Werkstatt Demokratie in Berchtesgaden"Ich mache mir Sorgen um Europa"

Vom leidenschaftlichen Europäer über den besorgten Vater bis hin zur frustrierten Britin: was die Teilnehmer der Werkstatt Demokratie bewegt und was sie sich für Europa wünschen.

Protokolle von Lena Jakat und Jana Anzlinger

Jörg Bothe, 54, Weinheim in der Kurpfalz

"Ich bin aus Weinheim bei Heidelberg zur Werkstatt Demokratie in Berchtesaden gekommen, weil Europa für mich ein extrem wichtiges Thema ist. Nicht nur wegen der Brexit-Frage, sondern auch, wenn ich an meine Kinder denke, an den Klimawandel, gegen den nur eine konsequente gemeinsame EU-Umweltpolitik hilft. Meine Kinder sind zehn, elf, 13, 23 und 25 Jahre alt.

Ich glaube, Europa ist im Moment in einer institutionellen Krise. Es ist nicht richtig klar, wo es eigentlich hingehen soll. Alles verharrt im Klein-Klein: Hier noch eine Million, da eine Milliarde. Dieses ist blöd, jenes wollen wir nicht. Das finde ich traurig. Das ist alles viel zu klein gedacht! Europa braucht eine Vision, ein übergeordnetes Thema.

Ich nehme aus dem Workshop eine konkrete Aufgabe mit: Zu dieser gemeinsamen Idee einen Text zu entwerfen, an dem ich zusammen mit den anderen Teilnehmern weiter arbeiten will. Einen Text, in dem es nicht um rechtliche Details geht, sondern einen, wie er in der Präambel einer europäischen Verfassung stehen könnte. Daraus könnte später vielleicht eine Online-Petition entstehen. Europa hat mehr als 500 Millionen Einwohner. Wir können darauf warten, dass die sich alle auf eine gemeinsame Vision einigen. Oder wir fangen einfach mal an."

Bild: Jessy Asmus 18. April 2019, 07:122019-04-18 07:12:05 © SZ.de/sebi/saul