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Bildband "America":Im modernen Western

Wenn Unauffälliges in den Mittelpunkt gerückt wird und Touristenattraktionen zur Kulisse verkommen: Horst Hamann fotografiert in "America" unspektakuläre Szenen, in denen man einige Überraschungen entdecken kann.

Von Stefan Fischer

9 Bilder

Wohnwagen Horst Hamann America Bildband

Quelle: Edition Panorama

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Wenn Unauffälliges in den Mittelpunkt gerückt wird und Touristenattraktionen zur Kulisse verkommen: Horst Hamann fotografiert in America unspektakuläre Szenen, in denen man einige Überraschungen entdecken kann. Von Stefan Fischer

Durch seine leicht gewölbte Form erinnert der Wohnwagen sogar äußerlich ein wenig an einen der Planwagen, aus denen sich die legendären Siedlertrecks des 19. Jahrhunderts zusammengesetzt haben. So lassen sich an Horst Hamanns Fotografie dieses weißen, rundlichen Wohnwagens, der an einer geschützten Stelle des Monument Valley abgestellt ist, gleich zwei von Roger Willemsens Behauptungen belegen, die der Autor in seinem Vorwort zu Hamanns Bildband America aufstellt:

Chevrolets Horst Hamann Bildband America

Quelle: Edition Panorama

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Dass die Fotografien in diesem Buch zusammengenommen einen modernen Western ergeben und dass sich Horst Hamann mit seinen Aufnahmen oftmals an der Grenze zwischen Szenischem und Symbolischem bewegt.

Strand Horst Hamann Bildband America

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An dieser Grenze ist auch die oben abgebildete Strandfotografie angesiedelt: Sie dokumentiert einen Augenblick des Alltags und spielt zugleich mit der ikonografischen Kraft des amerikanischen Fernsehens.

70 Panoramen hat der deutsche Fotograf in dem Buch versammelt. Auf einigen davon - sie gehören zu den spannendsten - präsentiert er nicht nur weitwinklige Ausblicke, sondern beobachtet seinerseits Menschen, wie sie das jeweilige Panorama betrachten.

Schaufenster Horst Hamann Bildband America

Quelle: Edition Panorama

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Das gilt auch für obige Schaufenster-Szene; darüber hinaus zum Beispiel für einen Linienrichter, der das Fußballfeld des Dixie State Colleges in Utah konzentriert überblickt, obwohl das Match ganz offensichtlich gerade unterbrochen ist.

Aussichtsplattform Horst Hamann Bildband America

Quelle: Edition Panorama

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Und reizvoller als die bloßen, zigfach abgebildeten Felsformationen des Monument Valley ist es, wenn diese Gesteinsskulpturen lediglich die Kulisse bilden für die stilllebenhaft inszenierte Aussichtsplattform.

Bäume Horst Hamann Bildband America

Quelle: Edition Panorama

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Hamann zeigt einen vergleichsweise menschenleeren Teil der USA, wobei kaum eines seiner Motive ohne Relikte menschlicher Zivilisation auskommt; in den meisten Fällen dominieren sie die Szenerie sogar. Es sind oft keine vordergründig auffälligen Dinge.

Horst Hamann Bildband America Ladenzeile

Quelle: Edition Panorama

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Hamann gelingt es jedoch, den Blick auf solche Ansichten zu fokussieren, über die man ihn gewöhnlich nur rasch schweifen lassen würde, wenn überhaupt. In diesem gemeinhin Übersehenen findet er viel Prototypisches, ohne dass er es übermäßig ästhetisieren würde; weder das Glamouröse noch das Schäbige.

Horst Hamann Bildband America Hummerrestaurant

Quelle: Edition Panorama

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Gegen Ende des Buchs ist man als Betrachter so weit konditioniert, dass man die Bilder selbst zu ergänzen beginnt. Der Tisch in einem Hummerrestaurant in Maine ist leer, wie vermutlich das ganze Lokal, weil entweder gerade nicht Saison ist oder nicht Essenszeit. Unwillkürlich beginnt man jedoch, Gäste an dem Tisch zu platzieren, überlegt, ob es Einheimische sind oder Touristen.

Horst Hamann Bildband America Wüstenlandschaft

Quelle: Edition Panorama

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Von der Oberflächlichkeit, die den USA gerne unterstellt wird, ist in Horst Hamanns America nichts zu finden: Seine Panoramen haben viel Tiefe.

Horst Hamann: America. Edition Panorama, Mannheim 2012. 160 Seiten mit 70 Panoramafotografien, 68 Euro.

© SZ vom 14.03.2013/cag
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