bedeckt München
vgwortpixel

Zwei Jahre NSU-Prozess:Zschäpes Körper revoltiert

Und dann sagt plötzlich doch ein Zeuge etwas: Am vergangenen Mittwoch kam plötzlich Kay S. in den Saal, ein alter Kamerad von Zschäpe und ihren Gefährten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Immer hatte der Mann dichtgehalten, selbst dann noch, als ihn das Bundeskriminalamt befragte. Nun plötzlich will er seinem Herzen Luft machen - und gibt ein Geständnis ab. Es geht darum, dass Mundlos und Böhnhardt schon 1996 eine Puppe mit einem Judenstern auf der Brust an eine Autobahnbrücke gehängt hatten, den Kopf in einer Schlinge. Und nun sagt der Zeuge: "Ich war dabei." Und außer ihm, Mundlos und Böhnhardt auch die Angeklagten Zschäpe und Wohlleben. Das war bisher nicht bekannt. Alle sehen sich erstaunt an. Es ist kein guter Tag für die Verteidigung.

Report

NSU-Prozess

Aussteiger will reinen Tisch machen

Der ehemalige Rechtsradikale Kay S. kannte das Trio um Beate Zschäpe schon vor zwanzig Jahren. Nun sitzt er im NSU-Prozess und gesteht eine gemeinsame Tat.   Aus dem Gericht von Tanjev Schultz

Zuletzt hat sie einem Psychiater berichtet, dass sie das Schweigen kaum mehr aushalte

Die hat es in diesem Prozess ohnehin ziemlich schwer. Zschäpes drei Verteidiger haben sich mit ihrer Mandantin darauf verständigt, dass sie schweigen soll. Kein Wort, nie und nirgends. Denn was einem nicht nachzuweisen ist, dafür kann man nicht verurteilt werden. Die Verteidigung setzt darauf, dass die Indizien nicht ausreichen für eine Verurteilung Zschäpes als Mittäterin bei den Morden. Doch immer wieder scheint Zschäpe diese Verteidigungsstrategie infrage zu stellen. Zuletzt hat sie dem Psychiater Norbert Nedopil berichtet, dass es in ihr rumore, dass sie das Schweigen kaum mehr aushalte, dass sie psychosomatische Beschwerden davon habe bis hin zu einer Röschenflechte. Ihr Körper revoltiert.

Zwei Jahre lang hat Beate Zschäpe den Tränen, der Wut der Angehörigen standgehalten, hat keine Miene verzogen, wenn Mütter an sie appellierten zu sprechen, wenn eine Urlaubsfreundin sie fragte, ob Zschäpe ihr die Freundschaft nur vorgespielt habe. Die Zeugin, ein junges Mädchen, war in Tränen aufgelöst. Es saß, wie alle Zeugen, nur zwei, drei Meter von Zschäpe entfernt. Die Angeklagte blieb eisern. Doch das gelingt ihr nun nicht mehr, ihr Gesicht entgleist. Sie wirkt genervt. Sie will den Prozess hinter sich bringen.

Man kann sich vorstellen, wie schwierig es für die Verteidiger ist, diese Mandantin im Zaum zu halten. Offenbar hat sie nicht damit gerechnet, dass der Prozess sich so lange hinzieht. Und dass ein Bild von ihr gezeichnet wird, selbst wenn sie nichts sagt. Der eine Zeuge erzählt, sie sei bauernschlau, ein anderer, sie habe mit allen geschlafen. Und sie kann dieses Bild nicht zurechtrücken. Psychiater Nedopil fragt in seinem vertraulichen Gutachten leise, ob eine Verteidigungslinie Sinn habe, wenn die Mandantin dabei krank werde.

NSU-Prozess Selbstbewusst, aber eine Mitläuferin
Report
NSU-Prozess

Selbstbewusst, aber eine Mitläuferin

Im NSU-Prozess erweist sich der Zeuge Christian K. als wohltuende Abwechslung. Von der radikalen Gesinnung hat er sich offenbar gelöst. Beate Zschäpe beschreibt er als "nicht besonders intelligent", aber bauernschlau.   Aus dem Gericht von Tanjev Schultz

Doch reden, das kommt für Zschäpes Verteidigung nicht infrage. Wenn die Mandantin etwas sagt, dann müsste sie ja nicht nur zu Dingen, die sie ärgern, sprechen, sondern zu allem. Sie müsste Helfer nennen. Ein "Teilschweigen" kann ihr negativ ausgelegt werden.

Der juristische GAU, der größte anzunehmende Unfall für diesen Prozess, aber wäre, wenn Zschäpe dauerhaft krank würde. Dann wäre der Prozess geplatzt, zwei Jahre, mehr als 200 Tage Verhandlung wären umsonst gewesen. Das will niemand. Vermutlich nicht mal Beate Zschäpe.