UN-Vollversammlung:Diplomatische Atombombe in Abbas' Gepäck

Lesezeit: 3 min

Palästinenserpräsident Abbas reist mit einer gefährlichen Waffe zur UN-Vollversammlung nach New York: Er droht, das Osloer Friedensabkommen zu kündigen. Dabei hat er die "Schlacht um Anerkennung" längst verloren.

Peter Münch, Tel Aviv

Nun rüstet sich Mahmud Abbas wieder für eine Reise nach New York, und nach altem Ritus kündigt der palästinensische Präsident seinen Aufritt vor den Vereinten Nationen mit Aplomb an. In die "Schlacht für die Anerkennung eines palästinensischen Staates" will er ziehen - dabei hat er diese Schlacht doch schon im vergangenen Jahr verloren.

Palästinenserpräsident Abbas

International isoliert: Palästinenserpräsident Abbas reist als Verlierer nach New York.

(Foto: dpa)

Eingestehen aber darf Abbas das nicht, und je größer die Ratlosigkeit ist, desto größer werden die Worte. Sogar die Aufkündigung des fast 20 Jahre alten Osloer Friedensvertrags bringen die Palästinenser nun ins Spiel. Es ist die Drohung mit einer Art diplomatischen Atombombe, doch beeindruckt ist selbst davon kaum noch jemand. Abbas fährt als Verlierer nach New York - alleingelassen von der internationalen Gemeinschaft und bedroht mittlerweile auch von der wachsenden Wut seines Volkes.

Enormem Druck getrotzt

Schnell waren die Bilder verblasst vom Triumphzug, mit dem der Präsident vor Jahresfrist im Westjordanland bei der Rückkehr von den UN empfangen worden war. Damals hatte er enormem amerikanischen Druck getrotzt und einen Aufnahmeantrag für Palästina im Völkergremium eingereicht. Im UN-Sicherheitsrat wollte er die Weltmächte zum Schwur zwingen, doch es kam nicht einmal zu einer Abstimmung. Still und heimlich wurde der palästinensische Antrag in den Aktenschränken begraben.

Nun zielen die Palästinenser auf die kleine Lösung ab. Statt der Vollmitgliedschaft streben sie den Status eines "Nicht-Mitgliedstaats" bei den UN an, der ihnen mit einfacher Mehrheit in der Vollversammlung zugesprochen werden könnte. Auf den Straßen von Ramallah oder Nablus aber wird das niemanden mehr zu Freudentänzen inspirieren.

Die Palästinenser stecken tief in einer Sackgasse. Der arabische Frühling mit all seinen Veränderungen hat ihre Anliegen auf der internationalen Agenda marginalisiert. Von US-Präsident Barack Obama, der einst ihre Hoffnungen beflügelte, hat man schon allzu lange nichts mehr gehört zum Nahost-Konflikt. Von seinem Herausforderer Mit Romney hört man dagegen allzu viel - und Erbauliches ist nicht dabei.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB