Vereinte Nationen:In Syrien schält sich ein neues, regionales Ordnungssystem heraus

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Wer nun auf Syrien schaut und nach den UN ruft, der erhält als Echo eine Lektion in Realpolitik. Im Kosovo-Krieg hatte Russland nicht die Mittel, eine Intervention zu verhindern. In Libyen hatte Moskau keine vitalen Interessen. Syrien dagegen ist ein langjähriger Verbündeter, und Präsident Wladimir Putin zeigt der Welt, dass Russland militärisch auch fern der Heimat wieder ernst zu nehmen ist.

Mehr noch: In Syrien schält sich ein neues, regionales Ordnungssystem heraus, vielleicht gar mit globaler Wirkung. Der von Präsident Barack Obama favorisierte Rückzug Amerikas aus dem Nahen Osten lässt anderen Akteuren Raum, auch Großbritannien und Frankreich sind aktiv.

So geht es um Einfluss, Garantien, militärische Macht. Gutes Zureden oder Appelle an die Vernunft und die Menschlichkeit verhallen. Nach den Giftgasangriffen 2013 war Machthaber Assad und seinem Schutzherrn im Kreml klar, dass die USA nicht direkt in den Krieg eingreifen würden - auch weil sie nie sicher sein konnten, dass ein Sieg der Rebellen nicht noch mehr Chaos bringen würde. So überrumpelte Putin den Westen nach der Krim-Invasion erneut mit einer Mischung aus hyperrealistischer Außenpolitik, hybrider Kriegsführung und Skrupellosigkeit.

Da die USA nicht willens und die Europäer zusätzlich nicht in der Lage sind, Russland militärisch etwas entgegenzusetzen, versuchte man es mit Diplomatie, in der Hoffnung der Kreml mache mit, wenn sein Weltmachtstatus anerkannt werde. Das war vielleicht naiv, aber doch die letzte Hoffnung. Die Hoffnung trog, Putin pfeift darauf, in eine Verantwortungsgemeinschaft eingebunden zu sein.

Assad hat nicht die Hälfte seine Landes zerstört und Zigtausende Syrer töten lassen, um am Ende die Macht abzugeben oder zu teilen. Mehr denn je glaubt er nach Aleppo, dass er unbehelligt einen militärisch Sieg erringen kann, zumal er Iran und Russland gegeneinander ausspielen wird, wie sich in Aleppo zeigt. In Syrien wird Geschichte mit Blut geschrieben. Die UN-Charta steht auf einem anderen Blatt.

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