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UN-Sicherheitsrat:Jemen bittet Vereinte Nationen um Bodentruppen

Saudi Arabia leads strikes in Yemen

Häuser im Jemen, die durch saudische Militärschläge zerstört wurden.

(Foto: dpa)
  • Der jemenitische UN-Botschafter hat in einem Brief an den Sicherheitsrat die Weltgemeinschaft zu einem Einsatz von Bodentruppen im Jemen aufgefordert.
  • Zuvor hatten schiitische Huthi-Rebellen eine erneute Offensive gestartet und dabei unter anderem eine saudische Grenzstadt und die Hafenstadt Aden angegriffen.
  • Bei diesen Kämpfen und beim Gegenschlag durch das saudische Militär sollen wieder zahlreiche Zivilisten getötet worden sein.
  • Die USA, die das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis gegen die Rebellen unterstützen, versprachen humanitäre Hilfe in Höhe von 68 Millionen Dollar (60,3 Mio. Euro) für die Betroffenen der Bombardements.

Jemen ruft Vereinte Nationen an

Angesichts der Offensive der schiitischen Huthi-Rebellen im Süden hat der Jemen den UN-Sicherheitsrat um Hilfe durch den Einsatz von Bodentruppen gebeten. Der jemenitische UN-Botschafter schrieb am Mittwoch an das Gremium: "Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, dringend mit Bodentruppen zu intervenieren, um den Jemen, vor allem Aden und Tais, zu retten."

Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete unter Berufung auf das ihm vorliegende Schreiben weiter, der jemenitische UN-Botschafter habe zudem internationale Menschenrechtsorganisationen aufgerufen, die "barbarische" Gewalt gegen die schutzlose Bevölkerung zu dokumentieren. Der Brief sei an den litauischen Botschafter gegangen, der den Vorsitz im Sicherheitsrat zurzeit innehat.

Dutzende tote Zivilisten bei erneuten Kämpfen

Am Mittwoch war es nach Angaben von Bewohnern wieder zu heftigen Kämpfen zwischen der schiitischen Huthi-Miliz und Anhängern des geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi in der südjemenitischen Hafenstadt Aden gekommen. Die Huthi-Rebellen im Jemen haben den zweiten Tag in Folge Mörsergranaten und Raketen auf die saudische Grenzstadt Nadschran abgefeuert. Dabei seien vier Zivilisten und ein Wachmann getötet worden, bestätigte ein Vertreter des örtlichen Zivilschutzes am Mittwoch. Die Huthis hatten bereits am Vortag Raketen über die Grenze nach Nadschran abgeschossen. Dabei waren vier Menschen, unter ihnen ein Armeeoffizier, getötet worden.

Saudi-Arabien beantwortete den Raketenbeschuss vom Dienstag mit Bombardierungen im Kernland der Huthis in der nördlichen jemenitischen Provinz Saada. Dabei sollen nach Angaben von Bewohnern 34 Zivilisten ums Leben gekommen sein.

Eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz bombardiert seit Ende März Stellungen und Waffenlager der Huthis. Die Aufständischen kontrollieren inzwischen weite Teile des Landes, darunter die Hauptstadt Sanaa. Bei den Kämpfen und Luftangriffen wurden seitdem nach UN-Angaben 646 Zivilisten getötet und 1364 weitere verletzt.

Finanzielle Hilfe aus den USA

Die USA versprachen unterdessen humanitäre Hilfe in Höhe von 68 Millionen Dollar (60,3 Mio. Euro) für die Betroffenen der Bombardements im Jemen. Das Geld solle den rund 16 Millionen hilfsbedürftigen Menschen zukommen, darunter 300 000 Binnenflüchtlinge, teilte das Außenministerium in Washington mit. Es soll unter anderem für Wasser, Lebensmittel, Unterkünfte und medizinische Versorgung genutzt werden. Damit steigt die humanitäre Hilfe seit Herbst 2013 auf 188 Millionen Dollar.

Die USA unterstützen das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis. Aus Sorge vor iranischen Waffenlieferungen an die Huthis verstärkte das US-Militär bereits seine Flotte vor der jemenitischen Küste. Washington will den Druck auf den Iran in der Region aufrechterhalten und Ableger der Terrororganisationen al-Qaida und Islamischer Staat zurückdrängen. Zugleich hofft die US-Regierung nach eigener Aussage auf ein baldiges Ende der Luftangriffe. "Es gibt keine militärische Lösung der Krise im Jemen, und die humanitäre Lage wird sich nur verschlimmern, wenn der Konflikt anhält", hatte US-Sicherheitsberaterin Susan Rice vergangene Woche in Washington gesagt.

© Süddeutsche.de/dpa/AFP/Reuters/dayk
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