Venezuela Unruhen in Venezuela: Maduro kündigt Ermittlungen an

Roter Rauch wabert vor einem Polizeifahrzeug durch die Straßen von Caracas. Ein Oppositioneller warf der Regierung hier den Einsatz von Chemiewaffen vor.

(Foto: AFP)
  • Ein venezolanischer Oppositionspolitiker wirft der Regierung vor, "Chemiewaffen" gegen Tausende Demonstranten eingesetzt zu haben.
  • Hitzige Rhetorik und schwere Vorwürfe sind in dem Land beliebt, in dem eine schwere Wirtschaftskrise heftige Proteste ausgelöst hat.
  • Maduro wetterte im Staatsfernsehen gegen die Opposition: Hinter deren Vorwürfen steckten Destabilisierungsversuche der USA.

Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro fordert Ermittlungen gegen einen führenden Oppositionspolitiker, der im Netz schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben hatte. Bei Regierung und Opposition in Venezuela sind hitzige Rhetorik und überzogene Vorwürfe beliebt.

David Smolansky hatte am Samstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter behauptet, Maduro beginne, "Chemiewaffen" gegen die Demonstranten auf den Straßen der Hauptstadt Caracas einzusetzen. Anlass für den Tweet war ein rotes Gas, mit dem eine Menschenmenge auseinander getrieben worden sei. Typ und Zusammensetzung des Gases oder Rauches waren zunächst unklar. In sozialen Netzwerken berichteten Demonstranten, der Kontakt mit der roten Substanz habe Brechreiz und Sehstörungen ausgelöst.

Unterstützer der Regierung sagten, es sei Leuchtgeschossen ähnlich, die in Spanien zur Kontrolle von Menschenmassen eingesetzt würden.

Herausstellen eines Einzelnen häufig Zeichen für rechtliche Schritte

Maduro gab im Staatsfernsehen bekannt, gegen Smolansky müssten deshalb Ermittlungen mit "eiserner Hand" erfolgen. Wenn der venezolanische Präsident einen einzelnen Kritiker so deutlich herausstellt, ist dies häufig ein Zeichen für rechtliche Schritte. Am Freitag war dem führenden Oppositionspolitiker Henrique Capriles verboten worden, in den kommenden 15 Jahren für politische Ämter zu kandidieren.

Hinter Smolanskys Vorwurf witterte Maduro den Versuch, die Grundlage für eine Militärintervention der USA in Venezuela zu legen."Venezuela hat in seiner Geschichte nie biologische, chemische oder nukleare Waffen gehabt", erklärte er. Die Anschuldigungen seien von "radikalen Kreisen" im US-Verteidigungsministerium, im Kommando der Streitkräfte und im Außenministerium gestreut.

Schwere Wirtschaftskrise führt zu Protesten gegen die Regierung

Das sozialistische Venezuela durchlebt derzeit eine schwere Wirtschaftskrise, die heftige Bürgerproteste ausgelöst hat. Sie fordern Neuwahlen und prangern die Zustände in dem Land an, das wegen teurer Auslandskredite in Milliardenhöhe kaum Geld für Lebensmittel und Medikamente hat. Am Wochenende waren in Caracas Tausende auf die Straße gegangen, die Polizei ging mit Gummigeschossen und Tränengas gegen sie vor. Dutzende Demonstranten wurden verletzt und festgenommen.

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