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Neuer Hochgeschwindigkeitszug:London - Peking in zwei Tagen

Ehrgeiziges Vorhaben: China plant eine Hochgeschwindigkeitstrasse quer durch den eurasischen Kontinent. Alles nur Science Fiction?

Selbstverständlich war es ein britischer Gentleman, der Ende des 19. Jahrhunderts den exzentrischen Plan hatte, in 80 Tagen um die Welt zu reisen und von London über Bombay nach China gelangte. So ist es nur logisch, dass ein Hochgeschwindigkeitszug quer durch den eurasischen Kontinent im Londoner Bahnhof Kings Cross starten und in Peking enden würde.

Das zumindest sehen chinesische Pläne vor. Zwei Tage würde die Reise auf der schnellsten Route dauern, die durch den Nahen Osten, Pakistan und Indien führen würde. Entsprechende Details hat Wang Mengshu, Mitglied der Chinesischen Akademie für Ingenieurwissenschaften und Regierungsberater in Sachen Hochgeschwindigkeitszug, der britischen Zeitung Independent verraten.

Führend bei schnellen Zügen

Eine zweite mögliche Trasse wäre Wang zufolge die bereits existierende Route Peking-Moskau-Berlin, wo streckenweise die Transsibirische Eisenbahn fährt.

Länder wie Indien würden China drängen, die Pläne zu verwirklichen, sagte Wang dem Independent. Als Beweis, wie ernst es China ist, sagte Wang, dass die konkreten Planungen für eine dritte, südostasiatische Trasse bereits begonnen hätten. Die chinesische Seite sei dabei, in der Provinz Yunnan einen Abschnitt fertigzustellen, Birma würde dasselbe auf seiner Seite tun.

China ist derzeit durchaus führend bei schnellen Zügen. Das Land plant ein gitterförmiges Hochgeschwindigkeitsnetz, das bis 2020 mehr als 16.000 Kilometer Schienen umfassen und alle großen Städte verbinden soll. Derzeit sind es offiziellen Angaben zufolge 6500 Kilometer, zuletzt wurde im Dezember der mit einem Durchschnittstempo von 330 Stundenkilometer brausende Harmony Express auf den 1000 Kilometer langen Weg von Wuhan nach Guangzhou geschickt.

Die Züge sind made in China, ihre Technik stammt allerdings von Siemens und Kawasaki.

Auch im Ausland will Peking sich betätigen, zum Beispiel indem das Land sich an der Ausschreibung von Hochgeschwindigkeitsstrecken in Kalifornien und Florida beteiligt.

In Brüssel sieht man Pekings Pläne eher skeptisch. Schon innerhalb der EU gebe es große Hürden beim Bau von Hochgeschwindigkeitsstrecken, sagt Michael Clausecker, Direktor des Verbands der Europäischen Eisenbahnindustrie Unife in Brüssel. Schon die Genehmigung auf nationaler Ebene sei langwierig.

Brüssel fördert zwar grenzübergreifende Eisenbahntrassen, ein Masterplan für ein europäisches Hochgeschwindigkeitsnetz fehlt jedoch. Vor allem in den neuen Mitgliedsländern in Osteuropa gibt es keine schnellen Verbindungen, weder national noch grenzüberschreitend.

In zwei Tagen von London nach Peking mit dem Zug? Ganz abgesehen davon, dass es genügend Menschen geben müsste, die sich lieber 48 Stunden in einen Zug als zehn Stunden in ein Flugzeug setzen. Als Science-Fiction mag Eisenbahn-Lobbyist Michael Clausecker den chinesischen Plan nicht abtun, doch: "Die Hürden sind hoch."

© SZ vom 17.03.2010/jobr
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