Liveblog zum Krieg in der UkraineBaerbock bittet in "Taurus"-Debatte um Geduld

Es müssten zunächst technische Details einer möglichen Verwendung der Marschflugkörper in der Ukraine geklärt werden, sagt die Außenministerin. Die USA warnen Nordkorea davor, an Russland Waffen zu liefern.

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Wichtige Updates
Luftangriffe auf Kiew und Moskau
Ukraine: Raketenzentrum in Russland getroffen
Luftalarm in Lettland: Kampfjets schießen Drohne ab
Lawrow schließt sofortigen Stopp der Kämpfe aus
Drohnen beschädigen russischen Ostseehafen Ust-Luga

Nato-Kampfjet schießt Drohne über Rumänien ab

Erneut ist eine Drohne in den rumänischen Luftraum eingedrungen und wurde von einem Nato-Kampfjet abgeschossen, teilte das rumänische Verteidigungsministerium mit. Im Einsatz war demnach ein spanischer F-18-Kampfjet. Die Drohne hatte das Nachbarland Moldau überflogen, als sie vom Radar geortet wurde. Die Trümmer des abgeschossenen Fluggeräts stürzten über unbewohntem Gebiet ab. Eine russische Herkunft ist wahrscheinlich, wurde jedoch nicht bestätigt.

Erst am Freitag war in Rumänien nahe der ukrainischen Grenze in einem Waldgebiet bei Luncavița eine Drohne abgestürzt, die offenbar unbemerkt den Luftraum des Landes durchquert hatte. Am selben Tag hatte ein italienischer Kampfjet im Auftrag der Nato eine Drohne unbekannter Herkunft über Lettland abgeschossen.

Bereits im Juli fingen rumänische F-16 an drei Tagen hintereinander mutmaßlich russische Drohnen ab. Ende Mai war in der rumänischen Stadt Galați eine russische Drohne in ein Wohnhaus eingeschlagen und hatte ein Feuer ausgelöst, es gab zwei Verletzte. 

Rumänien hat eine über 600 Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. In den vergangenen vier Jahren wurde der rumänische Luftraum – und damit die östliche Nato-Flanke – wiederholt von russischen Drohnen verletzt. Manche hatten vermutlich die Ukraine als Ziel, es könnte sich aber auch um gezielte russische Provokationen handeln, um die Belastbarkeit der Nato zu testen.

EU-Außenbeauftragte will Russland-Sanktionen ausweiten

Die EU will die Russland-Sanktionen ausweiten und damit den Druck auf Moskau wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine weiter erhöhen. Im Herbst werde sie „die weitreichendste Sanktionsliste seit Beginn des Krieges“ vorlegen, sagte EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas der Welt. Sollte der Vorschlag beschlossen werden, werde sich die Zahl der sanktionierten russischen Personen, Unternehmen und Organisationen um ein Drittel erhöhen.

„Der Druck muss verstärkt werden, bis Russland den Krieg beendet“, sagte Kallas der Zeitung weiter. Die bisherigen EU-Sanktionen hätten Russlands Kriegsmaschinerie schon mehr als eine Billion Euro gekostet. Sie hoffe auch, dass Europa und die USA beim Thema Sanktionen weiter zusammenrückten, sagte Kallas.
Die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Kaja Kallas.
Die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Kaja Kallas. Ezra Acayan/dpa

Russischer Angriff auf Hafen-Infrastruktur in Region Odessa 

Russland hat ukrainischen Angaben zufolge bei einem nächtlichen Angriff die Hafen-Infrastruktur im Bezirk Ismajil in der südukrainischen Region Odessa ins Visier genommen. Dabei sind Brände entstanden, die inzwischen gelöscht wurden, wie die Behörden auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilen. Ismajil liegt nahe der rumänischen Grenze und beherbergt den größten ukrainischen Hafen an der Donau.
Lorenz Zeck

Russland: Sechs Tote bei ukrainischem Raketenangriff in Belgorod

Bei einem ukrainischen Raketenangriff auf die russische Grenzregion Belgorod sind örtlichen Angaben zufolge sechs Menschen getötet worden. Vier weitere Personen wurden verletzt, wie der kommissarische Gouverneur Alexander Schuwajew auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilt. Unter den Verletzten befinde sich auch ein 14-jähriges Kind.

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der südrussischen Region Astrachan ist nach Behördenangaben eine Frau getötet worden. Der Angriff traf eine Industrieanlage, wie der örtliche Gouverneur mitteilt. Weitere Einzelheiten nennt er zunächst nicht. 

Luftangriffe auf Kiew und Moskau

Kiew war erneut das Ziel russischer ballistischer Raketen. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete von Explosionen und Feuern in der Stadt. Er forderte die Einwohner der ukrainischen Hauptstadt auf, in Schutzräumen zu bleiben. Es gibt Berichte von mindestens einem Verletzten. Auch aus anderen Landesteilen gibt es Berichte über Luftangriffe mit Raketen, Gleitbomben und Drohnen, betroffen waren demnach etwa die Industriestädte Krementschuk und Krywyj Rih. Die Ukraine benötigt dringend Abwehrraketen vom Typ Patriot, um ballistische Raketen abwehren zu können.

Die russische Hauptstadt war Ziel eines der bislang größten ukrainischen Luftangriffe. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete, Russland sei insgesamt mit rund 600 Drohnen angegriffen worden, 201 davon habe die Luftabwehr in der Region Moskau zerstört. Einsatzkräfte seien an den Absturzstellen der Trümmer im Einsatz. Es gebe drei Verletzte. Die ukrainische Nachrichtenseite Kyiv Independent berichtet, die Angriffe in der Region Moskau hätten unter anderem Industrieeinrichtungen sowie einem Lager des russischen Online-Händlers Wildberries gegolten.

Ukraine: Raketenzentrum in Russland getroffen

Das ukrainische Militär hat das Raketen- und Raumfahrtzentrum im rund 900 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernten Samara angegriffen. Die Streitkräfte hätten auch den Militärflugplatz Sawasleika, einen Stützpunkt für russische Kampfflugzeuge, beschossen, teilte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij am Samstag auf Telegram mit. 

Ziel sei es, den Druck auf die Regierung in Moskau zur Beendigung des mehr als vierjährigen Krieges zu erhöhen. „Es ist wichtig, dass das russische Kriegspotenzial verringert wird“, schrieb Selenskij auf der Kurznachrichtenplattform X.

Dem ukrainischen Generalstab zufolge gab es direkte Treffer und Brände auf dem Flugplatz in der Region Nischni Nowgorod sowie im Raumfahrtzentrum Progress in der Region Samara. Samara gilt als eines der wichtigsten Zentren der russischen Luft- und Raumfahrtindustrie.

In dem Werk in Samara werden den ukrainischen Angaben nach Raketen für das Breitbandnetzwerk Rasswet hergestellt. Russland entwickelt dieses als Alternative zum Starlink-System des US-Unternehmens Space-X, das der Ukraine erhebliche Vorteile bei der Drohnensteuerung und der Kommunikation auf dem Schlachtfeld verschafft. Von den Behörden in Nischni Nowgorod gab es zunächst keine Bestätigung für den Angriff auf den Flugplatz. In der Region Samara teilten örtliche Vertreter mit, die Luftverteidigung habe einen massiven Raketenangriff abgewehrt. Die industrielle Infrastruktur habe örtlich begrenzte Schäden erlitten, erklärte der Verwaltungschef der regionalen Hauptstadt, Iwan Noskow. Rettungskräfte seien im Einsatz.

Das russische Verteidigungsministerium teilte am Samstag mit, in den vergangenen 24 Stunden ukrainische Logistikzentren sowie Treibstoff-, Energie- und Verkehrsinfrastruktur angegriffen zu haben. Zudem seien Montagehallen für Langstreckendrohnen und Drohnenboote getroffen worden. Zu den Zielen habe ein Lager für Langstreckendrohnen in der ukrainischen Region Tschernihiw gehört. Die Berichte beider Seiten ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Ölexporte aus russischem Schwarzmeerhafen Noworossijsk offenbar gestoppt 

Die Rohölexporte aus dem russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk sind Insiderangaben zufolge nach einem Drohnenangriff ausgesetzt. Wegen des Angriffs seien die Verladungen gestoppt und die Annahme von Öl ausgesetzt worden, da die Lagertanks voll seien, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Das Terminal ist mit einer Kapazität von rund 700 000 Barrel pro Tag Russlands wichtigste Ölexportanlage am Schwarzen Meer. Die Stadtverwaltung von Noworossijsk rief erneut Drohnenalarm für die Anwohner aus. 

Luftalarm in Lettland: Kampfjets schießen Drohne ab

Eine Drohne ist in den lettischen Luftraum eingedrungen und von Kampfjets eines Nato-Partnerstaats abgeschossen worden. Nach Militärangaben haben italienische Eurofighter das Flugobjekt vom Himmel geholt. Die Entscheidung zum Abschuss sei getroffen worden, um eine Gefährdung der Bevölkerung Lettlands abzuwenden, sagte Verteidigungsminister Raivis Melnis. Das Militär hatte zuvor Luftalarm ausgelöst und die Menschen in dem Baltenstaat aufgerufen, sich nicht im Freien aufzuhalten und sich in Sicherheit zu bringen. 

Nach Angaben einer Sprecherin des lettischen Militärs wurde die Drohne über einem Waldgebiet abgeschossen. Verletzte oder Sachschäden gebe es nicht. Die zuständigen Einsatzkräfte seien an der Absturzstelle vor Ort im Einsatz, sagte sie im lettischen Fernsehen.

Das Militär machte bisher keine genauen Angaben zur Herkunft des unbemannten Fluggeräts über der Region Balvi. Die Armee sprach aber von einer ausländischen Drohne, die infolge von Russlands elektronischer Kampfführung in den lettischen Luftraum geraten sei. Damit lag der Schluss nahe, dass es sich um eine abgewehrte ukrainische Drohne gehandelt haben könnte. Melnis sagte, dass es derzeit nicht möglich sei, Herkunft und Typ der abgeschossenen Drohne zu bestimmen. Dazu müssten erst Drohnentrümmer gefunden und untersucht werden.

Kiew hatte nach Angaben des lettischen Rundfunks in der Nacht Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen. Bereits Anfang Juni hatten Nato-Kampfjets über Lettland eine fehlgeleitete Drohne abgeschossen.
Lettland grenzt im Osten an Russland. Während des Ukraine-Krieges hat es bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen gegeben. Bei ukrainischen Angriffen waren mehrfach fehlgeleitete unbemannte Flugkörper, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte, in den lettischen Luftraum eingedrungen und abgestürzt. Größere Schäden oder Verletzte gab es dabei nicht. Die Vorfälle lösten aber eine politische Krise in Lettland aus und führten zu einem Regierungswechsel. Die neue Regierung hatte kurz nach ihrem Amtsantritt Ende Mai ein Abkommen mit der Ukraine zu einer stärkeren Zusammenarbeit bei der Drohnenabwehr geschlossen. 

Größere Nato-Staaten übernehmen im Baltikum abwechselnd die Luftraumüberwachung der Mitgliedsstaaten Estland, Litauen und Lettland, die keine eigenen Kampfjets besitzen. Die italienischen Kampfjets sind auf dem Militärflughafen Siauliai (Litauen) stationiert. 

Lawrow schließt sofortigen Stopp der Kämpfe aus

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat erneut einen sofortigen Stopp der Kämpfe in der Ukraine ausgeschlossen: „Wir werden erst dann aufhören, wenn eine langfristige, zuverlässige und nachhaltige Einigung vorliegt“, sagte er im Staatsfernsehen. Zudem erklärte er: „Wir werden unsere Methoden deutlich verschärfen, um all das zu zerstören, was Kiews Kriegsmaschinerie aus dem Westen speist. Und wir tun dies bereits.“

Unterdessen wies Russland auch die Idee einer Waffenruhe mit der Ukraine im Schwarzen Meer zurück. Es gebe keine Grundlage für „Halbheiten“, die der Gegenseite nur eine Atempause verschaffen würden, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa.

Zuvor berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass die Ukraine einem Insider zufolge Russland über einen Dritten ein Angebot übermittelt habe, die Angriffe auf zivile Ziele im Schwarzen Meer auf beiden Seiten einzustellen.

Sowohl Russland als auch die Ukraine hatten in den vergangenen Wochen ihre Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer verstärkt. Dies trieb die weltweiten Getreidepreise in die Höhe. 

Drohnen beschädigen russischen Ostseehafen Ust-Luga

Nach offiziellen Angaben Russlands ist das Gebiet um den russischen Ostseehafen Ust-Luga nach Drohnenangriffen beschädigt worden. Insgesamt seien über der Region Leningrad 51 Drohnen abgewehrt worden. Das teilte Alexander Drosdenko, der Gouverneur der Region, mit. Der Ostseehafen Ust-Luga ist wichtig etwa für den Export von Flüssiggas, Düngemitteln und Kohle. Er war schon mehrfach Ziel ukrainischer Angriffe. Auch in der nordwestlich von Moskau gelegenen Region Twer berichteten Behörden von Schäden. Herabstürzende Drohnentrümmer beschädigten demnach die Wand eines Lagerhauses des Versandhändlers Wildberries. Verletzt wurde demnach niemand.
Das Ölterminal von Ust-Luga (Archivbild)
Das Ölterminal von Ust-Luga (Archivbild). Foto: Stringer/dpa

Ukraine: Mutter und Sohn bei russischen Angriffen getötet 

Nach Angaben aus der Ukraine sind durch russische Drohnenangriffe in der ukrainischen Grenzregion Sumy zwei Menschen getötet worden. Ein Privathaus sei von zwei Drohnen in Brand gesetzt und zerstört worden, schrieb der Chef der Militärverwaltung von Sumy, Oleh Hryhorow, auf Telegram. Eine 29-jährige Frau und ihr neun Jahre alter Sohn seien dabei ums Leben gekommen. Vier weitere Menschen wurden demnach verletzt. Darunter seien der Vater und die Großmutter des Jungen, die mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht worden seien.

In der Stadt Smila in der Zentralukraine wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft der Region Tscherkassy fünf Menschen bei einem russischen Drohnenangriff verletzt. Die Behörde sprach von einer massiven Attacke auf zivile Infrastruktur.
Ulrike Putz

Schwerer russischer Bombenangriff auf Kramatorsk

Durch einen russischen Bombenangriff auf die frontnahe Stadt Kramatorsk in der Ostukraine sind nach Behördenangaben mindestens 15 Menschen verletzt worden. Es gebe bislang einen Toten, teilte der Militärverwalter des Gebietes Donezk, Wadym Filaschkin, auf Telegram mit. 
Seinen Angaben zufolge wurde die Stadt achtmal aus der Luft angegriffen, mutmaßlich mit Gleitbomben. In einem großen Wohnblock sei ein Brand ausgebrochen. Filaschkin riet den Einwohnern von Kramatorsk, in weniger gefährdete Gebiete der Ukraine umzusiedeln. 
Die Industriestadt hatte vor dem Krieg etwa 58 000 Einwohner. Die vordersten russischen Stellungen sind derzeit etwa 20 Kilometer entfernt. 

Selenskij bittet USA um fünf Prozent ihrer „Patriot“-Raketen

Die Ukraine bräuchte zum Schutz vor russischen Angriffen nach den Worten ihres Präsidenten Wolodimir Selenskij fünf Prozent der US-Bestände an Abwehrraketen für das System Patriot. „Wenn die Amerikaner uns fünf Prozent verkaufen – PAC-3-Abfangraketen, nichts anderes –, werden wir den Winter überstehen und Menschenleben retten“, teilte Selenskij auf Telegram mit. Derzeit habe die Ukraine nur ein Prozent. Die Raketen gelten als besonders effektiv bei der Abwehr russischer Raketenschläge.

„Wenn sie uns zehn Prozent verkaufen können, werden wir alle ballistischen Raketen der Russen zerstören“, sagte Selenskij. Zuvor hatte er auch in einem Interview des US-Fernsehsenders CNN die USA darum gebeten, ihm die Abfangraketen zu verkaufen. Der Staatschef beklagt beinahe täglich, dass das Land sich nicht mehr vor den zunehmenden russischen Angriffen mit ballistischen Raketen schützen könne. Er wirft auch den Verbündeten vor, ihren Lieferversprechen nicht nachzukommen.

„In diesem Jahr verfügen wir über zweieinhalbmal weniger Abfangraketen als im Jahr 2025“, sagte Selenskij. Russland hingegen habe seine Produktion an ballistischen Raketen hochgefahren. Moskau nutzt die Schwäche der Ukraine bei der Luftverteidigung aus und setzt verstärkt ballistische Raketen ein.

Selenskij hatte nach seinem Besuch bei US-Präsident Donald Trump Ende Juli die Hoffnung geäußert, eine Lizenz zur Produktion der Patriot-Raketen in der Ukraine zu bekommen. Trump versprach zunächst eine solche Lizenz, äußerte sich danach aber zurückhaltend. Es sei eine schwierige Entscheidung, eine solche Technologie aus der Hand zu geben, sagte er.

Die Bestände der USA sind durch Trumps Krieg in Iran deutlich zurückgegangen. Experten des Zentrums für strategische und internationale Studien CSIS (Center for Strategic & International Studies) gingen Ende Juli davon aus, dass die USA noch 800 Abwehrraketen auf Lager haben. Demnach seien es vor dem Iran-Krieg noch ungefähr 3100 gewesen. 600 Abwehrraketen soll die Ukraine erhalten haben.

UN: Juli war tödlichster Monat für Zivilisten in der Ukraine seit Jahren

Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind nach Angaben von Beobachtern der Vereinten Nationen (UN) im Juli so viele Zivilisten ums Leben gekommen wie seit Jahren nicht mehr in einem Monat. Es seien mindestens 437 Menschen in der Ukraine getötet und 2610 weitere Zivilisten verletzt worden, gab die UN-Menschenrechtsbeobachtermission bekannt. Das sei im Vergleich zum Juni ein Anstieg um 30 Prozent, im Vergleich zum Vorjahresmonat Juli sogar eine Erhöhung um 70 Prozent. „Die Zahl der Getöteten ist die höchste, die seit Mai 2022 erfasst wurde“, teilte die Mission mit.

Die tatsächliche Zahl der Opfer sei wahrscheinlich höher, hieß es. Die Überprüfung von Todesmeldungen dauere an. In diesem Jahr habe sich die Zahl der Opfer von Monat zu Monat erhöht. Dabei habe es die ukrainische Hauptstadt Kiew im Juli besonders hart getroffen. Demnach wurden dort 54 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt. Grund sei die Eskalation der Gewalt durch die massiven russischen Angriffe mit ballistischen Raketen und Marschflugkörpern, hieß es. Aber auch Drohnenschläge und Gleitbomben seien weiter eine große Gefahr für die Menschen.

Auch auf russischer Seite habe die Zahl der getöteten Zivilisten im Juli zugenommen, teilten die UN-Beobachter mit. Russische Behörden hätten demnach 79 Tote und mehr als 600 Verletzte gemeldet. Nach Angaben der Mission sind die Zahlen schwer überprüfbar, weil der Zugang zu Informationen in Russland eingeschränkt sei.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 haben die Vereinten Nationen nach eigenen Angaben mindestens 16 874 getötete Zivilisten erfasst, darunter 820 Kinder. Die Zahl der Verletzten liege insgesamt bei 51 273, darunter mehr als 3000 Kinder, hieß es.

Russland: Raffinerie Orsk nach Angriff wohl sechs Monate außer Betrieb 

Nach einem ukrainischen Drohnenangriff stellt eine Ölraffinerie in der russischen Stadt Orsk den Betrieb vollständig ein. Die Reparatur der beschädigten importierten Anlagen könne wegen der Sanktionen bis zu sechs Monate dauern, teilt der Gouverneur der Region Orenburg, Jewgeni Solnzew, mit. Er warnt vor Kraftstoffengpässen für Autofahrer. Die Ukraine nimmt verstärkt russische Raffinerien ins Visier, um die Treibstoffversorgung zu stören. Die Anlage in Orsk hat eine Jahreskapazität von sechs Millionen Tonnen Rohöl.
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