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Welterbe 2011:Unesco-Stätten in Deutschland

Buchenwälder, der erste Gropius-Bau, Pfahlhäuser, das Hamburgische Wattenmeer und eine Le-Corbusier-Siedlung haben in diesem Jahr für den Welterbe-Titel kandidiert - doch nicht alle hatten Erfolg.

Fünf Kandidaten aus Deutschland hatten sich 2011 für die Aufnahme in die Welterbeliste der Unesco beworden, vier haben den begehrten Titel tatsächlich erhalten. Kurzporträts aller aktuellen deutschen Stätten finden Sie auf unserer interaktiven Karte. Mehr über die neuen Welterbestätten aus dem Jahr 2011 sowie die weiteren Titel-Kandidaten erfahren Sie zudem auf den folgenden Seiten.

Mehr über die Ausgezeichneten 2011 und die weiteren deutschen Kandidaten für das Unesco-Welterbe erfahren Sie auf den folgenden Seiten ...

Fünf deutsche Buchenwälder sind Weltnaturerbe

Buchenwald Grumsin Angermünde

Buchenwald soll Unesco-Weltnaturerbe werden

Erlen und Buchen spiegeln sich im Sumpfwasser des Grumsiner Forstes nahe dem brandenburgischen Angermünde in der Uckermark.

(Foto: dpa)

Der Buchenwald Grumsin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg) hat seit mehreren hundert Jahren nahezu flächendeckend als Laubwald überdauert. Nach 1945 wurde das Areal zum Staatsjagdgebiet der DDR. Weil der Wald nicht betreten werden durfte, konnten sich seltene Tierarten ausbreiten. Seit 1990 ist der Grumsin ein bedeutender Teil der Kernzone des Reservats. Dort befinden sich auch zahlreiche Moore und Kleingewässer. In dem Wald gibt es zudem einen hohen Anteil an Altholz. Das jetzt zum Unesco-Weltnaturerbe bestimmte Gebiet ist insgesamt 670 Hektar groß.

Welterbe-Nationalpark Jasmund Sassnitz

Der Maler Caspar-David Friedrich hat die Landschaft des späteren Nationalparks Jasmund auf der Insel Rügen mit seinen Werken weltberühmt gemacht: Weiße, steil abfallende Kreidefelsen an der Ostseeküste und dichte Buchenwälder prägen das Gebiet im Nordosten der Insel. Mit einer Größe von rund 3000 Hektar ist der Nationalpark Jasmund der kleinste in Deutschland. Rund 2100 Hektar sind Waldfläche, von denen wiederum etwa 80 Prozent Buchenwälder sind. Ein Großteil des Buchenbestandes hat ein Alter von mehr als 90 Jahren. Knapp 700 Hektar der Nationalparkfläche werden von der Ostsee in den Küstenzonen an den Kreidekliffs eingenommen. Diesen Nationalpark wollen viele Urlauber erleben: Die Region wird nach Angaben der Nationalparkverwaltung von jährlich rund einer Million Gäste besucht. Das Gebiet wurde bereits 1929 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Seit 1990 trägt das Gebiet um den bekannten Königsstuhl den Status des Nationalpark.

Nationalpark Kellerwald-Edersee Bad Wildungen

Uralte, knorrige Buchen sind das Markenzeichen des Kellerwaldes in Nordhessen. Das Gebiet Kellerwald-Edersee mit den Urwaldresten der Buchenwälder wurde am 1. Januar 2004 zum Nationalpark. Auf einer Fläche von knapp 6000 Hektar - etwas größer als der Starnberger See - schützt er südlich des Edersees einen der großen Rotbuchenwald-Bestände Mitteleuropas. Nach Angaben des Nationalparkamtes sind 90 Prozent des noch jungen Nationalparks nutzungsfreier Raum. Dafür hatte die Internationale Naturschutzunion IUCN dem Gebiet im März das Zertifikat als naturnaher Nationalpark verliehen - übrigens als erstem Nationalpark in Deutschland. Die Auszeichnung setzt mehr als 75 Prozent naturbelassene Waldfläche, den Erhalt von Artenvielfalt und den Schutz ökologischer Strukturen voraus.

Müritz-Nationalpark Serrahn

Hier ist das Revier von Rothirschen, See- und Fischadlern, von Kranichen und auch des Waschbären: Die Buchenwälder von Serrahn (Mecklenburg-Vorpommern). Und sie sind Teil des größten deutschen Nationalparks im Binnenland - des Müritz-Nationalparks an der Mecklenburgischen Seenplatte. Mit 6200 Hektar nimmt das "wilde Teilgebiet" Serrahn etwa ein Fünftel des Großschutzgebietes ein. Dabei sollen die uralten Buchenwälder auf 244 Hektar Unesco-Weltnaturerbe werden, dazu ist eine rund 2100 Hektar große Schutzzone geplant. Der Wald um Serrahn konnte sich nach Angaben der Verwaltung des Nationalparks seit rund 500 Jahren weitgehend ungestört entwickeln.

Die ältesten Buchen sind zwischen 200 und 300 Jahren alt, auch viele abgebrochene und umgestürzte Bäume prägen die hügelige, von Teichen durchzogene Landschaft und bieten vielen Käfer- und Insektenarten im Totholz Nahrung. Der Wald gehörte ab 1701 dem Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, der 1848 Serrahn als Wildpark und Jagdgebiet auswies. Die Buchenwälder wurden nach 1945 zum Totalreservat erklärt.

Nationalpark Hainich Bad Langensalza

Der 7500 Hektar große Nationalpark Hainich im Westen Thüringens wurde Ende 1997 gegründet und ist das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet in Deutschland. Das geschützte Buchenwald-Gebiet ist Heimat seltener Tiere und Pflanzen wie Wildkatze und Orchideen. Rund 2100 Hektar sind Totalreservat, in dem keine Forstwirtschaft erlaubt ist. Das Gebiet war jahrzehntelang Truppenübungsplatz. Das ist ein Grund, warum so viele gefährdete Arten überleben konnten. Der Hainich, der insgesamt 15.000 Hektar umfasst, gilt als einer der größten zusammenhängenden Buchenwälder Europas. Er ist eingebettet in den Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal. Besuchermagnet ist der Baumkronenpfad am Rande des Nationalparks. Dutzende Kilometer Wanderwege führen durch das geschützte Gebiet.

Die fünf Wälder ergänzen das bestehende Weltnaturerbe "Buchenurwälder der Karpaten". 2007 hatte die Unesco die Buchenurwälder der Karpaten in der Slowakei und der Ukraine als grenzüberschreitende Naturerbestätte in die Welterbeliste aufgenommen. Mit solchen seriellen Nominierungen soll die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Schutz des gemeinsamen Kultur- und Naturerbes gefördert werden.

Welterbe: Fagus-Werk von Gropius

Unesco-Welterbe: Fagus-Werk

Der Ursprung des Bauhauses

Es ist das erste Werk des später weltberühmten Architekten Walter Gropius und gilt als Schlüsselbau der Moderne. Das Fagus-Werk im niedersächsischen Alfeld südlich von Hannover besticht mit klaren Formen und schlichter Schönheit. Ein besonderes Geschenk zum 100. Geburtstag der Schuhleisten-Fabrik ist die Eintragung ins Unesco-Weltkulturerbe.

"Wir sind ein lebendiges Denkmal", sagt der Leiter der Fagus-Gropius-Ausstellung, Karl Schünemann, mit Stolz. In dem lichtdurchfluteten Werk mit den großen Glasfassaden werden immer noch Schuhleisten produziert, im daneben liegenden ehemaligen Lagerhaus wurde ein Museum eingerichtet. Der spätere Bauhaus-Gründer Walter Gropius habe mit dem Fagus-Werk in Alfeld an der Leine 1911 eine architektonische Revolution eingeleitet, betont Schünemann. Der damalige Fabrikant Carl Benscheidt hatte dem jungen Architekten bei der Planung weitgehend freie Hand gelassen. "Noch Jahrzehnte später haben sich die beiden gegenseitig in Briefen zu dem Bau beglückwünscht", sagt der Ausstellungsleiter.

Pfahlbauten in der Alpenregion

Pfahlbauten Unteruhldingen

Das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen am Bodensee.

(Foto: dpa)

Die Pfahlbauten in der Alpenregion sind aus Sicht des baden-württembergischen Landesamts für Denkmalpflege das erste archäologische Unterwasser-Denkmal auf der Unesco-Liste. Rund 150 Fundstätten mit Siedlungsspuren aus der Stein- und Bronzezeit in sechs Alpenländern haben das Prädikat erhalten.

Im Antrag aufgeführt sind je zehn Fundstellen am Bodensee und in oberschwäbischen Feuchtgebieten sowie eine Fundstelle im Raum Ulm. In Bayern werden nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege die Roseninsel im Starnberger See sowie jungsteinzeitliche Pfahlbausiedlungen im Landkreis Landsberg am Lech Welterbe: Die Fundstellen liegen in Pestenacker, einem Ortsteil von Weil, und in Unfriedshausen in der Gemeinde Geltendorf. Die übrigen Areale sind in Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich und Slowenien zu finden. Die Schweiz hatte die Federführung der Initiative übernommen. Die Pfahlbaureste stammen aus der Zeit von 4300 bis 800 vor Christus und haben unter Wasser oder in feuchten Böden bis heute überdauert.

Von dem Titel verspricht man sich eine bessere Erforschung: Denn nur zwei bis fünf Prozent der Pfahlbausiedlungen seien bisher wissenschaftlich untersucht worden. Eingriffe des Menschen wie die Uferverbauung oder der Klimawandel beispielsweise am Bodensee hätten dazu geführt, dass Pfahlbau-Reste freigespült und damit zerstört würden.

Hamburgisches Wattenmeer

Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer

Hamburgisches Wattenmeer bei Sahlenburg

(Foto: dpa)

Auch der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer gilt von nun an als "universelles Erbe der Menschheit" und genießt damit besonderen Schutz. Das 137 Quadratkilometer große Areal an der Elbmündung ergänzt das bereits bestehende Welterbe mit den Watt-Regionen vor Schleswig-Holstein, Niedersachsen und den Niederlanden. Die umliegenden Watt-Regionen stehen bereits seit 2009 unter besonderem Schutz. Hamburg hatte den begehrten Welterbe-Titel allerdings damals nicht bekommen, weil es 2008 aus den gemeinsamen Welterbe-Planungen mit den anderen Anrainern ausgestiegen war. Die damalige Regierung hatte Nachteile bei der geplanten Elbvertiefung befürchtet.

Le Corbusier-Haus in der Weissenhof-Siedlung

Das Le Corbusier-Haus in der Weissenhof-Siedlung auf dem Stuttgarter Killesberg.

(Foto: dpa)

Le Corbusier-Bau: Weissenhofsiedlung

Frankreich will in Kooperation mit Deutschland, Argentinien, Belgien, Japan und der Schweiz das Werk des 1965 verstorbenen schweizerisch-französischen Starachitekten Le Corbusier als Sinnbild des neuen urbanen Bauens auf die Liste aufnehmen lassen. Zu dessen Werk zählen auch zwei Häuser der Stuttgarter Weissenhofsiedlung. Le Corbusiers Entwurf für die Stuttgarter Häuser stammt aus dem Jahr 1927.

Die Weissenhofsiedlung umfasste 33 Häuser, heute sind noch 11 Originalhäuser erhalten. Die Gebäude für den "modernen Großstadtmenschen" waren experimentell angelegte Bauten, die Funktionalität und Ästhetik gleichermaßen verkörpern sollten. 17 Architekten, darunter Le Corbusier und Walter Gropius, waren daran unter der künstlerischen Leitung von Ludwig Mies van der Rohe beteiligt. Bei den Nazis gab es Überlegungen, die Weissenhof-Siedlung komplett abzureißen. Im Zweiten Weltkrieg wurden einige Häuser zerstört, andere wurden später abgerissen und durch konventionelle Gebäude ersetzt. Erst 1958 wurden die verbliebenen Bauten unter Denkmalschutz gestellt.

sueddeutsche.de/dpa/AFP