Trump bei UN-Generaldebatte Einer gegen alle

  • Bei seiner zweiten Rede vor der UN-Vollversammlung greift US-Präsident Trump Iran erneut scharf an.
  • Für Nordkoreas Regime, dem Trump vor einem Jahr mit "vollständiger Zerstörung" gedroht hatte, findet er hingegen freundliche Worte.
  • Als Trump mit seinen selbsterklärten Erfolgen prahlt, wird er vom Plenum offen ausgelacht.
  • Kritische Töne richtet der US-Präsident an Irans Unterstützer.
Von Daniel Brössler, New York

Bevor die Stadt und bevor er selbst erwacht, gibt es diesen Moment der Illusion. Die jüngsten Tweets stammen noch vom vergangenen Tag. Donald Trump schwärmt da von der "großen Ehre", den französischen Präsidenten Emmanuel Macron in New York zu haben, und ebenso von der "großen Ehre", den Ägypter Abdel Fattah al-Sisi zu begrüßen.

Trump hat auch ein Bild getwittert von der Unterzeichnung eines Freihandelsabkommens mit Südkorea und Aufnahmen von einem Anti-Drogen-Event im UN-Hauptquartier. Zwischendrin kriegen zwar die US-Demokraten ihr Fett weg, weil sie einen angeblich "wundervollen Mann" zerstören wollten, Brett Kavanaugh, seinen Kandidaten für das Oberste Gericht. Aber das ist Innenpolitik. Auf der Weltbühne der UN-Generalversammlung, so scheint es an diesem Morgen flüchtig auf, bringt Trump ein ungewohntes Stück zur Aufführung: Der Staatsmann.

Es ist kurz vor sieben, als Trump dann wieder beginnt, sein Smartphone zu füttern. "Ungeachtet solcher Anfragen habe ich nicht die Absicht, den iranischen Präsidenten Hassan Rohani zu treffen", twittert er. "Vielleicht irgendwann in der Zukunft. Ich bin sicher, dass er ein absolut liebenswerter Mann ist." Ist das Ironie? Oder ein Plan?

In seiner ersten Rede vor den Vereinten Nationen vergangenes Jahr hatte Trump den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un als "kleinen Raketenmann" attackiert, später begann dann eine Art politische Liebesgeschichte. An eine Wiederholung glaubt freilich kaum jemand, als Präsidenten, Minister und Diplomaten ins UN-Hauptquartier eilen. Unter ihnen ist auch Heiko Maas.

Trumps Machtprobe nicht nur mit Iran, sondern mit der Welt

Der Bundesaußenminister steht im Regen, als er gefragt wird, ob er sich denn ein Treffen Trumps mit Rohani wünsche. "In der Beziehung habe ich weder Wünsche, noch will ich sie äußern", sagt er. Wichtig sei, dass die Lage vor Ort nicht noch weiter eskaliere und Iran nicht wieder sein militärisches Atomprogramm aufnehme. "Das wollen wir nicht, das würde die ganze Region in Flammen setzen", kann Maas noch warnen, bevor ein Wolkenbruch ihn ins Trockene treibt.

Die Europäer wagen den Aufstand gegen Trump

Brüssel versucht Iran mit seiner speziellen neuen Bank zu besänftigen. Bis im Weißen Haus - möglichst schon in zwei Jahren - wieder Vernunft eingekehrt ist. Kommentar von Paul-Anton Krüger mehr ...

Drinnen soll gleich, als einer der ersten Redner, Trump sprechen. Klar ist bis dahin nur, dass Trumps Mission, vielleicht sogar Obsession, Iran gilt. Sein Terminkalender ist voll in diesen Tagen. Eine Ansprache hier, ein Empfang dort, und alles mit dem Ziel, Stimmung zu machen gegen die Führung in Teheran. Es ist Trumps Machtprobe nicht nur mit Iran, sondern mit der Welt. Der US-Präsident will beweisen, dass er den ihm so verhassten Atomdeal auch gegen den Widerstand engster Verbündeter in Stücke reißen kann.

In der Generaldebatte macht es Trump dann erst einmal spannend. Nach einer alten Tradition erhält der amerikanische Präsident stets nach dem Staatsoberhaupt Brasiliens das Wort. Doch als er an der Reihe ist, hat Trump offenbar noch keine Lust. Auf dem Podium gibt es Getuschel. Dann wird die Höhe des Rednerpultes verstellt. Es spreche nun erst einmal Lenín Moreno, der Präsident Ecuadors, informiert die Versammlungsleiterin das überraschte Publikum. Moreno ist Rollstuhlfahrer.

Es ist eine Kostprobe jener Selbstherrlichkeit, mit der Trump aller Welt zu verstehen gibt, was er von Regeln hält, die er nicht selbst gemacht hat. Als er dann doch das Wort ergreift, verwendet Trump viel Zeit auf ungehemmtes Eigenlob. Er sagt, seine Regierung habe "in weniger als zwei Jahren mehr erreicht als fast jede Regierung in der Geschichte unseres Landes". Da gibt es - ungewöhnlich in diesem Kreis - Lacher.