Westerwelle und die FDP:Das Auf und Ab des Guido W.

Nach zehn Jahren gibt Guido Westerwelle seinen Posten als Parteichef auf. Vom Spaßguido im Big-Brother-Container zum ungeliebten Vorsitzenden:

Die Karriere in Bildern.

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Bundestag - Westerwelle

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Nach zehn Jahren im Amt gibt Guido Westerwelle seinen Posten als Parteichef auf. Vom Spaßguido im Big-Brother-Container zum ungeliebten Vorsitzenden: Die Karriere in Bildern.

In den vergangenen Tagen ist die Kritik aus den eigenen Reihen immer stärker geworden. FDP-Chef Guido Westerwelle wird beim Parteitag im Mai nicht mehr als Vorsitzender kandidieren. Außenminister will er aber bleiben.

FDP-Vorstand: Westerwelle soll Parteivorsitz an Lindner abgeben

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FDP-Generalsekretär Christian Lindner gilt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten auf die Nachfolge von Westerwelle. Lindner gehört mit Philipp Rösler und Daniel Bahr zu den Nachwuchshoffnungen der Partei.

FDP-Fraktionssitzung nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz

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Die heftige Personaldebatte um Westerwelle war ausgebrochen, nachdem die FDP in mehreren Landtagswahlen bittere Wahlniederlagen einstecken musste: In Rheinland-Pfalz (im Bild der dortige FDP-Spitzenkandidat Herbert Mertin) flog die FDP gar aus dem Landtag. Eine weitere Pleite musste die Partei in ihrem Stammland Baden-Württemberg einstecken: Dort schafften die Liberalen gerade noch die Fünf-Prozent-Hürde.

Startschuss 'IT-Sicherheit in der Wirtschaft'

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Viele Liberale machten insbesondere die Bundes-FDP für die Wahlschlappen verantwortlich. Neben Guido Westerwelle geriet Wirtschaftsminister Rainer Brüderle in die Kritik: Der soll kurz vor dem Wahlsonntag vor Industriebossen die Kehrtwende der Kanzlerin in der Atompolitik mit Wahlkampftaktik begründet haben.

Kritik aus Kiel: der FDP-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, fordert einen personellen Wechsel an der Spitze des Landesverbandes Sachsen-Anhalt

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Doch bereits im vergangenen Jahr musste Guido Westerwelle heftige parteiinterne Kritik einstecken. Sie gipfelte in der Äußerung des FDP-Fraktionsvorsitzenden im Landtag von Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, der den Zustand der FDP in einem Interview im Dezember 2010 mit der Spätphase der DDR verglich. Dafür hagelte es Kritik, allerdings traf Kubicki mit seinen Äußerungen über den desolaten Zustand der Partei auch auf Zustimmung. Bereits zu diesem Zeitpunkt mehrten sich die Stimmen, die Westerwelles Rückzug forderten.

Westerwelle; dpa

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Der Niedergang der FDP begann zu dem Zeitpunkt, als Guido Westerwelle die Liberalen nach elf Jahren in der Opposition wieder in die Regierung geführt hatte: Am 28. Oktober 2009 wurde er im Bundestag als Vizekanzler und Außenminister vereidigt.

Guido Westewelle, Reuters

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Den Grundstein dafür legte das gute Wahlergebnis seiner FDP bei der Bundestagswahl am 27. September: Die Liberalen erhielten 14,6 Prozent der Stimmen und erreichten damit das beste Ergebnis ihrer Geschichte in der Bundesrepublik Deutschland. Die FDP konnte wieder regieren - in einer Koalition mit der Union.

Guido Westerwelle, Martin Zeil, dpa

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Vor der Wahl schaffte es Westerwelle, einen Erfolg nach dem anderen für seine Partei einzuheimsen. Der selbsternannte "Volkstribun der Mittelschicht" bescherte der FDP ein Hoch in der Wählergunst. Hier im Bild mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) auf einer Wahlkampf-Veranstaltung in einem Festzelt im oberbayerischen Tutzing im August 2009.

Guido Westerwelle, AP

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Elf Jahre haben die Liberalen das politische Tagesgeschäft im Bundestag von der Oppositionsbank verfolgen müssen. Der Fraktionsvorsitzende Westerwelle nutzte die Zeit, um sich als Staatsmann warm zu laufen. Westerwelle bei einer Rede im September 2009, nach dem von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff auf zwei gekaperte Tanklaster im afghanischen Kundus. Den Rücken stets durchgedrückt, wählte er staatstragende Worte: "Hier geht es nicht um Parteien, hier geht es um unser Land."

Guido Westerwelle, Angela Merkel, Edmund Stoiber, AP

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Das Verhältnis zwischen Westerwelle und Angela Merkel war nach den Wahlen im Jahr 2005 zunehmend abgekühlt: Wegen des sozialdemokratischen Kurses der Union nannte Westerwelle die CDU-Vorsitzende "Mutti". Eine schwarz-gelbe Zukunft zeichnete sich trotzdem ab: 2004 setzte Westerwelle gemeinsam mit den Parteivorsitzenden von CDU und CSU, Angela Merkel und Edmund Stoiber, Horst Köhler als Bundespräsidenten durch.

Guido Westerwelle, dpa

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Während der Zeit in der Opposition ging es innerparteilich für Westerwelle stets voran: Im Mai 2001 schaffte er es, sich über den führungsschwachen Parteivorsitzenden Wolfgang Gerhardt hinwegzusetzen. Westerwelle übernahm den alleinigen Parteivorsitz. Ein Jahr später, im Mai 2002, rückte er seinem Ziel ein Stück näher: Westerwelle wurde der erste Kanzlerkandidat der Geschichte der FDP, auf dem FDP-Bundesparteitag formt er die Hände zum Victory-Zeichen.

Guido Westerwelle, AP

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Westerwelle gehörte zu den Mitgründern der Jungen Liberalen, von 1983 bis 1988 hatte er den Bundesvorsitz inne. Die Aufnahme aus dem Jahr 1986 zeigt ihn auf dem FDP-Bundesparteitag in Hannover.

Guido Westerwelle, dpa

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1988 wurde Westerwelle in den FDP-Bundesvorstand gewählt. 1993 übernahm der promovierte Rechtsanwalt den Vorsitz des FDP-Kreisverbands Bonn. Nur ein Jahr später wählte ihn die Partei auf Vorschlag des damaligen FDP-Chefs Klaus Kinkel zum neuen Generalsekretär.

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2002 warb Westerwelle  für das "Projekt 18". Bei den Bundestagswahlen peilte der FDP-Chef 18 Prozent der Zweitstimmen an. Zum Auftritt in der Talksendung "Sabine Christiansen" erschien er mit 18-Prozent-Schuhen und ein 18-Prozent-Hemdkragen schmücke den Anzug mancher FDP-Politiker. Westerwelle tourte außerdem mit dem Guidomobil durch Deutschland.

Guido Westerwelle, ddp

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Mit lediglich 7,4 Prozent der Stimmen verkam das "Projekt 18" nach der Bundestagswahl zur Spottnummer. Es folgte eine parteiinterne Krise: Jürgen Möllemann, FDP-Vize und nordrhein-westfälischer Landeschef, sorgte mit einer antisemitischen Flugblattaffäre für einen Skandal. Am 5. Juni 2003 starb Möllemann bei einem Fallschirmabsturz, kurz nachdem der Bundestag seine Immunität aufgehoben hatte. Westerwelles Parteikarriere indes konnte die Möllemann-Affäre nichts anhaben.

© sueddeutsche.de/Kathrin Haimerl/leja/bgr
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