Flugreisen Nie mehr verlorene Koffer

Wo bleibt mein Koffer? Diese Frage könnte künftig ein Chip am Gepäck beantworten.

(Foto: dpa)
  • Die IATA, Dachverband von mehr als 270 Airlines, fordert, dass ab 2020 zusätzlich zum Strichcode ein RFID-Chip am Gepäckstück angebracht wird.
  • Per Funkwelle werden Koffer dann identifiziert, so dass Airline, Flughafen und Passagier jederzeit wissen, wo er ist.
  • Während die US-Gesellschaft Delta Airlines die Chips bereits einsetzt, zieren sich andere Unternehmen noch.
Von Nils Wischmeyer, Köln

Wer heutzutage fliegt, kann fast alles mit einer App auf dem Smartphone regeln. Nutzer buchen dort das Ticket, checken ein, reservieren einen Sitzplatz und laden die Bordkarte direkt aufs Handy. Gepäck ist eher ein analoges Geschäft. Die Mitarbeiterin am Schalter druckt ein Band mit einem Barcode aus, klebt es um den Griff und der Koffer verschwindet. Im Hintergrund wird manuell gescannt und sortiert. Immer wieder läuft dabei etwas schief und der Koffer kommt statt in New York in Sydney an: ein Albtraum, den viele Reisende schon erlebt haben.

Die IATA will den beenden. Der Dachverband der Fluggesellschaften, zu dem mehr als 270 Airlines gehören, möchte ab 2020 zusätzlich zum Strichcode einen RFID-Chip einsetzen. Per Funkwelle werden Koffer dann identifiziert, so dass Airline, Flughafen und Passagier zu jeder Zeit wissen, wo das Gepäckstück ist. Falls der Koffer auf das falsche Band oder in den falschen Flieger gerate, könne man schnell eingreifen oder wenn nötig, diesen dem Passagier sofort hinterherschicken - am besten ehe er einen Suchauftrag am Zielort aufgibt.

Die ersten Testläufe liefen dem Dachverband zufolge erfolgreich. Auch die Technik ist erprobt. Eingesetzt wird RFID seit fast 20 Jahren, unter anderem bei der Wartung und Kennzeichnung von Flugzeugteilen, aber auch in anderen Industrien.

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Im vergangenen Jahr sind einem Bericht des IT-Unternehmens Sita zufolge fast 23 Millionen Koffer verspätet, kaputt oder gar nicht am Zielort aufgetaucht. Das sind gut die Hälfte weniger als noch vor zehn Jahren, obwohl die Anzahl der Fluggäste im gleichen Zeitraum um 64 Prozent auf vier Milliarden stieg.

Gerechnet auf 1000 Passagiere kamen im vergangenen Jahr nur noch 5,6 Koffer zu spät, kaputt oder gar nicht an. Vor zehn Jahren waren es noch etwa 19 Koffer. Als häufigsten Grund führt Sita an, dass das Gepäck zwischen zwei Flügen falsch verladen wird. Nur in einem Bruchteil der Fälle verschwindet das Gepäck hingegen komplett oder wird gestohlen.

Das Problem, dass der Dachverband IATA lösen will, ist damit längst nicht mehr so groß wie noch vor einigen Jahren. Trotzdem bleibt es für alle Beteiligten ein besonderes Ärgernis: Der Passagier ist wütend, weil ihm Badehose, Anzüge oder Kleider fehlen, und die Fluggesellschaft kostet das falsche Verladen Geld und Reputation.

Der Airline-Dachverband will in den kommenden Monaten zeigen, wie der Standard für RFID-Chips bei Gepäck aussehen soll. 2020 sollen die Verbandsmitglieder mit der Umstellung beginnen. Die Gespräche mit Flughäfen und Fluggesellschaften dazu laufen. Sie sind es, die das nötige Geld für die Umrüstung am Ende aufbringen müssen.

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Im Wesentlichen geht es dem Dachverband um die Passagiere. Die IATA will, dass Fluggäste künftig ihre Koffer zu jedem Zeitpunkt im Flughafen orten können. Einer Umfrage des Verbandes zufolge findet das mehr als die Hälfte aller Flugreisenden wünschenswert. Wie das funktionieren kann, zeigt das Beispiel Delta Airlines.

Die US-Fluggesellschaft rüstete 2016 viele ihrer Gepäckbanderolen mit RFID-Chips aus. Eine App zeigt dem Kunden an, in welchem Abschnitt des Flughafens sich das Gepäckstück befindet, wenn erwünscht auch als Push-Mitteilung.

Der Haken: Bislang wurde die Idee kaum umgesetzt

Die Ausstattung mit den RFID-Chips ist keine neue Idee. Die IATA skizzierte die Einsparmöglichkeiten und Vorteile für Airlines und Flughäfen bereits im Oktober 2016. Die Anzahl der fehlgeleiteten Koffer könne um 25 Prozent reduziert werden und die Industrie rund drei Milliarden Dollar sparen, hieß es damals. Umgesetzt hat die Idee bisher aber kaum jemand.

Am Frankfurter Flughafen wäre man technisch bereit, warte aber auf die Fluggesellschaften. Die Lufthansa kommentiert nur knapp: "RFID kann eine unterstützende Technologie sein, ist aber nicht die einzig mögliche." Am Münchener Flughafen reagiert man ebenfalls verhalten, was den Einsatz von RFID angeht: "Wir hätten davon keinen Vorteil", sagte ein Sprecher. Mit Hilfe des Barcodes könne der Flughafen schon heute sehr effizient checken, wo der Koffer steht und ob er womöglich falsch einsortiert wird.

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