FDP: Westerwelle in Bedrängnis Die im Dunkeln sieht man jetzt

Schon viele Ämter sind vergeben worden, bevor sie zu besetzen waren. Im Fall von FDP-Chef Guido Westerwelle wurde behauptet, es gebe zu ihm keine Alternative. Doch nun fallen stets zwei Namen - nur einer steht für einen Neuanfang.

Von Peter Blechschmidt, Berlin

Schon viele Ämter sind vergeben worden, bevor sie tatsächlich zu besetzen waren. Und Nachfolgekandidaten sind schnell verbrannt, wenn ihr Name zu früh in die Debatte gerät. Die Diskussion über FDP-Chef Guido Westerwelle und seinen möglichen Rückzug vom Parteivorsitz, die in dieser Woche von verschiedensten Seiten kräftig angeheizt wurde, kann die Nachfolgefrage jedoch nicht aussparen. Zumal ein wesentliches Element in der Argumentation derjenigen, die den Verbleib Westerwelles an der Spitze prophezeien, die angeblich fehlende Alternative zu ihm ist.

Brüderle, Lindner, Westerwelle: Die Diskussion über den FDP-Chef und seinen möglichen Rückzug vom Parteivorsitz, die in dieser Woche kräftig angeheizt wurde, kann die Nachfolgefrage nicht aussparen.

(Foto: ddp)

Dieses Argument hat lange Zeit gewirkt. Doch schon im Spätsommer hielten Mitglieder der Bundestagsfraktion es für möglich, dass eines Tages der Unmut so stark werden könnte, dass es Westerwelle auch ohne konkrete Nachfolgelösung hinwegfegen könnte. Dabei ist es ja nicht so, als wenn die FDP nicht außer Westerwelle geeignetes Führungspersonal aufzuweisen hätte.

In den vielen Runden, in denen dieser Tage über die FDP diskutiert wird, konzentrieren sich die Überlegungen auf zwei Namen - Rainer Brüderle, derzeit Bundeswirtschaftsminister, und Christian Lindner, seit 15 Monaten Bundestagsabgeordneter und seit einem Jahr Generalsekretär der Bundespartei. Für und gegen beide gibt es gute Argumente.

Brüderle ist mit seinen 65 Jahren ein altes politisches Schlachtross. Er ist seit 1983 Vorsitzender der rheinland-pfälzischen FDP und war elf Jahre Minister in Mainz sowohl unter einem CDU- als auch unter einem SPD-Ministerpräsidenten, hat also auch reiche Erfahrung in Koalitionen unterschiedlicher Couleur. Mit der Bildung der christlich-liberalen Koalition in Berlin vor einem Jahr schaffte es Brüderle in sein Lieblingsministeramt. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten hat er sich dort als Hüter der sozialen Marktwirtschaft etabliert und mit seinem Eintreten für liberale Positionen auch viel Zustimmung in den eigenen Reihen zurückgewonnen.

Gegen ihn als Westerwelle-Nachfolger spricht, dass er für die alte FDP steht. Außerdem bezweifeln viele, dass der Genussmensch Brüderle sich wirklich in die Fron des Parteivorsitzes begeben wolle. Und schließlich verdächtigt ihn zumindest das Westerwelle-Lager, an den Ränkespielen gegen den amtierenden Parteichef nicht unschuldig zu sein.

Für einen wirklichen Neuanfang stünde hingegen nach Meinung vieler Liberaler der junge Generalsekretär Christian Lindner. Einer, der in diesen Tagen gar nicht aufhört, seine Vorzüge zu preisen, ist der ehemalige stellvertretende FDP-Vorsitzende Gerhart Baum, eine der Galionsfiguren des ehemals linksliberalen Flügels. Lindner wolle die FDP thematisch wieder breiter aufstellen, sagt Baum. Dank seiner werde endlich wieder über eine Aktualisierung liberaler Grundsätze diskutiert. Nicht umsonst leitet Lindner auch die Arbeit am neuen Grundsatzprogramm. Tatsächlich erweckt Lindner in seinen häufig frei und sehr effektvoll vorgetragenen Reden den Eindruck, dass es ihm nicht nur um griffige Formulierungen geht, sondern dass er weiß, wovon er redet.

Für den gerade mal 31-Jährigen selbst kommt diese Diskussion viel zu früh. Die kräftezehrende Hektik des Berliner Politikbetriebs macht ihm noch zu schaffen. Auch wenn er gelegentlich Meinungsunterschiede zu Westerwelle einräumt, steht er doch loyal zum Vorsitzenden, dem er einen Teil seiner Karriere verdankt; beide sind in Nordrhein-Westfalen zu Hause. Seine Jugend und seine relative Unerfahrenheit galten bislang als Haupthindernisse für einen baldigen Aufstieg auf den Vorsitz. Wenn aber die Altvorderen den jungen Mann ausnahmsweise mal anstandslos unterstützen würden, könnte Lindner es schaffen, der FDP Ansehen und Glaubwürdigkeit zurückzuerobern.

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