Kanalinseln: Jersey:Gespaltenes Verhältnis zu Frankreich

Jersey hat aber eine komplett eigene Verwaltung und eine weitgehend eigene Gesetzgebung. Verwaltungschef ist der Bailiff, der auch dem Inselparlament und dem höchsten Gericht vorsteht. Die britische Regierung ist lediglich zuständig für die Verteidigung der Inseln und für ihre Vertretung im Ausland.

Zu den viel näheren Franzosen hat Jersey ein gespaltenes Verhältnis. Die meisten Straßen und viele Orte tragen zwar französische Namen. Doch zum Beispiel das Hafenstädtchen St. Aubin wird auf der Insel überall eher englisch St. "Ohhbin" ausgesprochen. Und die Hauptstadt St. Helier klingt - "Hellya" - ebenfalls rein gar nicht Französisch.

Etwa ein Drittel der Bewohner Jerseys ist in Großbritannien geboren, lediglich ein Prozent stammt aus Frankreich. Sechsmal so viele Menschen kommen aus Portugal. Sogar Rumänen und Kenianer trifft man auf der Insel. In der Pension "St. Magloire" in St. Aubin serviert ein junger Pole den Speck, das Ei und die Bohnen zum Frühstück. Jetzt im Winter sieht er morgens um halb neun in seiner Jogginghose und Kapuzenpulli so verschlafen aus wie seine beiden Gäste. "Es ist eine wunderschöne Insel", schwärmt er mit verträumtem Blick. Er ist schon zwei Jahre da und will noch zwei Jahre bleiben. "Oder länger."

Starke eigene Identität

Obwohl auf Jersey so viele verschiedene Nationalitäten leben, hat die Insel eine starke eigene Identität. Stolz tischt Ida Huson im "Undercliff Guesthouse" in Trinity den cremigen einheimischen Joghurt auf. Gemacht aus der besonders fettreichen Milch der einheimischen Kühe. "Die Freundin meines Sohnes ist aus München. Und wenn sie uns besuchen kommt, geht sie sofort in den Supermarkt und kauft sich diese Milch", erzählt die 54-Jährige. "Aber die gelbe Packung, die mit dem höchsten Fettgehalt." Auch die Kartoffelsorte Jersey Royal ist weit über die Küsten hinaus bekannt.

Ida Huson und ihr Mann Richard betreiben eine Pension an der schroffen Nordküste. Das Gebäude mit Bleiglasfenstern im Speisesaal ist etwa 200 Jahre alt. Ein Pärchen aus der Hauptstadt hat sich das Haus wohl als Wochenendzuflucht gebaut. Ida und Richard haben es hergerichtet und erweitert. "Früher haben wir das Guesthouse jedes Jahr im Herbst sechs Monate lang dichtgemacht, um daran zu arbeiten", erzählt Ida. Jetzt ist der größte Teil geschafft, und die Eheleute freuen sich über Winterbesucher. "Es kommen so viele interessante Menschen, und wir haben nun auch Zeit, uns mit ihnen zu unterhalten. Im Sommer frühstücken hier 30 Leute, und wir kommen zu gar nichts."

Direkt neben dem Haus der Husons verläuft der Klippenpfad. Er führt die gesamte steile Nordküste entlang, mit atemberaubender Aussicht. Das blaue Meer schäumt tief unter dem Pfad an die Felsen. Fast transparente Fliegenwolken schweben in der Luft und Fasane rennen aufgeschreckt über die angrenzenden Felder. Vereinzelt blüht sogar der Ginster. Und weil so wenige wissen, wie spannend Jersey im Winter ist, hat man die Inselnatur fast für sich allein.

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