Nachhaltiger Tourismus auf den Malediven:Ist das Greenwashing?

Thomas Le Berre hat sich mittlerweile in Malé, der Hauptstadt der Malediven, niedergelassen und entwickelt mit seiner Firma Seamarc Strategien, mit denen die tropischen Inseln den Folgen von Korallenbleiche und anderen Naturphänomenen begegnen können. Zwei Zweigstellen seines kleinen Unternehmens gibt es bereits: eine auf der Insel Fulhadhoo; dort bauen 25 maledivische Mitarbeiter die Korallen-Gerüste für das "Reefscaper"-Programm, so heißt die Aufforstungs-Aktion. Auf der unbewohnten Insel Innafushi experimentiert Le Berre mit 65 verschiedenen Korallenarten, die er wechselnden Wassersituationen aussetzt, um herauszubekommen, welche Konstellationen den Inseln noch besser helfen könnten.

Ist das Greenwashing, was die Hotelkette betreibt? Der französische Meeresbiologe Frederic Ducarme hat auf den Inseln geforscht, er beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema mariner Öko-Tourismus, zuletzt auf der Insel Réunion im Indischen Ozean und in Kenia. Der Franzose, der in Lyon Doktorand an der Ecole Normale Supérieure ist, hat seit Juni 2014 die ausgebrachten Korallenrahmen unter Wasser gewogen und gemessen, wie schnell die Korallen wachsen. Das Ergebnis zeigt den Erfolg der "Reefscapers" in den beiden Four-Seasons-Resorts: "30 000 Kilogramm an lebenden Korallen wurden hier gepflanzt, das sind später einmal 30 Tonnen Sand", bilanziert der Franzose. Die Korallen-Äste auf den beiden Inseln Kuda Huraa und Landaa Giraavaru erweitern sich pro Jahr um sechs bis 30 Zentimeter.

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(Foto: SZ Grafik)

Dass das Konzept aufgeht, scheint Ducarme selbst zu überraschen: "Sie werfen Eisen ins Wasser, eigentlich das Schlimmste, was es gibt, und es hilft auch noch", sagt Ducarme. Dabei hat er durchaus einen kritischen Blick auf die Aktion: "Für die Umwelt hier wäre es sicherlich am besten, wenn es gar keinen Tourismus gäbe. Tatsache ist aber, dass die Malediven ohne ihre Riffe untergehen würden, und zwar noch vor dem befürchteten Ansteigen des Meeresspiegels. Die Korallen-Riffe schützen die Eilande und produzieren Milliarden Tonnen Sand. Insofern ist ,Reefscapers' sinnvoll."

Ducarme bezieht sich dabei auf den amerikanischen Ökologen Michael Rosenzweig von der University of Arizona, der in seinem Buch "Win-Win Ecology" die These aufgestellt hat, dass Mensch und Natur zusammenleben können, ohne sich gegenseitig zu vernichten. Dem Vorwurf, dass sich Four Seasons mit derlei Aktionen einen grünen Anstrich gibt, begegnet Armando Kraenzlin mit Ironie: "Das wäre eine teure Farbe. Derzeit beschäftigen wir 15 Meeresbiologen in Vollzeit in insgesamt vier Projekten." Mittlerweile stehen knapp 3600 bewachsene Rahmen auf dem Meeresboden vor den beiden Inseln; dort bilden sie die neuen Riffe. "Reefscapers" ist damit eines der größten Riffprojekte weltweit. Four Seasons hat drei Mal so viele Korallenrahmen ausgebracht wie die anderen sieben Resorts in den Malediven, die Thomas Le Berre danach für diese Aktion gewinnen konnte.

Und womöglich wird sich schon im kommenden Sommer zeigen, ob die Korallenbänke der nächsten Wassererwärmung standhalten. Vor der chilenischen Küste im Pazifik hat sich schon jetzt eine warme Meeresströmung gebildet, die, wenn sie bei den Malediven ankommt, die Ausmaße von "El Niño" erreichen könnte. Le Berre aber ist zuversichtlich: "Wir haben seit der Bleiche von 2010 die Zahl der verschiedenen Korallenarten erhöht, um die Biodiversität zu steigern." Dadurch, so hofft er, werden die Korallenriffe künftig widerstandsfähiger sein.

Info

Anreise: Hin-und Rückflug mit Oman Air via Muscat nach Malé, je nach Saison ab 548 Euro, www.omanair.com. Derzeit fliegt Oman Air vier Mal pro Woche ab München und sechs Mal pro Woche ab Frankfurt.

Unterkunft: Four Seasons Kuda Huraa oder Landaa Giraavaru, eine Woche inklusive Flug, Übernachtung, Halbpension je nach Saison ab 3344 Euro bei Airtours, Tel.: 0511/56 78 01 05, www.airtours.de; www.fourseasons.com/maldives

Weitere Auskünfte: Fremdenverkehrsamt der Malediven, Tel.: 06182/993 48 57, www.visitmaldives.com; unter http://marinesavers.com/coral-frame-collection kann man den Korallen beim Wachsen zusehen - u. a. dem Korallenstock KH 1421; sein Schild trägt den Namen Süddeutsche Zeitung.

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