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Verhandlungen auf Zypern:Zyprer sprechen über Wiedervereinigung

Seit 40 Jahren ist die Mittelmeerinsel Zypern geteilt. Nun haben die Gespräche zur Wiedervereinigung begonnen. Doch der Konflikt schwelt weiter - nicht zuletzt wegen der türkischen Militärpräsenz im Norden der Insel.

Vier Jahrzehnte nach der Teilung ihrer Insel haben griechische und türkische Zyprer einen neuen Anlauf zur Wiedervereinigung gestartet. Nach der ersten Gesprächsrunde seit knapp zwei Jahren gaben der Präsident des griechisch-zyprischen Inselteils, Nicos Anastasiades, und sein türkisch-zyprischer Kollege Dervis Eroglu das Ziel aus, die Teilung "so schnell wie möglich" zu überwinden. Sie streben eine Föderation an.

Der gegenwärtige Zustand sei "nicht hinnehmbar", und eine Lösung werde "positive Auswirkungen auf die gesamte Region" haben, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die von der UN-Vermittlerin Lisa Buttenheim verlesen wurde. Darin bekennen sich die Präsidenten dazu, rasch einen Fahrplan festzulegen und im Anschluss Referenden im Norden und Süden abzuhalten.

Ein wiedervereintes Zypern solle aus einem griechisch-zyprischen und einem türkisch-zyprischen Staat unter dem Dach einer gleichberechtigten Föderation beider Landesteile bestehen, heißt es in ihrer Erklärung.

Nach außen werde Zypern als ein Staat mit einer Souveränität auftreten. Beide Landesteile sollen aber eine unabhängige Verwaltung behalten. Die Erklärung bilde eine "solide Grundlage" für eine "umfassende, gerechte und dauerhafte Regelung", hieß es in einer Reaktion der EU.

"Ich hoffe, dass der heutige Tag der Anfang vom Ende eines inakzeptablen Zustandes wird, der unsere Insel und unser Volk seit 40 Jahren teilt", sagte Anastasiades.

Barroso wünscht sich rasche Lösung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lobte die Erklärung als "solide Grundlage für ergebnisorientierte Gespräche", wie Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilte.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) lobte Anastasiades und Eroglu für "ihre Bereitschaft und ihren politischen Mut", eine Lösung des Konfliktes anzugehen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso äußerte den Wunsch nach einer raschen Lösung. In den vergangenen Tagen hatten sich bereits US-Vizepräsident Joe Biden und der amerikanische Außenminister John Kerry telefonisch mit den Konfliktparteien in Verbindung gesetzt.

Die Mittelmeerinsel ist seit 1974 geteilt. Die Türkei hatte damals den Norden Zyperns nach einem Putsch griechisch-zyprischer Nationalisten besetzt. Die 1982 ausgerufene Türkische Republik Nordzypern wird nur von Ankara anerkannt. Der griechische Teil ist hingegen unter dem offiziellen Namen Republik Zypern der EU und dem Euro beigetreten.

Allerdings steckt der Süden in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise und hängt seit einem Jahr am Tropf der Euro-Länder. Die Krise erhöht den Einigungsdruck. Auch der gemeinsame Wunsch, die Gas- und Ölreserven vor der Küste auszubeuten, gibt dem 2012 auf Eis gelegten Wiedervereinigungsprozess offenbar neue Dynamik. Dazu müsste der Konflikt überwunden werden. Und auch die Türkei - als potentieller Umschlagplatz für die Rohstoffe - müsste mit ins Boot geholt werden.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte, er hoffe, dass das "Zypern-Problem" nun gelöst werde. Die Begegnung der beiden Delegationen unter Schirmherrschaft der UNO fand in einem UN-Büro im brachliegenden Flughafen der geteilten Hauptstadt Nikosia statt. UN-Vermittlerin Buttenheim kündigte an, die nächste Verhandlungsrunde sei noch für diese Woche vorgesehen.

Der letzte vielversprechende Versuch zur Wiedervereinigung liegt zehn Jahre zurück: 2004 hatten beide Inselteile über einen Plan des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan abgestimmt. Doch während der Norden mehrheitlich dafür war, lehnten die griechischen Zyprer ab.

Der Konflikt ist seitdem einer der Stolpersteine in den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Ankara hat im Nordteil Zyperns weiterhin mehr als 35.000 Soldaten stationiert.

© SZ.de/AFP/dpa/fie/jasch

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