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Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen:Röttgen vollendet den Fehlstart

Ein erster Auftritt in Düsseldorf, ein echter Knaller für das Schattenkabinett - und schon hätte die Debatte um Norbert Röttgen verstummen können. Soweit die Theorie. Doch der Spitzenkandidat der NRW-CDU präsentierte eine weitgehend unbekannte Frau für eine recht unbedeutende Position. Die Pannenserie im Wahlkampf geht damit weiter.

Die Debatte ebbt nicht ab. Norbert Röttgen, Spitzenkandidat der NRW-CDU für die Neuwahlen am 13. Mai, will sich weiterhin nicht festlegen lassen, ob er nach der Wahl auf jeden Fall nach Düsseldorf geht. Oder nur, wenn er - was unwahrscheinlich ist - Ministerpräsident wird.

Pk Norbert Röttgen

Norbert Röttgen bei der Vorstellung seiner Europa-Schattenministerin Ursula Heinen in Düsseldorf.

(Foto: dpa)

Er müsste dafür sein Amt als Bundesumweltminister aufgeben. Es sieht nicht danach aus, als habe er Lust, es gegen den Posten eines Fraktionsvorsitzenden im Landtag einzutauschen. Röttgen hat sich deswegen sogar mit Kanzlerin Angela Merkel angelegt, die ihm angeblich geraten hat, sich mit seinem ganzen Gewicht in den NRW-Wahlkampf zu stürzen.

Es ist - gelinde gesagt - ein suboptimaler Start für Röttgen in diesen überraschenden Wahlkampf. Am Morgen gab es vernehmlich viele Stimmen in der Landtagsfraktion, die Röttgens Kurs nicht nachvollziehen können. Und auch in der Sitzung der NRW-Landesgruppe der CDU-Bundestagsfraktion wurde am Montagabend Klartext gesprochen. Mindestens drei Abgeordnete haben Röttgen nahegelegt, endlich reinen Tisch zu machen. Das ist an sich nicht sonderlich bemerkenswert. Stutzig aber müsste Röttgen machen, dass es offenbar niemanden gab, der ihn in dieser Runde verteidigte.

Altmaiers vage Hoffnung

Inzwischen wird Röttgen mehr und mehr zum Ziel von Spott: Im Netz kursieren von FDP-Mitgliedern zusammengeschusterte Plakate, auf denen "der Norbert" als Feigling dargestellt wird. Es sind Witze im Umlauf, wonach Röttgen einer sei, der den Lottoschein erst bezahlen wolle, wenn er sechs Richtige sicher habe.

Dass Röttgen am Dienstagmorgen eine gewisse Ursula Heinen als Mitglied seine Schattenkabinetts vorstellt, macht die Sache nicht besser. Es ist Röttgens erster offizieller Wahlkampf-Auftritt in Düsseldorf. Und eine Chance: Mit einer überzeugenden Person hätte er die Debatte um seine Person wenn nicht stoppen, dann zumindest überlagern können.

Am Morgen noch wies CDU-Parlamentsgeschäftsführer Peter Altmaier auf den spannungsreichen Termin hin und äußerte die vage Hoffnung, dass damit einiges besser werden würde. Wenn er gewusst hat, wen Röttgen da vorstellen würde, dann darf dies als gezielte Gemeinheit verstanden werden.

Eine von fünf Stellvertreterinnen

Röttgen hätte einen Knaller präsentieren müssen, um in die Offensive zu kommen. Friedrich Merz, einst Fraktionschef der Union im Bundestag, hätte so eine Person sein können. Angeblich hat der aber abgewinkt. Wenn das stimmt, wäre es für Röttgens Wahlkampagne schlimm genug.

Aber Röttgen setzt noch einen drauf. In Düsseldorf steht keine bekannte Persönlichkeit an seiner Seite, sondern Ursula Heinen. Sie soll in Röttgens Wunsch-Kabinett Europaministerin werden.

Heinen ist seit der Bundestagswahl 2009 seine parlamentarische Staatsekretärin im Umweltministerium und eine von fünf stellvertretenden Landesvorsitzenden. In der Debatte um die Präimplantationsdiagnostik Ende 2010 stach sie hervor, weil sie den Kölner Kardinal Joachim Meißner wegen dessen strikter Ablehnung der PID scharf anging. Viel mehr war von ihr in den vergangenen Jahren nicht zu hören.

So verpufft Röttgens erster Auftritt. Er glaubt daran, dass sich die Bürger in NRW für Sachthemen interessieren und weniger für Personalfragen. Jedenfalls hat er das so gesagt. Fragt sich, warum die Debatte dann vor allem in der CDU so angestrengt geführt wird.