Wikileaks - Kabelberichte:Iran: Arabische Attacke

Die Logik ist nicht neu: Die Forderung, Iran anzugreifen, bevor die Regierung in Teheran in den Besitz von Atomwaffen kommt, ist seit Jahren von Politikern in den USA, Israel und auch Europa zu hören. Man müsse "der Schlange den Kopf abschlagen", bevor es zu spät sei, wird nun ein Staatsoberhaupt in den von Wikileaks enthüllten Dokumenten zitiert. Irans Ziel sei es, "Probleme zu verursachen und der Welt Angst einzuflößen".

Ahmadinedschad in Riad

Freunde nur vor den Kameras: Der saudische König Abdullah (vorne rechts) hat in Gesprächen mit US-Diplomaten offenbar gefordert, die iranischen Atomanlagen anzugreifen. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad (links) sieht die Freundschaft der beiden Länder nicht gefährdet.

(Foto: dpa)

Das Pikante daran: Es war der saudische König Abdullah, der die USA so offen zu einem Angriff auf die iranischen Atomanlagen gedrängt haben soll. Die nun öffentlich gewordenen Depeschen zwischen US-Botschaften und dem Außenministerium in Washington sind für die arabischen Staaten äußerst peinlich. Sie hatten in der Vergangenheit stets offiziell beteuert, den Konflikt friedlich lösen und weitere Unruhe in der Region vermeiden zu wollen.

Auch andere arabische Führer fürchten offenbar kaum etwas mehr als einen nuklear bewaffneten Iran. "Wir haben alle Angst", wird Ägyptens Präsident Hosni Mubarak zitiert. Neben dem saudischen König verlangten den Veröffentlichungen zufolge auch die Oberhäupter von Jordanien, Bahrain und Abu Dhabi in informellen Gesprächen mit US-Vertretern, das Atomprogramm müsse notfalls mit Luftangriffen gestoppt werden.

Und noch etwas fordern die Golfstaaten von den USA: Schlage Iran nach einem Angriff zurück, bräuchten sie militärischen Beistand. Er habe nicht die Mittel, "um seine Leute zu verteidigen, wenn ein Krieg mit Iran ausbricht", soll der Kronprinz von Abu Dhabi, Mohamed bin Zayed, gesagt haben.

Der Kronprinz fühlt sich von der gegenwärtigen Lage in der Region gar an die Appeasement-Politik des Westens vor dem Zwieten Weltkrieg erinnert: "Ahmadinedschad ist Hitler", soll er gesagt haben. Damals wie heute sei ein Krieg "nur eine Frage des Wann und nicht des Ob".

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