Umfrage Junge Deutsche wollen mehr über Ersten Weltkrieg wissen

Erster Weltkrieg in Thüringer Museen Eine Besucherin betrachtet am 08.01.2014 im Stadtgeschichtsmuseum Erfurt (Thüringen) Schutzhelme aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. ´Vor 100 Jahren - Die Thüringer im Ersten Weltkrieg" lautet das Jahresmotto des Museumsverbandes. Den Ersten Weltkrieg und seine Auswirkungen auf die Thüringer wollen 2014 zwölf Museen und Städte thematisieren. Foto: Michael Reichel/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Interessieren sich junge Deutsche für den Ersten Weltkrieg? Wer ist schuld an dem Gemetzel vor bald 100 Jahren? Ist ein solcher Krieg in Europa heute noch möglich? Das wollte ein Umfrage-Institut wissen. Das Meinungsbild ist verblüffend.

Bald 100 Jahre sind seit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges vergangen. Wie die ferne Zeit auch noch heute nachwirkt, ist an der Kriegsschuldkontroverse zu sehen, die mancherorts teilweise skurrile Züge trägt. So gibt es in Großbritannien eine Debatte, die bis in die Regierung reicht (hier mehr dazu), auch in Serbien erregen sich die Gemüter (hier mehr dazu). Salopp formuliert lautet der Tenor in beiden Ländern: Wir waren es nicht, die Anderen haben angefangen.

In Deutschland ist das einer Forsa-Umfrage zufolge etwas anders. Die Mehrheit der Bundesbürger sagt: Jede der damals kämpfenden Nationen trägt Schuld an der Eskalation am Ausbruch des Ersten Weltkriegs. 58 Prozent sehen die Verantwortung bei allen in den Krieg verwickelten Staaten.

Besonders kritisch ist immerhin fast jeder Fünfte mit der Politik der damaligen deutschen Führung. 19 Prozent schreiben dem flatterhaften Kaiser Wilhelm II. (hier mehr zu dem Monarchen) und seiner Regierung die Hauptschuld daran zu, dass sich im Sommer 1914 eine europäische Großmacht nach der nächsten sich gegen den Frieden entschied. Nur neun Prozent nannten andere in den Krieg verwickelte Nationen, als das damalige Deutsche Reich.

Die bizarrsten Zitate von Kaiser Wilhelm II.

"Blut muss fließen, viel Blut"

Dass ein solches Gemetzel, in dem etwa 15 Millionen Menschen ihr Leben verloren haben, noch heute in Europa möglich wäre, glauben nur acht Prozent. Allerdings macht sich mehr als jeder dritte Befrage (39 Prozent) etwas Sorgen. Die Mehrheit - 53 Prozent - hat keine Angst.

Verblüffend groß ist der Wissensdurst der Deutschen über den Ersten Weltkrieg. 69 Prozent gaben an, sich für das Thema zu interessieren. Unter den Jüngeren ist der Wert sogar noch größer. Bei den 14- bis 29-Jährigen wollten 77 Prozent mehr über den Waffengang erfahren, der von 1914 bis 1918 das alte Europa zerstört hat. Von einer jungen Generation, der Geschichte egal ist, kann also keine Rede sein.

Für die Erhebung befragte das Forsa-Institut für den Stern am 8. und 9. Januar 1004 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger.

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