Flugzeug-Fotos aus dem Cockpit:Bloß nicht abstürzen

"Früher habe ich mich oft mit meiner Kamera hier aufgebaut, meist von morgens bis nachmittags", sagt Gottwald und schaut durch die Glasscheiben auf das Rollfeld. Die vielen unterschiedlichen Flugzeuge haben ihn interessiert, ihre Formen, ihre Herkunft, ihre Geschichten. "Damals gab es viel mehr unterschiedliche Typen als heute", sagt er.

Das Interesse an der Fotografie beginnt mit einer analogen Spiegelreflexkamera, da ist Gottwald gerade 13 Jahre alt. "Ein Geschenk meiner Familie, die haben dafür alle zusammengelegt", erinnert er sich. Nach Abitur und Wehrdienst bewirbt er sich bei der Lufthansa - und wird genommen. Nach der Pilotenausbildung fliegt er drei Jahre lang Passagiermaschinen von München aus quer durch Europa. Seit 2011 ist er Cargo-Pilot.

Die Farben auf der Erde wirken ganz anders, wenn man aus großer Höhe fotografiert

Wenn Gottwald während des Flugs fotografiert oder filmt, dann hat er die Geräte meist auf Automatikmodus geschaltet. "Von Hand fotografiere ich nur, wenn es die Arbeit im Cockpit erlaubt", sagt er. "Im Zweifelsfall geht die Sicherheit vor."

Niemals soll ihm passieren, was einem Piloten der britischen Luftwaffe im Februar dieses Jahres widerfahren ist: Weil dessen Spiegelreflexkamera sich zwischen Sitz und Steuerknüppel verhakt hatte, ging das Flugzeug vom Typ Airbus A330 über der Türkei in einen Sturzflug über, sackte fast zwei Kilometer tief ab. "Ich sichere meine Kamera an Bord doppelt und dreifach ab, damit so etwas nie passiert", sagt Gottwald. Von Lufthansa Cargo hat er sich die Fotografie an Bord genehmigen lassen.

Den Stil seiner Fotografien beschreibt Gottwald mit einem Wort: puristisch. "Ich mag es nicht, wenn die Bilder stark verfälscht sind." Zwar bearbeitet er jedes gelungene Foto am Computer nach. Aber nur, wie er sagt, damit es am Ende so aussieht wie er die Szene mit dem bloßen Auge gesehen hat. "Im Cockpit ist es immer schwierig, die richtige Belichtung zu finden", weiß der 28-Jährige. "Draußen ist es meist sehr hell, drinnen dunkel. Und in der engen Kanzel sind natürlich auch die Perspektiven begrenzt."

Im Idealfall versucht er, das Flugzeug und eine spannende Landschaft zusammen auf ein Bild zu bekommen. "Interessant ist, dass die Farben auf der Erde ganz anders wirken, wenn man aus dem Reiseflug herunter fotografiert", hat Gottwald beobachtet. Zwischen der Linse und dem Boden sind im Flug meist zehn Kilometer Luft - mit unzähligen Staubpartikeln. Auch die mehrfachverglasten Cockpitfenster mit den Isolierungsschichten dazwischen machen die Arbeit des Fotografen nicht leichter.

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