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Mit dem Kanu nach Rom:Sightseeing im Neoprenanzug

Bevicini legt ein beherztes Tempo vor, nahe am Ufer fühlt sich die Paddelfahrt ziemlich flott an. "Wie schnell sind wir, Carlo?" - "Circa sechs Stundenkilometer." Trainierte Kanuten schaffen so 50, 60 Kilometer am Stück. Gelegenheitspaddler spüren schon nach zwei Stunden ein Ziehen in den Oberarmen und im Rücken. Pause am schattigen Ufer.

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Aus wasserdichten Plastikbeuteln verteilt Bevicini Semmeln mit Porchetta, einer Art würzigen Schinken. Anschließend geht es zu einem kurzen Spaziergang quer durch die Felder zur Badia di Montecorona. Die mittelalterliche Abtei hinter Umbertide dient nur noch als Kulisse für Hochzeitsfeiern, die übrig gebliebenen Mönche haben sich in eine Einsiedelei weiter oben am Berg zurückgezogen. Nur selten kämen Besucher vorbei, um den Hauptaltar mit langobardischen Flechtornamenten zu besichtigen, erzählt eine Wärterin, die durch das düstere romanische Kircheninnere führt.

Dabei sind Assisi, Perugia und Gubbio in der Nähe, aber von den berühmten Nachbarstädten profitiere man kaum, sagt die Wärterin seufzend und ignoriert gnädig die wenig angemessene Neoprenbekleidung der Tiber-Bezwinger.

Weiterpaddeln. Der Fluss mäandert die meiste Zeit wellenlos dahin. Kennt man Wildwasserbäche in den Alpen, bedeuten die seltenen, kleinen Stromschnellen am Tiber kein Problem. Der Reiz liegt am südlichen Flair. Und an der Streckenlänge, der gebremsten Reisegeschwindigkeit. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf das Naheliegende, den eigenen Körper, die Flora und Fauna am Fluss. Das monotone Paddeln wirkt meditativ, zehrt jedoch an den Kräften.

Es ist, als rühre man einen zähen Brei. Oder als besteige man einen hohen Berg. Was dort das Gipfelkreuz ist, stellt jetzt der Brückenbogen von Ponte Pattoli dar, einem Dorf kurz vor Perugia. Wind bläst den Paddlern ins Gesicht, trotz verbissenem Dagegenhalten scheint das Ziel immer gleich weit entfernt zu bleiben. Wo werden heute wohl Schlafsack und Isomatte ausgerollt?

Die Lager sind ungewöhnlich, aber gemütlich. In Città di Castello zum Beispiel: Im Trainingsraum des Kanuvereins nächtigt man zwischen Hantelstangen und Fitnessgeräten. Von gebleichten Plakaten an den Wänden lächeln Champions vergangener Jahre herab. Wenige Meter entfernt rauscht der Tiber vorbei, wiegt die Kanuten in den Schlaf. Zum Abendessen kocht Sandro in einer Art Feldküche Tagliatelle mit selbst gefundenen weißen Trüffeln; dazu gibt es Rotwein von den Colli Altotiberini.

Perugia, die umbrische Hauptstadt, bleibt links liegen. Stattdessen chauffiert Sandro die Gruppe weiter bis zum 30 Kilometer entfernten Pontecuti. Alle Stützpunkte unterwegs liegen bei kleinen Orten. "So können wir den Fluss auf ruhigen Nebenstraßen mit den Begleitautos erreichen - auch zum Übernachten wollen wir möglichst nahe am Tiber sein", erklärt Bevicini. Viel Zeit für Besichtigungen gibt es ohnehin nicht. Umso eindrucksvoller ist am nächsten Morgen der kurze Abstecher hinauf nach Todi.

Die Hügelstadt liegt noch verschlafen im Halbdunkel, als die Kanuten auf dem ehemaligen Marktplatz Vanille-Cornetti in den Cappuccino tauchen. Dann steigt die Sonne empor, färbt die Dunstschwaden über den umliegenden Tälern bläulich. Wenig später findet Carlo Bevicini den besten Weg durch die Gole del Forello, einen tiefen, unzugänglichen Canyon vor dem Lago di Corbara. Kein Mensch lässt sich während der stundenlangen Fahrt am schilfumsäumten Ufer blicken, dafür kreisen im warmen Aufwind über den Kanus beharrlich zwei Greifvögel.

Schließlich die letzte Etappe. Rom.

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