bedeckt München -2°

Zeugenaussage im NSU-Prozess:Das Beispiel mit den RAF-Terroristen Klar und Albrecht

Man kann sich nun sehr gut vorstellen, wie der freundliche Herr Binz seine väterliche Seite hervorkehrte. "Ich bin doch schon länger im Geschäft, und sie ist ja in der DDR aufgewachsen, wir hatten die RAF." Er habe dann über die RAF-Terroristen Susanne Albrecht und Christian Klar geredet, Albrecht habe ausgesagt, Klar geschwiegen. Und Binz sagte zu Zschäpe: "Klar hat über 20 Jahre verbüßt und Albrecht war nach ein paar Jahren wieder draußen." Er hat in der Zwischenzeit sogar noch nachgeschaut: Klar hat 26 Jahre in Haft gesessen, Albrecht war zwar zu 13 Jahren Haft verurteilt worden, kam aber nach sechs Jahren auf Bewährung frei. "Sie führt heute ein normales Leben, in einem anerkannten Beruf, unter anderem Namen", sagt Binz noch mal eindringlich. Zschäpe hört es - sie sitzt nur ein paar Meter entfernt. Sie sieht an diesem Tag wieder aus wie ihre Anwälte, schwarzer Hosenanzug, weiße Bluse, die Haare zum Knoten gebunden.

Aus Sicht der Polizei kann man ja immer noch hoffen, dass die Frau, die mal reden wollte und nun eisern schweigt, sich noch anders besinnt. Der Richter fragt: "Wie hat sie auf Ihr Beispiel mit Klar und Albrecht reagiert?" "Sie ist schon nachdenklich geworden", sagt Binz. Und sie habe gesagt, sie sei niemand, der nicht zu seinen Taten stehe. Wenn sie rede, dann werde ihre Aussage umfangreich und vollständig sein.

Binz versuchte es auch auf die emotionale Tour

Beate Zschäpe denkt, glaubt man Herrn Binz, schon über ein Leben nach der Haft nach - ihren Namen wolle sie ändern, habe sie auf der Fahrt erzählt. Und es sei ihr wichtig, was man über sie denkt. Dass in einem Vermerk das Wort "bauernschlau" über sie auftaucht, habe sie sehr geärgert, das sei eine Beleidigung.

Binz versuchte es dann auch noch auf die emotionale Tour. Als sie gerade an Jena vorbeifuhren, wo Zschäpe aufgewachsen ist, sagte er ganz unvermittelt: "Übrigens, da habe ich die Eltern von Uwe Böhnhardt vernommen." - "Ich wollte sehen, wie sie reagiert", sagt er vor Gericht. Und er sagte ihr: "Das waren nette Leute, die mochten Sie gut leiden." Dann setzte Binz noch eins drauf. "Der Vater sieht dem Sohn ja wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich." Da drehte Zschäpe den Kopf weg, blickte frontal an die Scheibe und schaute auf die vorbeiziehenden Plattenbauten von Jena. "Da schien sie emotional berührt gewesen zu sein. Sie hatte ein klein bisschen feuchte Augen. Aber," und man merkt, dass der Herr Binz schon ein bisschen enttäuscht war: "Sie hat trotzdem nicht gesagt, wie es alles gewesen ist."

Die Verteidigung erklärt, Binz habe verbotene Vernehmungsmethoden angewandt und Frau Zschäpe getäuscht. Es habe sich bei dem Gespräch ganz eindeutig um eine Vernehmung gehandelt.

© SZ vom 04.07.2013
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema