bedeckt München
vgwortpixel

Tunesien: Der Clan von Leila Trabelsi:Leben in Saus und Braus

Der immense Reichtum blieb auch den ausländischen Diplomaten nicht verborgen: Die Internetplattform Wikileaks veröffentlichte den Bericht des US-Botschafters Robert F. Godec aus dem Juli 2009 über ein Mittagessen bei Sharek El Materi, an dem auch die Ehefrauen teilnahmen. El Materi ist mit einer Tochter Leila Trabelsis verheiratet.

Wenn sich der Volkszorn entlädt: Ein Mann trägt Gegenstände aus dem Haus von Belhassen Trabelsi, dem verhassten Bruder der früheren Präsidentengattin. Es befindet sich in La Soukra.

(Foto: AP)

Der Botschafter skizzierte in der Depesche den "exzessiven Luxus", in dem Ben Alis angeheiratete Familie lebe. Dies werde die Ressentiments gegen den Trabelsi-Clan verstärken. El Materi lebe in Hammamet in einer riesigen Villa, die modern eingerichtet und vorwiegend in Weiß gehalten sei. Es gebe mindestens ein Dutzend Hausangestellte, darunter einen Butler aus Bangladesch und ein Kindermädchen aus Südafrika.

Tiger im Käfig und Desserts aus Frankreich

Das Haus sei mit Fresken und antiken Skulpturen geschmückt, aus einem Löwenkopf fließe Wasser in den großen Swimmingpool. Die Nachspeisen des zwölfgängigen Essens seien aus Frankreich eingeflogen und es sei sogar Kiwisaft serviert worden, der sonst in Tunesien nicht erhältlich sei. Einen Absatz widmet Botschafter Godec dem Lieblingsspielzeug von El Materi: Es handelt sich um den Tiger Pascha, der täglich vier Hühner verspeist und in einem Käfig gehalten wird. Den Diplomaten erinnert die Szenerie an den Löwenkäfig, an denen sich Saddam Husseins Sohn Udai in Bagdad erfreute.

Viele dieser Depeschen sind auf der Website Tunileaks gesammelt. Inwieweit die Internet-Veröffentlichungen den Protest angeheizt haben, ist schwer zu beurteilen - das US-Fachmagazin Foreign Policy spricht von der "ersten Wikileaks-Revolution".

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich der Volkszorn am Wochenende vor allem an den Besitztümern des Clans entlud und mehrere Villen geplündert oder in Brand gesetzt wurden. Dies geschah etwa mit einem Haus Belhassen Trabelsis in La Soukra. Imed Trabelsi, der Lieblingsneffe der einstigen Präsidentengattin, wurde am Wochenende von Unbekannten erstochen. Imed Trabelsi war bis dahin Bürgermeister von La Goulette, einer Vorstadt von Tunis, in der ein lukrativer Frachthafen gebaut wird. Frankreich hatte vergeblich Imeds Auslieferung verlangt, weil er eine Yacht gestohlen haben soll.

Ein Pilot als Held

Belhassen Trabelsi wurde bereits am Freitag verhaftet, bevor er mit seinem Privatjet das Land verlassen konnte - der Pilot hatte sich geweigert, ihn zu transportieren.

Ein ähnlicher Vorfall hat Mohammed Ben Kilani zum Nationalhelden werden lassen. Dem Piloten sei am Freitagnachmittag die Starterlaubnis verweigert worden, weil noch fünf Passagiere zusteigen sollten. "Ich verstand sofort, dass es sich um die Präsidentenfamilie, die Familie Trabelsi handelte", erklärte der 37-Jährige.

Wie Stewardessen von Tunis Air berichteten, war es während der Präsidentschaft Ben Alis nicht selten, dass Angehörige und Mitglieder der Familie seiner Frau Leila Trabelsi im letzten Moment an Bord gingen. Ben Kilani begründete seinen Schritt mit den Worten: "Ich entschied mich, an dieser Expedition von Kriminellen nicht teilzunehmen. Wenn ich diese Familie mitnehme, werde ich mein Leben lang ein Verräter sein."

Leila Trabelsi, die sich über ihre Stiftung Basma auch gern als Wohltäterin inszenierte, hat es dennoch zu ihrem Ehemann nach Saudi-Arabien geschafft. Dort wird das Paar allerdings abgeschottet von der Öffentlichkeit leben und offenbar ist es ihnen auch verboten, sich politisch zu äußern. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte Leila Trabelsi von Dubai aus, wo sie zunächst einen Zwischenstopp eingelegt hatte, den Gouverneur der tunesischen Zentralbank angewiesen, 400 Millionen Euro ins Emirat zu überweisen, was dieser nach Rücksprache mit Ben Ali auch getan habe.

Hinzu kommen noch 1,5 Tonnen Gold, die Leila Trabelsi das Leben in der Wüste sicher erträglich gestalten lassen - und die Episode mit den Goldbarren gibt auch einen Hinweis auf die Kraftverhältnisse innerhalb der Ehe. Laut Le Monde weigerte sich der Gouverneur der Zentralbank, das Edelmetall herauszugeben. Also zückte Leila Trabelsi ihr Mobiltelefon und rief Ben Ali an. Zunächst habe dieser sich geweigert, die Herausgabe der Barren zu fordern, doch schließlich setzte sich seine Frau durch. Auch diese Anekdote dürfte in Nordafrika kaum jemanden wundern.

Tunesien: Neubeginn gefordert

"Auf dem Pflaster blüht Jasmin"