Wikileaks: Pakistan:"Taliban wollen an Nuklearmaterial gelangen"

Lesezeit: 3 min

Nicht nur in den USA, sondern auch Russland macht man sich große Sorgen über die "höchst instabile" Lage in Pakistan. Das belegen die jetzt von Wikileaks veröffentlichten Dokumente.

T. Matern

Es gibt wenig, was amerikanische Diplomaten mehr umtreibt als Pakistans Atomprogramm. Das Land sieht sich seit Jahren einer wachsenden Gefahr durch die Taliban ausgesetzt. Wie massiv die Sorgen der US-Regierung sind, belegen nun die veröffentlichten Wikileaks-Dokumente, aus denen zunächst der Spiegel, die New York Times und der Guardian ausgiebig zitiert haben.

Wikileaks: Pakistan: Eine pakistanische Anlage zur Produktion von Plutonium. Schon im Jahr 2008 berichteten US-Diplomaten: "Trotz der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Katastrophe produziert Pakistan Nuklearwaffen schneller als jedes andere Land der Welt."

Eine pakistanische Anlage zur Produktion von Plutonium. Schon im Jahr 2008 berichteten US-Diplomaten: "Trotz der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Katastrophe produziert Pakistan Nuklearwaffen schneller als jedes andere Land der Welt."

(Foto: AFP)

Auch ein russischer Diplomat teilt demnach die Furcht seiner amerikanischen Kollegen: Pakistan sei "höchst instabil", sagt er. Die Taliban "wollen nicht nur an die Macht in Pakistan, sondern auch an das Nuklearmaterial gelangen", ist der Diplomat laut der von amerikanischen Regierungsbeamten verfassten Dokumente überzeugt.

Schon im Jahr 2008 heißt es in einem geheimen US-Bericht: "Trotz der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Katastrophe produziert Pakistan Nuklearwaffen schneller als jedes andere Land der Welt." Die USA haben sich demnach immer wieder darum bemüht, die Sicherheitsvorkehrungen für die Anlagen des schwierigen Verbündeten zu erhöhen.

Sie würden gern noch mehr Einfluss ausüben - aber so weit reicht Washingtons Einfluss in Islamabad dann doch nicht. Von der US-Botschaft in Pakistan gibt es ein nun veröffentlichtes Schreiben an den amerikanischen Sondergesandten für die Region, Richard Holbrooke. Die größte Sorge sei demnach nicht, dass "Islamisten eine ganze Waffe stehlen", sondern dass Mitarbeiter des Atomprogramms nach und nach genug Material an sich nehmen könnten, um "daraus eine Waffe zu bauen". Aus Sicht des russischen Diplomaten sind laut einer Depesche mindestens 120.000 Menschen in Pakistan für das Nuklear- und Raketenprogramm tätig. "Es gibt keine Garantie, dass sie alle zu 100 Prozent loyal und verlässlich sind", soll er gesagt haben.

Aber nicht nur die Atomsprengköpfe veranlassen die Amerikaner immer wieder dazu, ihre Besorgnis über den Verbündeten zum Ausdruck zu bringen. Die Obama-Administration ist noch nicht offiziell im Amt, als der designierte Vizepräsident Joe Biden Anfang des Jahres 2009 Pakistan besucht. Von Armeechef Ashfaq Parvez Kayani will er laut einer anschließend geschriebenen Depesche wissen, ob beide Länder "den selben Feind haben". "Wir sind auf der selben Seite in Afghanistan", erwidert Kayani laut Protokoll der US-Botschaft, das nach Washington gekabelt wird. Dann kommt jedoch die Einschränkung: "Aber es mag unterschiedliche Taktiken geben", soll Kayani gesagt haben.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB