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Budapest:Party mit Plastikbecher

Quirlig wie Paris, aber nicht so teuer: Ungarns Hauptstadt hat sich zu einer der angesagtesten Metropolen Europas entwickelt. Doch Männer sollten sich vor allzu schönen Mädchen hüten.

Michael Detering

Die Disko ist schwer zu finden. Nur ein kleines orangefarbenes Schild mit der Aufschrift "Bank Dance Hall" und einem großen Rufzeichen weist auf den schmalen Seiteneingang an der Ecke des Westbahnhofs hin.

Hinter dieser Tür soll sich der größte Club von Budapest verbergen?

Die Zweifel sind schnell ausgeräumt. Die Partymeute tanzt auf drei verwinkelten Etagen und auf dem Balkon. Ledersofas und mehrere gediegene Bars zeugen von Stil, das Publikum ist international. Auf der Techno- und Houseebene ist am meisten los. Die besten DJs des Landes legen hier die Platten auf, grüne Neonstrahlen zucken durch den Raum.

Budapest hat sich zu einer der angesagtesten Party-Metropolen Europas entwickelt. "Aus aller Welt jetten feierlaunige Touristen in das 'Paris des Ostens'", stellte ein deutsches Nachrichtenmagazin kürzlich fest. Kein Wunder: Die Zahl der Clubs und Diskotheken in Ungarns Hauptstadt ist unüberschaubar. Das Programmmagazin "Pestiest" listet wöchentlich auf mehr als 100 Seiten die unterschiedlichsten Partytipps auf.

Sehr beliebt sind die Strand-Partys im Dokk Beach (Hajógyári sziget). Die anspruchsvolle, schick gekleidete Klientel feiert zu Funk-, Dance- und R'n'B-Musik - unter Palmen und direkt an der Donau.

Stadtrundfahrt? Ein Grund zu Feiern!

Nur die wenigsten stört es, dass die Cocktails und das Bier für ungarische Verhältnisse ziemlich teuer sind.

Eine garantiert technofreie Zone ist der Kaméleon Club (Széna tér, Mammut II Shopping mall). Die Musik ist lateinamerikanisch, oft gibt es Live-Percussions. Der dunkle Barbereich und das elegante Restaurant machen die südländische Atmosphäre perfekt.

Besonders feierwütige und trinkfeste Touristen verzichten selbst bei der obligatorischen Stadtrundfahrt nicht auf Musik, Bier und Tanz. Für sie gibt es "Budapest Madness". Das Unternehmen vermietet Partybusse und bietet Bootsfahrten auf der Donau an.

Von den Schönheiten der Stadt kriegen wohl nur die wenigsten etwas mit, denn wer beim Einstieg etwa 60 Euro gelassen hat, erhält gratis nachgeschenkt.

Auch in Budapest kommt kaum eine Party vor Mitternacht auf Touren. Das macht nichts, umso mehr Zeit bleibt, um die wunderschönen Cafés und Kneipen zu erkunden.

Wahrscheinlich längste Karte der Stadt

Den Puls der Großstadt fühlen Touristen am besten auf dem Liszt-Ferenc-Platz und in der elegantesten Einkaufsmeile, der Váci utca. Die Restaurants und Bars reihen sich hier aneinander, bei gutem Wetter herrscht Hochbetrieb von mittags bis Mitternacht. Die meisten Lokalitäten wurden in den letzten Jahren renoviert, viele bestechen durch ihre ausgefallenen Designer-Einrichtungen.

Das Crazy Café in der Jókai utca hat die wahrscheinlich längste Getränkekarte der Stadt.

Party mit Plastikbecher

20 Biere vom Fass und etwa 80 verschiedene Flaschenbiere bietet der Laden an. Eigentlich ist so viel Auswahl aber gar nicht nötig, denn selbst die in Bezug auf Bier verwöhnten Deutschen können sich mit Ungarns bestem Gerstensaft, dem Dreher, schnell anfreunden.

Ein Insidertipp ist der West-Balkan in der Kisfaludy utca. Trotz der Nähe zu den vielbefahrenen Hauptstraßen ist es in diesem Hinterhof-Biergarten wunderbar ruhig und gemütlich. Abends sitzen vor allem Studenten in der tief stehenden Sonne.

Für Verliebte ist der Donau-Korso ein Muss. Es gibt kaum etwas Romantischeres als zu vorgerückter Stunde entlang der Uferpromenade zu spazieren mit Blick auf den Gellért-Berg, den hell erleuchteten Burgpalast und die Kettenbrücke.

Vorsicht vor hübschen Mädchen

Allein reisende Männer aber sollten vorsichtig sein. Vor allem die Váci utca ist berüchtigt für die so genannten "Konsummädchen". Meist zu zweit sprechen sie nachts Touristen an, fragen nach der Uhrzeit und laden auf einen Drink ein.

Da die hübschen Mädchen nicht aufreizend gekleidet sind, sondern eher wie Studentinnen aussehen, fallen viele auf sie herein. Die dicke Rechnung gibt es am Ende: Die Urlauber dürfen nicht nur die Cocktails zahlen, die Mädchen hängen auch noch mehrere Nullen an die Rechnung dran.

Gerne begleiten breitschulterige Männer die Touristen zum nächsten Geldautomaten.

Dann lieber in der großen "Bank Dance Hall" tanzen - auch wenn die Bedienung dort eine seltsame Eigenart pflegt: Sie füllt das Bier aus Flaschen in Plastikbecher um.

Das mag gegen Glasbruch helfen, aber Stil hat das nicht. Spaß macht es trotzdem.

© sueddeutsche.de
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