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Vorwahl in New Hampshire:Bernie Sanders, 74, Sozialist - und plötzlich Held der Jugend

Bernie Sanders, New Hampshire

Der 74-jährige Sanders bezeichnet sich selbst als "demokratischen Sozialisten".

(Foto: Bloomberg)

Bernie Sanders hat die Vorwahl in New Hampshire haushoch gewonnen. Wohl auch, weil er Missstände benennt, die vor allem junge Wähler umtreiben.

Von Nicolas Richter, Rindge (New Hampshire)

Wer Präsident werden will, muss sich unters Volk mischen. Seit Monaten besuchen die Kandidaten für das Weiße Haus im ganzen Land Cafes und Restaurants, stellen sich den Fragen in Town-Hall-Runden, halten Reden in Konzerthallen und Stadien.

Wo auch immer man aber hingeht: Nirgendwo ist das Publikum so jung und die Euphorie so groß wie bei Bernie Sanders, dem US-Senator, der sich um die Nominierung der Demokraten bewirbt und die einstige Favoritin Hillary Clinton bei der Vorwahl in New Hampshire gerade deutlich geschlagen hat. Vor neun Monaten hat er als Außenseiter begonnen, nun hat er Clinton mit 60 zu 38 Prozent geradezu gedemütigt.

Sanders ist 74 Jahre alt, nennt sich einen "demokratischen Sozialisten" und sagt seit Jahrzehnten dasselbe: Die Milliardäre, die Großbanken und Konzerne haben zu viel Macht, und der amerikanische Staat tut zu wenig, um seine Bürger vor den größten Zumutungen zu schützen. Der Unterschied zu früher ist es, dass Amerika ihm plötzlich zuhört.

Als er vor ein paar Tagen in New Hampshire an einer Universität auftritt, jubeln ihm die jungen Zuschauer so begeistert zu, dass Sanders sagt: "Ich fühle mich wie ein Rock'n'Roll-Star."

"Ich bin optimistisch, dass Bernie liefert"

Unter den Zuschauern steht Jeff Stadtfeld, er trägt Pferdeschwanz und Bart und riecht nach Tabak. "Ich finde Bernies Ideen großartig", sagt er, "wobei ich leider bezweifle, dass er sie auch umsetzen kann." Sein Sohn Zack, 17, trägt Zahnspange und Bernie-Buttons und darf im Herbst zum ersten Mal wählen. "Ich stimme ganz sicher für Bernie", sagt Zack. "Ich bin optimistisch, dass Bernie liefert."

Genau hier gehen die Meinungen über Sanders auseinander: Während die meisten Demokraten seinen Diagnosen zustimmen, zweifeln viele daran, dass Sanders all seine kühnen Wahlversprechen einlösen kann. Wäre er Präsident, stünde ihm ein republikanisches, feindlich gesinntes Parlament gegenüber, und er hätte größte Mühe, die Steuererhöhungen durchzusetzen, um seine Agenda zu finanzieren. Mit diesen realistischen Argumenten versucht Hillary Clinton, den Aufstieg von Sanders zu bremsen.

Nun sind die Demokraten zunehmend gespalten, und für die Präsidentschaftswahl im November zeichnet sich schon eine große Frage ab: Sollte Hillary Clinton doch noch die Nominierung gewinnen, kann sie dann mit den Stimmen der Bernie-Fans rechnen? Wie zum Beispiel verhalten sich die Stadtfelds?

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© SZ/dayk

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