Albang

Man würde jetzt gern die Hand ausstrecken und über die dunkle Stoppelmähne streicheln. Das Pferd hat die kleinen Ohren angelegt, vielleicht, weil die drei Kollegen aus der Herde nerven. Oder es das Nashorn zu vertreiben gilt, das der Künstler unter die Urpferde gesetzt hat. Aber anfassen geht gar nicht, das hat die Tourführerin sehr deutlich gesagt. Nicht mal fotografieren ist erlaubt - wobei sich das nicht wirklich erschließt. Ist die Höhle doch eine Kopie, wenn auch eine so gelungene, dass man es kaum merkt.

"Grotte Chauvet 2" heißt das Museum, das 2015 in Frankreich nahe der Kleinstadt Vallon-Pont-d'Arc über dem Tal der Ardèche eröffnet wurde. Die Chauvet-Höhle mit ihren wunderbaren Tierdarstellungen wurde 1994 entdeckt, war aber nie öffentlich zugänglich. Den konservatorischen Fehler von Lascaux hat man nicht wiederholt. Es gab zwar eine Ausstellung in der Nähe, aber erst mit dem Neubau auf der Hügelkuppe sind die Zeichnungen in all ihrer Pracht zu sehen: die Pferde, Löwen, Auerochsen, Wisente, Rentiere, über- und nebeneinander vor 30 000 Jahren, im Aurignacien, mit Holzkohle so real auf die Felswand gebannt, dass man sich in der Urzeit wähnt.

In einer Stunde wird man durch die Replik geschleust - die Zeit ist viel zu kurz. Die Führerin entschuldigt sich für ihr schlechtes Deutsch, und was oft eine Floskel ist, stimmt hier leider. Also: Besser vorher etwas gelesen haben, dann weiß man, was man in der "Höhle" zu sehen bekommt. Und das ist spektakulär. Wer mit dem Auto anreist - zum Beispiel auf dem Weg an die französische Südküste -, ist klar im Vorteil. Es lässt sich leichter pendeln zwischen dem Museum auf dem Bergrücken und dem Fluss im Tal, der ja der zweite Grund ist, diese Gegend zu besuchen. Im Nationalpark Cevennen kann man wandern, die Ardèche mit dem Kajak erkunden. Allerdings besser außerhalb der französischen Ferienzeit, dann lässt sich das Zelt perfekt am Ufer aufbauen, auf einem der zahlreichen Campingplätze. Man muss die tiefblauen Ponds so nur noch mit ein paar Schulklassen teilen, die zum gruppendynamischen Paddeln an den Fluss geschickt worden sind. Dem Ausblick auf den Pont-d'Arc, die natürliche Steinbrücke über den Fluss, tut das keinen Abbruch.

Wer dann noch nicht genug hat vom Höhlenurlaub: Lascaux ist nicht um die Ecke, aber noch besser als "Chauvet 2". Lascaux hat auch eine neue Replik, zudem läuft man virtuell durch die echte Höhle und kann selbst Urpferde malen. Den schönen Badefluss aber hat man dort halt nicht. (grottechauvet2ardeche.com)

© SZ vom 16.01.2020/ihe
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