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USA:Es kriselt

FILE PHOTO: U.S. President Donald Trump and Secretary of State Rex Tillerson confer during a working lunch in New York

CNN zufolge ist ein Rücktritt Rex Tillersons nur "eine Frage der Zeit".

(Foto: REUTERS)
  • Die US-Medien diskutieren, ob es stimmt, dass Außenminister Tillerson Trump einen "moron", also Schwachkopf, nannte.
  • Tillerson gehört - im Gegensatz zu Trump - zur Gruppe der "Erwachsenen" im Weißen Haus, so schreiben es die US-amerikanischen Medien.
  • Die beiden sind bei vielen Themen unterschiedlicher Meinung. Schon mehrfach soll Tillerson über eine Kündigung nachgedacht haben.

Jetzt geht es also um die Worte Trottel, Schwachkopf oder Depp, wie auch immer man "moron" übersetzen möchte. Gemäß dem Fernsehsender NBC News soll der amerikanische Außenminister Rex Tillerson Präsident Donald Trump Ende Juli als "moron" bezeichnet und seinen Rücktritt aus dem Kabinett in Erwägung gezogen haben. Vizepräsident Mike Pence sei daraufhin eingeschritten, um die Wogen zu glätten und Tillerson davon zu überzeugen, im Amt zu bleiben. So berichtet es NBC unter Berufung auf "ranghohe Regierungsmitarbeiter".

Kurz nach der Veröffentlichung des Berichts berief der Außenminister eiligst eine Pressekonferenz ein, um die Aussagen zu dementieren. Die Medienberichte seien "blanker Unsinn", sagte Tillerson und beteuerte, er habe nie erwogen, seinen Posten zu verlassen. Auf die Frage eines Reporters, ob er das Wort Trottel benutzt habe, sagte Tillerson, ein Texaner: "Ich komme nicht aus Washington. Aber da, wo ich herkomme, kümmern wir uns nicht um solchen Quatsch." Tillerson sieht in den Medienberichten nur einen weiteren Versuch, "diese Regierung zu spalten".

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Erst am Samstag hatte sein Außenminister wissen lassen, dass die US-Regierung den Dialog mit Pjöngjang sucht.

Trump schoss Tillerson in der Nordkorea-Krise vor den Bug

Präsident Trump forderte NBC dazu auf, sich für die "Fake News" zu entschuldigen, und erklärte, er habe volles Vertrauen in seinen Außenminister. Doch vor wenigen Tagen klang das noch ganz anders. Da schoss der Präsident seinem Außenminister vor den Bug: Tillerson verschwende seine Zeit bei dem Versuch, "mit dem kleinen Raketenmann zu verhandeln", schrieb Trump auf Twitter. Er kritisierte Tillersons diplomatische Bemühungen, mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un in den Dialog zu treten. "Spar dir deine Energie, Rex!", fuhr Trump fort, "wir werden tun, was getan werden muss."

Der Disput, ob das Wort Trottel nun tatsächlich gefallen ist oder nicht, ist natürlich zweitrangig. Doch die Anzeichen einer Vertrauenskrise zwischen Trump und Tillerson reißen nicht ab. Der stoische Außenminister und der launische Präsident könnten einfach nicht miteinander, heißt es seit Monaten. CNN zufolge ist ein Rücktritt Rex Tillersons nur "eine Frage der Zeit". Schon jetzt sprechen amerikanische Medien vom "Rexit".

Die New York Times berichtete, der Außenminister sei mehrmals nahe dran gewesen, sein Rücktrittsschreiben zu verfassen. Er soll schon des Öfteren seinen Frust darüber geäußert haben, wie wenig Trump von Außenpolitik verstehe. Ganz besonders verärgert hätten ihn Trumps Worte über den Aufmarsch von Neonazis in Charlottesville, als der Präsident "beiden Seiten" die Schuld gab an der Eskalation. Tillerson sagte daraufhin in einem Fernsehinterview, der Präsident spreche nur für sich selbst.

Nicht nur in Sachen Klimavertrag sind die beiden verschiedener Meinung

Tillerson, ehemals CEO des Ölkonzerns Exxon und ein Politnovize wie Trump, soll außerdem gegen den Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag gewesen sein. "Der Klimawandel hat Einfluss auf Migrationsströme und künftige Kriege", sagte Tillerson im Fernsehen. Er soll empört darüber gewesen sein, in den Entscheidungsprozess nicht näher eingebunden worden zu sein.

Auch in der Katar-Krise verfolgen Präsident Trump und Außenminister Tillerson offenbar verschiedene Strategien. Tillerson bemühte sich, Saudi-Arabien und Katar zu Gesprächen zu bewegen, er forderte zudem eine Lockerung des Embargos gegen Katar, da es den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) erschwere. Präsident Trump hingegen bezeichnete Katar öffentlich als Terrorunterstützer, obwohl die USA dort ihren wichtigsten Militärstützpunkt in der Region unterhalten. Ohne Rücksprache mit seinem Außenminister lobte Trump die Blockade als konsequente Anti-Terror-Maßnahme.

Tillerson gehört gemeinsam mit Verteidigungsminister James Mattis und dem Stabschef im Weißen Haus, John Kelly, zur Gruppe der "Erwachsenen", wie sie zuweilen in den amerikanischen Medien inszeniert werden. Sie würden mit ihrer Besonnenheit einen Gegenpol zur Sprunghaftigkeit des Präsidenten bilden. Ähnlich äußerte sich auch Senator Bob Corker diese Woche. "Wir haben es Männern wie Tillerson, Mattis und Kelly zu verdanken, dass unser Land nicht im kompletten Chaos versinkt", sagte Corker, ein Republikaner und der Vorsitzende des einflussreichen Auswärtigen Ausschusses.

"Ich wollte diesen Job nicht", hatte Tillerson im März in einem Interview gesagt

In seinem Ministerium und unter Diplomaten ist der Quereinsteiger Tillerson allerdings weniger beliebt. Er kommuniziere schlecht, schotte sich ab und wolle Personal abbauen, heißt es. Das Nachrichtenmagazin Politico berichtet über einen nie dagewesenen "Braindrain", erfahrene Diplomaten würden das Außenministerium verlassen, viele Posten seien unbesetzt. Aus Botschaftskreisen verlautet immer wieder, sie wüssten nicht, mit wem sie verhandeln sollen, weil die Ansprechpartner auch nach gut zehn Monaten seit Amtsantritt Trumps fehlten.

Rex Tillerson war nach eigener Aussage "überrascht", als ihm Trump damals den Ministerposten angeboten habe. "Ich wollte diesen Job nicht", sagte er in einem Interview im März, "meine Frau sagte mir, ich solle ihn annehmen." Sollte sich Tillerson doch noch für einen Rücktritt entscheiden, stünde - zumindest aus Sicht der Medien - seine Nachfolgerin schon fest: Trump sei von UN-Botschafterin Nikki Haley tief beeindruckt.

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