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Weihnachtsansprache:"Unser Land ist ein starkes Land"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einer Weihnachtsansprache im Schloss Bellevue

Bundespräsident Steinmeier bei der Aufzeichnung seiner Weihnachtsansprache.

(Foto: imago/Christian Thiel)

In seiner Weihnachtsansprache spricht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Deutschen Mut zu: Er habe Hoffnung auf ein Ende der Corona-Pandemie, auch dank der Solidarität, die sich entwickelt habe.

Von Nico Fried, Berlin

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appelliert an die Bundesbürger, trotz der schwierigen Umstände aufgrund der Corona-Pandemie nicht die Zuversicht zu verlieren. "Fröhlich sind diese Weihnachten wahrlich nicht überall", sagt das Staatsoberhaupt in seiner traditionellen Weihnachtsansprache. Er erinnert an die Verstorbenen und jene, die in diesen Tagen auf den Intensivstationen um ihr Leben kämpften. Die Einschränkungen, die verhängt worden seien, um die Verbreitung des Virus zu stoppen, hätten allen zugesetzt, so der Bundespräsident. Schüler seien genervt , Familien erschöpft, und viele Menschen fürchteten um ihre Existenz.

"Dennoch: Vergessen wir bitte neben den vielen dunklen die hellen Seiten dieses Jahres nicht", so der Bundespräsident. "Gerade in diesen Tagen erleben wir doch: Das Virus treibt uns nicht auseinander. Im Gegenteil, es lässt uns zusammenrücken."

Deutschland sei stark, "weil so viele Menschen für andere da sind und in der Krise über sich hinauswachsen". Deshalb danke er besonders allen, die im Kampf gegen das Virus in der ersten Reihe stünden, bis zur Erschöpfung arbeiteten und ihre Gesundheit riskierten, so Steinmeier. Als Beispiele nannte er Ärzte und Pfleger, aber auch Erzieherinnen, Wissenschaftler und Busfahrer. "Unser Land ist ein starkes Land, weil wir die Lasten der Krise gemeinsam schultern", so der Bundespräsident. So komme finanzielle Hilfe vom Staat, aber viele Menschen unterstützten auch privat "den Laden ums Eck, die Musikschule, den Sportverein".

Auch habe man in einer Zeit der Verunsicherung der Demokratie vertrauen können. Zwar sei über die Entscheidungen gestritten worden, man habe sie aber doch gemeinsam getragen. "Diejenigen, die die Gefahr des Virus leugnen, sind zwar oft besonders laut", so der Bundespräsident in Anspielung auf zahlreiche Demonstrationen gegen die Corona-Politik. "Aber die Vernünftigen sind die große Mehrheit." Sie sorgten dafür, "dass wir Menschenleben schützen und die Krise bewältigen können".

Steinmeier lobt "Vernunft, Mitgefühl und Verantwortung"

Die meisten Menschen in Deutschland handelten "solidarisch - nicht, weil der Staat es ihnen befiehlt, sondern aus Vernunft, Mitgefühl und Verantwortung". Dies sei eine gute Nachricht dieses Jahres. Aus der Erfahrung, wie viel miteinander zu bewegen sei, könne man auch Mut und Kraft zur Bewältigung anderer globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Hunger und Armut schöpfen.

Der Bundespräsident erinnerte an die Menschen, die an oder mit Corona gestorben sind. "Viele sind einen bitteren, einen einsamen Tod gestorben, und sie alle fehlen", sagte das Staatsoberhaupt. Die Pandemie habe gezeigt, "wie verletzlich wir Menschen sind", wie zerbrechlich das sei, was man als "normales Leben" betrachte. Andererseits habe man auch erfahren, "wie stark wir sind, wenn wir aufeinander achtgeben und füreinander da sind". Mit den in Aussicht stehenden Impfungen sehe man nun "das lang ersehnte Licht am Ende des Tunnels heller werden". Nun seien allerdings auch auf den letzten Metern Vernunft und Geduld gefragt.

Dieses Jahr erlebe man ein anderes Weihnachten. Viele ältere und kranke Menschen blieben allein, um sich vor dem Virus zu schützen, so der Bundespräsident. Jüngeren Menschen gehe es zu still zu. "Vielleicht haben wir noch an keinem Weihnachten so sehr gespürt, wie wichtig uns Menschen sind, wie sehr wir auf andere angewiesen sind."

Die Weihnachtsansprache wird am ersten Feiertag unter anderem in ARD und ZDF gezeigt, jeweils nach den Hauptnachrichtensendungen am Abend.

© SZ/Hohmann
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