US-Präsidentschaftsbewerberin Kamala Harris:Manchen an der linken Basis ist Harris verdächtig

Im US-Senat, in dem sie seit 2016 als einzige Afroamerikanerin sitzt, machte sich Harris rasch einen Namen mit ihrem gründlichen bis aggressiven Befragungsstil, den sie etwa in der Anhörung des Verfassungsrichters Brett Kavanaugh zur Schau stellte. Videoausschnitte dieser Wortgefechte gingen, von ihrem Social-Media-Team geschickt verbreitet, viral und trugen ihr in linken Kreisen eine große Anhängerschaft ein.

Gleichzeitig ist ihre Vorgeschichte auch ein Handicap. Eine Staatsanwältin, die Hunderte Verbrecher hinter Gitter geschickt hat: Damit lassen sich vielleicht in der Hauptwahl Stimmen aus der politischen Mitte holen. Aber an der linken Basis, bei den Aktivisten der "Black lives matter"-Bewegung und anderswo, gibt es bereits jetzt Stimmen, die Harris genau deshalb für verdächtig halten.

Als Anklägerin oft "auf der falschen Seite der Geschichte"?

"Kamala Harris is a cop", heißt es in den sozialen Netzwerken immer wieder, eine Vertreterin des verhassten Justizwesens, das Schwarze und andere Minderheiten erwiesenermaßen diskriminiert. Eine Rechtsprofessorin aus San Francisco warf Harris in einem Gastbeitrag in der New York Times vor, als oberste Anklägerin von Kalifornien oft "auf der falschen Seite der Geschichte" gestanden zu sein.

Harris weiß, dass diese Klage im Wahlkampf lauter werden wird. Einer ihrer Berater sagte dem Online-Magazin Politico, Harris wolle ihr dadurch begegnen, dass sie sich als "progressive Staatsanwältin" verkaufen wolle, die nicht auf kleine Leute losgegangen sei, sondern verbrecherische Organisationen und Wirtschaftskriminelle verfolgt habe.

Den Druck der linken Basis spüren auch andere Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Senatorin Kirsten Gillibrand aus New York musste sich vor wenigen Tagen wortreich für ihre frühere, deutlich konservativere Haltung zur illegalen Einwanderung und zum Waffenbesitz rechtfertigen. Sie sei eben mit den Jahren mitfühlender geworden, sagte Gillibrand, und erklärte dies unter anderem damit, dass sie seither Mutter geworden sei - eine Begründung, die die kinderlose Harris nicht anführen kann.

Im Senat stimmt Harris aber relativ konsequent links, und bei einem der wichtigsten Themen für die Demokraten - der Einführung einer Einheitskrankenkasse - unterscheidet sie von ihren Mitbewerbern nicht viel.

Ohnehin rechnen viele Beobachter damit, dass letztlich nicht einzelne inhaltliche Positionsbezüge darüber entscheiden, wer sich bei den Demokraten durchsetzt, sondern die Herkunft und persönliche Geschichte eines Kandidaten. Über ihren Vornamen wird Harris deshalb wohl noch einige Male reden.

© SZ vom 23.01.2019/gal
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