Verstoß gegen Kautionsauflagen Julian Assange zu knapp einem Jahr Haft verurteilt

Julian Assange bei seiner Ankunft am Gericht am 1. Mai

(Foto: AFP)
  • Ein Londoner Gericht sieht es als erwiesen an, dass Wikileaks-Gründer Julian Assange gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hat.
  • Assange hatte sich 2012 vor den Justizbehörden in die ecuadorianischen Botschaft in London geflüchtet, wo er fast sieben Jahre lang ausharrte. Am 11. April wurde er dort von der britischen Polizei festgenommen.
  • In den USA droht Assange unter anderem eine Anklage wegen Verschwörung.

Julian Assange ist wegen Verstoßes gegen seine Kautionsauflagen in Großbritannien zu 50 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Das entschied der Southwark Crown Court in London. Richterin Deborah Taylor sagte, sie sei nur knapp unter der Höchststrafe von einem Jahr geblieben, weil der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks mit seiner Flucht in die ecuadorianische Botschaft in London 2012 seine Auflagen besonders eklatant missachtet habe. Anhänger Assanges, die das Verfahren im Gerichtssaal verfolgten, riefen "Schande über Sie!", während Assange wieder abgeführt wurde.

Der gebürtige Australier war am 11. April von der britischen Polizei in der Botschaft Ecuadors festgenommen worden, nachdem das südamerikanische Land das politische Asyl für Assange aufgehoben hatte. Als der 47-Jährige 2012 in die diplomatische Vertretung flüchtete, lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl vor - ihm wurde vorgeworfen, in Schweden sexuelle Vergehen begangen zu haben. Assange, der die Vorwürfe immer zurückgewiesen hat, fürchtete, via Schweden in die USA ausgeliefert zu werden. Assanges Anwalt hatte vor Gericht argumentiert, der heute 47-Jährige habe sich den Behörden entziehen müssen, da ihn kein fairer Prozess erwarte und er an die USA ausgeliefert werden solle. Die schwedische Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen im Mai 2017 eingestellt. Die Anwältin der Frau, die Assange damals beschuldigt hatte, hat aber die Wiederaufnahme beantragt.

Die USA werfen Assange vor, sich mit der Whistleblowerin Chelsea Manning dazu verschworen zu haben, ein Passwort eines Regierungsnetzwerks zu knacken. Manning hatte Wikileaks 2010 - damals noch als Bradley Manning - Hunderttausende geheime Militärdokumente zukommen lassen. Es ging dabei um die US-Militäreinsätze in Irak und in Afghanistan.

Politik USA US-Vorwurf gegen Assange offenbar größer als bekannt

Wikileaks-Gründer

US-Vorwurf gegen Assange offenbar größer als bekannt

Die offizielle Anklage lautet auf "Verschwörung zum Eindringen in Computer". Laut einem Medienbericht wird aber wegen eines weit gravierenderen Delikts ermittelt.