TV-Duell Das wirkliche Problem der SPD

Angela Merkel und Martin Schulz: Im Bild noch im "Poster"-Duell.

(Foto: dpa)

Das TV-Duell am Sonntag wird vermutlich weder Merkel schaden noch Schulz nützen. Das liegt aber nicht daran, dass Merkel die Auseinandersetzung scheut.

Kommentar von Kurt Kister

Am Sonntag steht im Fernsehen wieder mal Kanzlerduell auf dem Programm, und im Prinzip ist alles wie immer. Die Regeln lauten: Angela Merkel ist gesetzt; gegen sie tritt einer von der SPD an, der mehr oder weniger schön sprechen, aber nicht gewinnen kann. Diesmal heißt er Schulz. Merkel und der von der SPD sollen zwar miteinander diskutieren, irgendwie. Richtig geht das aber nicht, weil noch vier Moderatoren der vier großen Fernsehanstalten mitmachen. Zwei dieser Moderatoren, die ZDF-Frau Illner und der RTL-Mann Kloeppel, sind wie Merkel ebenfalls gesetzt. Bei ARD und dem, was früher Sat 1 hieß, gibt es, wie bei der SPD immer Neue, die es mal probieren.

Manchem, der in und um Berlin von der Politik oder deren Beobachtung lebt, gilt dieses Duell als Höhepunkt des Wahlkampfs. Wer allerdings mehrere Höhepunkte, und sei es im Abstand von vier Jahren, erlebt hat, der weiß, dass man sich an den ersten noch gerne erinnert, der Rest aber schnell zur Routine wird.

Das erste Fernseh-Duell fand zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber statt. Beide waren leidenschaftliche Kommunikatoren, der eine außerdem ein Zyniker und der andere ein chaotischer Perfektionist. Alle Kanzlerduelle danach prägte Angela Merkel, die im Grunde ihres uckermärkischen Herzens von Firlefanz wie so einer Befragungsrunde wenig hält. Könnte sie es, sie würde den Altmaier oder ihre Büroleiterin Baumann schicken. Geht aber nicht, also geht sie halt hin. Sie macht es weder gern noch gut, aber sie ist die Kanzlerin. Das Duell würde dies nur infrage stellen, verwandelte der von der SPD vor der Kamera Wasser in Wein. Wird er nicht.

Wer sagt, Merkel lulle Wähler ein, der misstraut den Wählern

Das Aufeinandertreffen zweier Spitzenkandidaten unter stark ritualisierten Bedingungen wird noch unentschlossenen Wählern einen Eindruck von den handelnden Personen geben. Am ehesten erkennt man dabei Unterschiede zwischen den Persönlichkeiten, weniger aber zwischen den Grundzügen der von ihnen vertretenen Politik. Im Deutschland der großen Koalitionen ist dies besonders deutlich. Die SPD hat an allem, was Schulz in den vergangenen vier Jahren zu kritisieren hat, mitgewirkt. Mehr noch: Sie trägt mit Ausnahme der schwarz-gelben Jahre zwischen 2009 und 2013 seit 1998 Regierungs- oder Mitregierungsverantwortung. Im Falle Merkels werden viele wählen, was sie kennen. Im Falle der SPD werden viele nicht wählen, was sie kennen.

Weil es nicht so gut um den Spitzenkandidaten Schulz und seine Partei steht, hört man oft, das sei so, weil Merkel die Auseinandersetzung scheue oder die Wähler einlulle. Letzteres ist im Prinzip Wählerbeschimpfung, denn es besagt ja, dass "die Leute" zu dumm oder zu faul seien, sich intensiver mit Politik zu beschäftigen. Wer nicht will, lässt sich nicht einlullen. Und viele, die Merkel als Kanzlerin behalten wollen, tun das nicht, weil sie eingelullt wären, sondern weil sie Merkel mehr vertrauen als Martin Schulz. Das ist das wirkliche Problem der SPD und nicht etwa, wie vielen Fernsehduellen sich Merkel stellt.

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