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USA: Terry Jones:Der Pastor, der den Koran verbrennen will

Der US-Provinzprediger Terry Jones wittert eine islamische Weltverschwörung. Er will öffentlichkeitswirksam den Koran verbrennen - dass er den US-Truppen schadet, kümmert ihn nicht.

Selbst der General hat sich nun zu Wort gemeldet, David Petraeus, der Oberbefehlshaber der US- und Nato-Truppen in Afghanistan. So ernst nimmt er offenkundig diesen kapriziösen Pastor in Gainesville, mitten in der tiefsten Provinz in Florida, und dessen Pläne für den kommenden Samstag. Das ist der neunte Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001. Und es ist der Tag, an dem Terry Jones, Pastor des Dove World Outreach Center, ein Zeichen setzen will wider den "radikalen Islam", wie er sich ausdrückt.

Terry Jones

"Islam ist der Teufel", findet Pastor Terry Jones aus Gainesville in Florida.

(Foto: AP)

Er will am Samstagabend in der Dämmerung einen Scheiterhaufen errichten und den Koran, das heilige Buch der Muslime, verbrennen. Und da stört es ihn wenig, dass weder die Feuerwehr in Gainesville noch der Truppenführer im fernen Afghanistan begeistert sind von seinem Vorhaben.

Jones' kleine Gemeinde, die nach eigenen Angaben nicht mehr als 50 Mitglieder zählt, hat eine Neigung zur anti-islamischen Provokation. Bereits im vergangenen Jahr schickten Gemeindemitglieder ihre Kinder mit T-Shirts zur Schule, auf denen in dicken Lettern stand: "Islam ist des Teufels." Die Kinder mussten nach Hause und sich umziehen.

Der Pastor selbst hat ein Buch mit gleichlautendem Titel veröffentlicht und wettert im Internet wider das mutmaßliche Streben radikaler Muslime nach "Welt-Dominanz", wie er sich ausdrückt. "Sie haben nahezu unerschöpfliche finanzielle Ressourcen", raunt er, es sei an der Zeit für die Kirche, sich zu wehren. Um Europa sei es schon geschehen, "aber es ist nicht zu spät für Amerika."

Jones' Pläne kursierten schon Wochen im Internet - mit den zu erwartenden Folgen. In Jakarta kam es zu Protesten. In Kabul bewarfen mehrere hundert aufgebrachte Afghanen einen Konvoi der US-Armee am vergangenen Montag mit Steinen. "Sollte tatsächlich eine Koran-Verbrennung stattfinden, würde das die Sicherheit unserer Soldaten und Zivilisten gefährden und unsere Mission vor größere Schwierigkeiten stellen", ließ General Petraeus in einer in Kabul veröffentlichten Erklärung wissen. Die Bilder von der Verbrennung würden "ohne Zweifel" überall in der islamischen Welt zu anti-amerikanischen Kundgebungen und zu Gewalt führen. Auch die US-Botschaft hat die Pläne der kleinen Kirchengemeinde scharf verurteilt.

Pastor Jones genießt die Aufmerksamkeit

Vor fünf Jahren hatte ein Artikel im Nachrichtenmagazin Newsweek, demzufolge US-Soldaten im Internierungslager Guantanamo angeblich den Koran die Toilette hinuntergespült hatten, zu weltweiten Protesten geführt. In Afghanistan kamen damals bei Kundgebungen mindestens 15 Menschen ums Leben. Newsweek musste später die Geschichte als unhaltbar zurückziehen.

Pastor Jones selbst scheint die Aufmerksamkeit zu genießen, die seine Ankündigung hervorgerufen hat. Die Einträge auf der Facebook-Seite der Gemeinde wachsen stündlich, oft mit so gedanklich tiefschürfenden Beiträgen wie "Scheiß Islam." In Interviews verteidigt er die geplante Verbrennung, die er trotz eines feuerpolizeilichen Verbots durchziehen will. "Wir verstehen, dass sich Muslime verletzt fühlen", sagte Jones am Dienstag in einem Interview mit dem Kabelsender CNN, "aber ich fühle mich auch verletzt, wenn sie die amerikanischen Flagge oder die Bibel verbrennen".

Die Gefahr durch die Islamisten sei indes so groß, dass man ein paar verletzte Gefühle auch bei gemäßigten Muslimen leider in Kauf zu nehmen habe. Die müssten verstehen, dass "unsere Botschaft nicht eine Botschaft von Hass auf den Islam ist, sondern eine Warnung an die Adresse radikaler Muslime". Selbst die Erklärung von General Petraeus hat Jones nicht umstimmen können. Noch nicht. Doch haben ihn dessen mahnende Worte offenbar etwas nachdenklich gestimmt. "Wir sind fest entschlossen", sagte er in dem CNN-Interview, nur um hinzuzufügen: "Aber wir beten noch."