bedeckt München 14°

Unruhen in London:Was war der Auslöser der Krawalle?

Auslöser der Ausschreitungen im Londoner Stadtteil Tottenham war der Tod von Mark Duggan und die offenbar unzureichende Informationspolitik der Polizei nach dem Vorfall, über die sich Einwohner des Viertels empörten.

Ein zerstörtes Schaufenster in London.

(Foto: AFP)

Der 29-jährige Duggan war von Polizisten erschossen worden, nachdem die Beamten in der Ferry Lane im District Tottenham Hale das Taxi gestoppt hatten, in dem er unterwegs war. Was dabei genau passierte, wird von der unabhängigen Polizeiaufsichtsbehörde IPCC (Independent Police Complaints Commission) noch immer untersucht. Klar ist bislang, dass Sondereinsatzkräfte der Polizeieinheit CO19 das Minicab, in dem Duggan als Passagier saß, im Rahmen von Ermittlungen gegen Waffenkriminalität - der Operation Trident - anhielten.

Die Polizeibeamten feuerten zwei Schüsse ab. Der vierfache Vater Duggan starb noch in der Ferry Lane. Am Tatort wurde eine nicht registrierte Waffe entdeckt. Außerdem stellten die Ermittler ein Funkgerät sicher, das einer der Polizeibeamten getragen hatte. In dem Gerät steckte eine Kugel.

Die Polizisten erklärten, Duggan habe auf sie geschossen, als sie das Taxi anhielten. Die unregistrierte Waffe und die Kugel in dem Funkgerät schienen diese Erklärung zu stützen.

IPCC-Kommissarin Rachel Cerfontyne betonte gestern, "Spekulationen, dass Mark Duggan mit mehreren Schüssen in den Kopf auf hinrichtungsähnliche Weise ermordet worden sei, sind absolut unwahr." Die Familie des Toten, die den Leichnam identifiziert habe, wisse, dass dies nicht der Fall sei.

Allerdings gibt es nun Zweifel, ob die unregistrierte Waffe und die Kugel in dem Funkgerät die Darstellung tatsächlich untermauern können. Wie der britische Guardian berichtet, weisen erste ballistische Untersuchungen der Kugel darauf hin, dass es sich um ein Geschoss aus Polizeibeständen handelt. Demnach wäre sie wohl nicht von Duggan abgefeuert worden. Darüber hinaus schreibt das Blatt, ein Gemeindehelfer habe angedeutet, die Waffe, die möglicherweise Duggan gehörte, habe in einem Socken gesteckt - und sei demnach nicht einsatzbereit gewesen.

Die Untersuchung der Ereignisse, insbesondere die Analyse der Videoaufnahmen aus Überwachungskameras, wird durch Experten des Metropolitan Police Service unter dem Codenamen Operation Withern weiter fortgesetzt. Bereits am Samstag hatte die IPCC die Menschen aufgefordert, die weiteren forensischen Analysen abzuwarten, mit deren Hilfe die genaue Abfolge der Ereignisse erfasst werden sollen. "In der Zwischenzeit bitten wir die Menschen um Geduld, während wir versuchen, Antworten auf die Fragen zu finden, die dieser Vorfall aufgeworfen hat."

Zur SZ-Startseite