Reise-Blogger Michael Hodson Um die Welt, immer online

Michael Hodson reist 50 Wochen im Jahr und berichtet darüber auf seiner Webseite. An Bloggern wie ihm kommen Touristikunternehmen nicht mehr vorbei.

Von Elisabeth Dostert

Der Mann redet viel in ziemlich kurzer Zeit. 30 Minuten hat Michael Hodson, 45, an diesem Tag, um seine Welt zu erklären. Die Worte reichen anderen für zwei Stunden. Der Amerikaner ist Travel-Blogger. Er reist um die Welt und berichtet darüber auf "Goseewrite", einer Art virtuellem Tagebuch mit Texten, Fotos, Karten. Erst im Januar war er in der Schweiz. Der Titel des Eintrags: Zu sauber, zu makellos. Gerne hätte er ein paar weniger Fußgänger gesehen, die an der Ampel stehen bleiben, so als ob sie Deutsche wären, klagt Hodson in seinem Reisebericht. Ein Stromausfall oder einen Zug, der mit ein paar Minuten Verspätung ankommt, wäre schön gewesen, nur um zu sehen, wie die Schweizer reagieren, wenn es mal nicht glatt läuft.

Hodson bloggt nicht nur, er sendet auf allen Kanälen. Er twittert und postet, er bewegt sich in sozialen Netzwerken wie Facebook und Linkedin, teilt seine Fotos mit Freunden auf Instagram. Hodson ist nicht allein im Netz. In den vergangenen Jahren sind Hunderte Firmen entstanden, die ihre Dienste für Touristen nur noch online anbieten. Es sind Firmen wie Trip Advisor, wo Reisende Hotels bewerten, Buchungsportale wie booking.com oder hrs.de. Es gibt nichts, was das Netz nicht bietet. Mit Neugier beobachten traditionelle Konzerne Menschen wie Hodson, um möglichst viel für das eigene Geschäft zu lernen.

Die "Always-On-Society" ist einer der großen Trends, sagt Johan Lundgren, Vizechef von Tui Travel. Eine Riesenchance. "Früher machten die Menschen alle zwölf bis 14 Monate Urlaub. Und für die Reiseveranstalter stellte sich immer die Frage, wie die Zeit dazwischen überbrücken?" In einer Gesellschaft, die immer online ist, lassen sich Kontakte zu Kunden ganz leicht über Monate pflegen. Auch Tui bloggt und twittert. Das Online-Portal des Konzerns sitzt in Berlin und da soll es bleiben. "In Hannover sehen die Leute so aus wie wir", sagt Tui-Deutschland-Chef Christian Clemens. Anzug, helles Hemd, keine Krawatte. "In Berlin tragen manche Mitarbeiter Mützen und Tattoo." Für den Schweden sind das Insignien der Kreativität.

Hodson trägt Sneakers, bequeme Hosen und einen Wollpulver. Seine Botschaft an die traditionellen Konzerne ist deutlich: Über kurz oder lang kommt die Touristik-Industrie an Bloggern wie ihm nicht vorbei. "So schnell wie wir, kann kein Printmedium sein." Die virtuelle Welt ist schneller. So sieht das auch Tui-Manager Lundgren: "Wenn heute jemand schlechte oder gute Erfahrungen auf seinen Reisen macht, weiß es schon morgen die ganze Welt."

Das Online-Magazin Brendan's Adventures zählt Hodsons Blog zu den hundert einflussreichsten Reiseseiten. Das Ranking basiert auf den von der Amazon-Tochter Alexa ermittelten Webseitenzugriffen und dem anhand von fünf Kriterien gefällten Urteil von Brendan van Son, auch einer, der wie Hodson immer unterwegs ist, virtuell und ganz real. Auf den ersten drei Plätzen landeten Seiten wie YTravel, Uncornered Market und Landlopers. Ihre Reisen lassen sich die Blogger zum Teil bezahlen. Das birgt Gefahren, das weiß auch Hodson. Aber er sei vornehmlich seinen Lesern verpflichtet und nenne die Sponsoren, in den USA ist er gesetzlich dazu verpflichtet.

Lieblingsplätze der Insider

mehr...

Hodson ist Jurist, den Job als Rechtsanwalt hat er schon vor Jahren aufgeben. Für Qualität in der Travel-Blogger-Szene soll auch der von ihm mitgegründete Verband Professional Travel Bloggers Association sorgen. In diesem Frühjahr will die Gruppe einen Vorstand wählen. Auch Hodson stellt sich zur Wahl. Er selbst rechnet sich gute Chancen aus, zum Präsident des Verbandes gewählt zu werden. Momentan sei er 50 Wochen im Jahr unterwegs. Einen festen Wohnsitz braucht er nicht mehr. "Ich muss mich nur ab und zu bei meinen Eltern blicken lassen."