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US-Präsident Obama:Syrien-Politik mit Widersprüchen

Die USA möchten nicht mehr Weltpolizist sein. Das ist nach Obamas Rede klar. Doch die Widersprüche hat er nicht aufgelöst. Sterben 100.000 Syrier durch Geschosse, ist es den USA egal, sterben tausend durch Gas, greift Amerika ein.

Reden des amerikanischen Präsidenten an die Nation sind besondere Ereignisse. So gesehen hätte Barack Obama auf seine Syrien-Rede am Dienstag lieber verzichten sollen. Die Rede war klug und differenziert, aber zu kompliziert für das Format: Eigentlich mag ich keinen Krieg, aber jetzt ist ein ganz kleiner Krieg notwendig, aber vielleicht auch nicht, weil ich es jetzt noch einmal mit Diplomatie versuche.

Das Stilmittel der großen Rede nutzt sich schnell ab. Obama dürfte sich bald mit Russland in einem Streit über die Nebensätze einer UN-Resolution verlieren. Und wenn man sich nicht einigt? Drängt sich ein Militärschlag dann mehr auf als heute? Und auf welche rhetorischen Effekte will Obama dann setzen, um sein kriegsunwilliges Land noch umzustimmen?

Eine bleibende Aussage immerhin hat Obama hinterlassen: Die USA möchten nicht mehr Weltpolizist sein. Wenn sie sich überhaupt irgendwo einmischen, dann nur, wenn sie mit minimalem Aufwand eine maximale moralische Botschaft senden können. Selten hat Obama seine außenpolitische Kosten-Nutzen-Doktrin so prägnant erläutert.

Ihre Widersprüche allerdings hat er nicht aufgelöst: Sterben 100 000 Syrer durch Geschosse, ist es den USA egal, sterben tausend durch Gas, greift Amerika an. Despoten könnten den Präsidenten auch so verstehen: Ihr könnt morden, so viel ihr wollt, aber tut es halt mit Kugeln und Granaten.