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125 Jahre Speicherstadt in Hamburg:Mit Segen des Kaisers

Hamburgs Speicherstadt vereint Tradition und Moderne. Wo früher Kaufleute der Hansestadt mit Kaffee, Gewürzen und Kakao handelten, diskutieren heute Werbefachleute über ihre nächste Strategie. Ein Rückblick auf 125 Jahre Speicherstadt.

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Hamburger Speicherstadt

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Hamburgs Speicherstadt vereint Tradition und Moderne. Wo früher Kaufleute der Hansestadt mit Kaffee, Gewürzen und Kakao handelten, diskutieren heute Werbefachleute über ihre nächste Strategie. Ein Rückblick auf 125 Jahre Speicherstadt.

Hohe Backsteingebäude mit vielen grünen Türmchen sind charakteristisch für die Speicherstadt. Auf 26 Hektar erstreckt sich der von Kanälen durchzogene Lagerhauskomplex entlang der Elbe - vor 125 Jahren war es der größte der Welt.

125 Jahre Speicherstadt

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Die Speicher stehen auf Eichenpfählen im Wasser, unter sich die Elbinseln Kehrwieder und Wandrahm. Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich Hamburg geweigert, dem Deutschen Zollverein beizutreten. Schließlich einigte sich die Hansestadt doch noch mit Reichskanzler Otto von Bismarck auf einen Kompromiss: Sie unterzeichnete 1881 den Zollanschlussvertrag. Allerdings bekam Hamburg im Gegenzug einen Zuschuss von 40 Millionen Reichsmark für ein Freihafengebiet. In diesem konnten die Kaufleute weiterhin Importgüter zollfrei lagern und weiterverarbeiten.

125 Jahre Speicherstadt Hamburg Brooksbrücke Einweihung Kaiser Friedrich Wilhelm II.

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Davor waren die Lager im Stadtgebiet verteilt gewesen, doch da Hamburg seine Zollfreiheit verlor, mussten sie in die neue Speicherstadt umziehen. Für die Lagerhallen wurden etwa tausend Häuser abgerissen und bis zu 20.000 Einwohner umgesiedelt - meist ohne Entschädigung. Sie zogen in die Arbeiterviertel nach Barmbek oder an die Alster.

Den ersten Bauabschnitt der Speicherstadt weihte Kaiser Friedrich Wilhelm II. am 29. Oktober 1888 an der Brooksbrücke ein. Zur feierlichen "Schlusssteinlegung" bekam er zunächst eine silberne Maurerkelle mit Elfenbeingriff gereicht und nahm damit ein wenig Mörtel auf. Anschließend klopfte der Kaiser mit einem ebenfalls silbernen Polierhammer (der Griff natürlich auch aus Elfenbein) drei Mal auf den Stein: "Zur Ehre Gottes, zum Besten des Reichs, zu Hamburgs Wohl". Sein Segensspruch sollte sich erfüllen (mehr zum historischen "Kaisertag" lesen Sie hier).

125 Jahre Speicherstadt Hamburg Brooksfleet

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Bis 1927 zog sich der Bau der insgesamt 24 Speicherblöcke hin, die schlussendlich 300.000 Quadratmeter umfassten. Sie sind auch heute noch nach Buchstaben sortiert, im Block O beispielsweise soll im kommenden Jahr ein Vier-Sterne-Hotel entstehen. Jeder Block kann über die Straße, aber vor allem über die Fleete genannten Wasserwege angesteuert werden. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bomben mehr als die Hälfte der Speicherstadt, die meisten Blöcke wurden nach historischem Vorbild wieder aufgebaut.

Im Bild: Blick über die Neuerwegsbrücke auf Block G, 1932. Im Brooksfleet wurden die Schuten festgemacht, mit denen die Waren in die Lagerhäuser gebracht wurden.

125 Jahre Speicherstadt Hamburg Brooksbrücke

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Vor allem Kaffee, Kakao, Tee und Gewürze wurden hier verladen. Erstmals hatten die Quartiersleute genannten Inhaber ihre eigenen Lager und mussten nicht mehr in der Stadt für andere arbeiten. Sie blieben auch über Nacht und schliefen auf den Speicherböden.

125 Jahre Speicherstadt Hamburg Kaffeesäcke

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Heute wird hier kein Kaffee mehr gelagert, sondern nur noch verladen - und verköstigt. Das Speicherstadtmuseum erinnert an die Entstehung des markanten Viertels, das hinter den Backsteinfassaden ausgeklügelte Mechanismen zum Warentransport verbarg.

Teppichhändler in der Hamburger Speicherstadt

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In den 1950er Jahren wurden immer mehr Waren in Containern transportiert. Das Verladen auf kleine Kähne, die durch die Kanäle bis zu den Speichern fuhren, wurde damit zu kostspielig - ebenso die Lagerung selbst. So siedelten sich in den 1980er Jahren Teppichhändler in der Speicherstadt an. In der Blüte sollen es mehr als 200 Firmen gewesen sein, die Speicherstadt wurde zum weltgrößten Lager- und Handelsplatz für Orientteppiche.

125 Jahre Speicherstadt Hamburg Glasdach

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Der Lichthof im Eingang der Hauptverwaltung der Hamburger Hafen- und Logistik Aktiengesellschaft (HHLA): Moderne trifft in der Speicherstadt auf historische Architektur. 1991 wurde die Speicherstadt unter Denkmalschutz gestellt. Inzwischen haben sich neben Büros auch Restaurants und Attraktionen wie die weltgrößte Modelleisenbahnanlage angesiedelt.

2003 wurde die Speicherstadt für den Bau der angrenzenden HafenCity mit all ihren Büropalästen, Premiumwohnungen und Prestigeprojekten wie der Elbphilharmonie aus dem Freihafen herausgenommen und zum zollrechtlichen Inland. Viele Firmen zogen weg, Touristen kamen.

125 Jahre Speicherstadt Hamburg Werbeagentur

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In die früheren Lager ziehen immer mehr Firmen wie die Werbeagentur von Hartwig Keuntje ein: "Nichts ist doch öder als diese komplett durchgentrifizierten Bürostädte, in denen die uniformierten Anzugträger verschiedener Versicherungsunternehmen einander gute Nacht sagen", meint Keuntje über das Nebeneinander von Alt und Neu. Er könne die Speicherstadt weiterempfehlen - zumindest an jene, die den Baulärm der Hafencity vorerst nicht scheuen.

Speicherstadt Hamburg 125 Jahre

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Touristen versuchen, in der Speicherstadt die längst vergangenen Gerüche von Kaffee, Tee und Gewürzen aufzuspüren. Auch wenn der Duft verflogen ist, die Architektur bleibt eindrucksvoll. Zum Jubiläum bietet das Speicherstadtmuseum besondere Touren an, wer ebenfalls im Oktober Geburtstag hat, darf kostenlos daran teilnehmen.

© SZ.de/cag/dpa/kaeb/bavo/sks
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