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US-Spezialeinsatz gegen Osama bin Laden:"Wir haben Geronimo im Sichtfeld"

Stille im Weißen Haus: Wie US-Präsident Barack Obama mit Chips, Sodawasser und Truthahn-Wraps die riskante Kommandoaktion gegen Osama bin Laden erlebte - und wo die US-Soldaten den Al-Qaida-Chef fanden. Neue Details zu den letzten Minuten im Leben von Osama bin Laden.

Oliver Das Gupta

Die letzten Minuten im Leben von Osama bin Laden ist sein größter Feind ganz nah bei ihm - und doch so fern. Mehr als 11.000 Kilometer entfernt sieht Barack Obama zu, wie etwa zwei Dutzend Elitesoldaten das Versteck des Terroristenführers stürmen - auf einem großen Bildschirm im situation room des Weißen Hauses. Es ist eine Szenerie wie aus einem "Hollywood-Drehbuch", wie es der Fernsehsender CNN später formulieren wird.

National Security Team in the Situation Room of the White House

Dieses vom Weißen Haus herausgegebene Foto zeigt US-Präsident Barack Obama mit einem seiner Berater, Tom Donilon, im situation room. Von dort aus verfolgten die beiden die Aktion der Navy-Seals-Soldaten gegen Osama Bin Laden.

(Foto: dpa)

Verschiedene US-Medien berichten ausführlich darüber, wie der 44. US-Präsident und seine Mitarbeiter die riskante Operation erlebt haben. Sogar die vorher besorgte Verpflegung - Katoffelchips, Sodawasser und Truthahn-Pita-Wraps - wird genannt. Nach Essen dürfte den Anwesenden kaum zumute gewesen sein, ein freigegebenes Foto vermittelt die Stimmung: Obama mit versteinertem Gesicht, daneben, nicht minder angespannt, Außenministerin Hillary Clinton und Joe Biden. Der Vizepräsident nestelte ständig an einem Rosenkranz, schreibt die New York Times (NYT).

Der Präsident hat sich zuvor für die Hubschrauber-Variante entschieden, eine Bombardierung lehnte er dem Sender ABC zufolge im März ab, weil klar war, dass dabei auch Frauen und Kinder sterben würden. Außerdem, zitiert die NYT einen anonymer Insider, hätten die Bomben nur einen "gigantischen Krater" fabriziert, der "uns keinen Körper gegeben hätte" - und damit auch keine Gewissheit. Obama hatte mehrere Optionen, den Terrorpaten zu töten, schreibt die Huffington Post.

Er entschied sich für die wohl gefährlichste: für den Kampf von Mann gegen Mann, bei dem alles schief gehen kann - das wissen auch diejenigen, die am Nachmittag des 1. Mai auf den Monitor im situation room starren. Die Anwesenden hätten wohl die "beklemmendsten Momente ihres Lebens" erfahren, sagt später John O. Brennan, der Terrorexperte des Präsidenten. Was sie sahen, waren Bilder des tödlichen Finales der Jagd auf den Al-Qaida-Paten - in Echtzeit übertragen aus dem fernen Pakistan.

Unklarheit über Zahl der Hubschrauber

Über den Ort, an dem die MH-60-Helikopter mit den Navy Seals an Bord starten, gibt es unterschiedliche Angaben. The Atlantic nennt den pakistanischen Luftwaffenstützpunkt Ghazi, die BBC schreibt, sie hätten in Afghanistan abgehoben. Wie sie es schafften, von der pakistanischen Luftüberwachung unbemerkt in die Garnisonsstadt Abbottabad zu gelangen, bleibt ebenso offen.

Nicht minder unklar ist bislang, ob zwei oder drei Hubschrauber eingesetzt worden waren. Einiges spricht für eine dritte Maschine: Die BBC berichtet, ein Hubschrauber sei in der Nachbarschaft gelandet und hätte "panische" Anwohner instruiert, in den Häusern zu bleiben und die Lichter auszumachen.

Kurz danach beginnt das Feuergefecht auf dem 2500 Quadratmeter großen Areal: Schüsse peitschen durch die Nacht, es folgt der Lärm von schweren Feuerwaffen. Im Weißen Haus hört man von alledem nichts, neben den Bildern wird allerdings die über Mikrofone laufende Kommunikation übertragen. Die Aktion wird ohnehin nicht von Obama geleitet, sondern von der anderen Seite des Potomac-Flußes aus: aus Langley, der CIA-Zentrale, von Amtschef Leon Panetta.

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