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Umstrittene Rede in der Knesset:Viele Unterstützer Israels glauben trotzdem das Schlimmste, was sie hören

Was sind nun die Fakten? Es gibt da sehr verschiedene Zahlen. Meist geht man davon aus, dass Palästinenser zwischen 73 bis 129 Kubikmeter Trinkwasser pro Person und Jahr verbrauchen. Die Israelis verbrauchen diesen Zahlen zufolge zwischen 170 und 180 Kubikmeter Trinkwasser pro Person und Jahr - hinzu kommt noch wideraufbereitetes Brauchwasser. Diese Zahlen sind jedenfalls sehr anders als jene, die Schulz zitiert hat.

Martin Schulz hätte sagen können: "Israelis und Palästinenser verbrauchen unterschiedlich viel Wasser, im Verhältnis 2:1. Mir ist bewusst, dass dieser Unterschied dem verschiedenen Levels der ökonomischen Entwicklung geschuldet ist und auch dem Missmanagement der palästinensischen Behörden bei der Wasserversorgung, und dass es schon jetzt Verträge zur Wasserversorgung zwischen Israel und den autonomen Gebieten gibt. Trotzdem glaube ich: Aufgrund der hohen Sensibilität und Symbolik des Wassers in dieser Region und eingedenk der Tatsache, dass Israel weltweit führend ist bei der Entsalzung von Meerwasser und der Nutzung von Brauchwasser, sollte das Land über die bestehenden Verträge hinaus die palästinensische Verwaltung bei der Wasserversorgung der Menschen unterstützen."

Martin Schulz Kabale nach Zahlen

Streit um Schulz' Rede in Israel

Kabale nach Zahlen

70 Liter versus 17: Als Europaparlamentspräsident Schulz vor Israels Parlament über Wasserversorgung sprach, löste er damit einen Eklat aus. Zahlen sind im Nahost-Konflikt immer politisch, das zeigen schon die vielen Studien zu diesem Thema. Welche Seite mit welchen Zahlen argumentiert - ein Überblick.   Von Kathrin Haimerl

Eine solche Passage hätte nicht so viel Kritik hervorgerufen - aber auch nicht diese intensive Berichterstattung in den Medien. Könnte dies der wahre Grund sein, weshalb Martin Schulz es vorzog, nicht so genau nach den Fakten zu fragen? Könnte es sein, dass er davon ausging, dass eine provokante Behauptung mehr auslösen würde als eine abgewogene Analyse, die der komplexen Situation gerecht wird?

Für viele Israelis hat sich Schulz mit seinem Auftritt in der Knesset auf einen gefährlich rutschigen Hang begeben. Selbst viele, die im Grunde Israel unterstützen, sind bereit, das Schlimmstmögliche zu glauben, was sie über das Land hören, und jeder noch so problematischen Anschuldigung Glauben zu schenken.

Lügen sind gefährliche Waffen

Die jüdische Bevölkerung nimmt aufmerksam zur Kenntnis, dass, bevor es kollektive Gewalt gegen andere Menschen gibt, in der Regel eine ideologische Grundlage für diese Gewalt geschaffen wird. Sie fürchtet zunehmend, dass dies im Augenblick gegenüber Israel und der Idee des Zionismus geschieht. Die Waffen in diesem Kampf sind Lügen, falsche Behauptungen, falsche oder missverständliche Interpretationen.

Das Ziel dieses Kampfes ist, wie auch bei den früheren Kämpfen, die große Errungenschaft des Zionismus ungeschehen zu machen: die Existenz eines souveränen States für das jüdische Volk in ihrer angestammten Heimat. Die Strategie dieses Krieges besteht darin, Israel und den Zionismus mit allem Übel dieser Welt zu verbinden, damit eines Tages die Zerstörung des Staates Israel nicht mehr als Verlust, sondern als Segen für die Menschheit erscheint.

Martin Schulz ist ein Freund Israels und des Zionismus. Sein Eintreten für den Frieden ist glaubwürdig. Wenn er aber wirklich den Frieden will, ist es notwendig, dass er und andere nicht unfreiwillig jene unterstützen, die diesen Frieden nicht wollen und seine Liebe zu Israel nicht teilen.