US-Wahl Die Partei ist seit langem gespalten und auf Sinnsuche

Dass die republikanische Partei in Trümmern liegt, hat noch einen anderen Grund: Sie ist in der Vergangenheit nur notdürftig zusammengeklebt worden. Es fehlt - jenseits des Machthungers - an echtem Klebstoff. Nach der Präsidentschaftswahl 2012 kam ein interner "Autopsie-Report" zu klaren Ergebnissen: Die Partei muss sich für Frauen, Schwarze und Latinos öffnen, wenn sie einen der Ihren ins Weiße Haus schicken will. Der Eindruck, dass sich die Grand Old Party nur um weiße Amerikaner kümmere, solle widerlegt werden.

Doch bereits vor Trumps Skandal-Wahlkampf war von der Modernisierung wenig übrig: Eine Einwanderungsreform wird strikt abgelehnt, der Klimawandel geleugnet und anstelle von Phrasen wie "Obamacare abschaffen" gibt es keine klaren Gegenvorschläge. Hardliner wie Senator Ted Cruz oder die etwa 50 Abgeordneten des "Freedom Caucus" im Repräsentantenhaus sind überzeugt, dass die Republikaner erst dann wieder Wahlen gewinnen, wenn sie noch konservativer werden.

König Trump

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Daher ist das Ringen zwischen Paul Ryan und Donald Trump (beziehungsweise jenen Opportunisten wie Rick Perry, Bobby Jindal oder Mitch McConnell, denen ein Sieg über Hillary Clinton mehr bedeutet als konservative Werte) eminent wichtig. Der Ausgang dürfte mitentscheidend sein, in welche Richtung sich jene ehrwürdige Partei entwickelt, die einst die Abschaffung der Sklaverei durchsetzte und in den Sechzigern die Bürgerrechtsbewegung unterstützte.

Unter Druck stehen beide: Ryan, der auch den Parteitag in Cleveland leitet, wird nicht leichtfertig mit Trump brechen und so die Wut dessen Fans auf sich ziehen. Sollte der Milliardär nich gewählt werden, wäre er der größte Sündenbock. Bevor sich beide am Donnerstag treffen, wird es sicher nicht ruhiger werden: Die Kongressabgeordneten kehren kommende Woche zur Arbeit nach Washington zurück und werden es auf Dauer nicht schaffen, den Fragen der Reporter auszuweichen.

Auf Reince Priebus warten also weitere harte Arbeitstage. Sein morgendlicher Besuch beim "Playbook Breakfast" hat sich jedoch gelohnt: Als Gastgeschenk erhielt er eine große Flasche Baileys. Priebus hatte vor Wochen gescherzt, sein Frust über die chaotische Vorwahl sei noch nicht so groß, dass er "Baileys in meine Cornflakes" kippen müsse. Womöglich wird er den Likör bis zum Wahltag am 8. November noch mal hervorholen müssen.

Linktipp: Wer sich in die bizarren Folgen des Taco-Tweets vertiefen will (das von Trump erwähnte Restaurant "Tower Grill" serviert keine Tacos, sondern nur das "Trump Café"), dem seien diese Artikel von Buzzfeed und der Washington Post empfohlen.

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