Türkei:Erdoğan: "Das kann nicht vergeben werden"

  • In der Altstadt von Istanbul detoniert im morgendlichen Berufsverkehr eine Autobombe.
  • Mehrere Menschen werden getötet, zahlreiche verletzt.
  • Ziel des Anschlags soll ein Polizeibus gewesen sein.

Bei einem Bombenanschlag im Zentrum der türkischen Metropole Istanbul sind nach Angaben des Gouverneurs der Stadt mindestens elf Menschen getötet worden. Bei sieben von ihnen handele es sich um Polizisten, vier sollen Passanten gewesen sein. 36 Menschen seien verletzt, drei davon schwer. Noch sei unklar, wer für den Anschlag verantwortlich ist.

Ziel des Anschlags sei ein Bus der Polizei gewesen, der mit Hilfe einer ferngezündeten Autobombe zur Explosion gebracht worden sei. Auf Bildern ist ein völlig zerstörter, auf der Seite liegender Polizeibus zu sehen sowie daneben ein weiterer, offenbar weniger stark beschädigter Bus.

Der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge waren nach der Detonation Schüsse in der Gegend zu hören. Bilder zeigen zahlreiche zerborstene Schaufensterscheiben. Die Polizei ist offenbar dabei, am Ort der Explosion ein verdächtiges Paket kontrolliert zu sprengen.

Vier Personen seien vorübergehend festgenommen worden. Sie sollten zu der Attacke verhört werden, berichteten Staatsmedien.

Der Vorfall ereignete sich während der morgendlichen Stoßzeit im europäischen Stadtteil Fatih nahe dem Beyazıt-Platz. Der dicht bewohnte Altstadtbezirk um die Metrostation Vezneciler ist auch bei Touristen sehr beliebt. Die weltberühmte Blaue Moschee liegt etwa eineinhalb Kilometer entfernt. In der Nähe des Tatorts befinden sich die Istanbuler Universität wie auch der Große Basar. Die Polizei riegelte den Ort der Explosion ab.

Das Auswärtige Amt in Berlin riet Reisenden zu erhöhter Vorsicht. "Wir verurteilen den brutalen Anschlag in Istanbul und trauern mit der Türkei um die Toten", teilte das Ministerium im Kurznachrichtendienst Twitter mit. "Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer."

Erdoğan: Kampf gegen Terror "bis in alle Ewigkeit"

"Wir müssen von Terroristen immer und überall Derartiges erwarten und dementsprechend vorbereitet sein", sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan nach einem Besuch von Verletzten in einem Krankenhaus in Istanbul. "Man kann nie wissen, wo, wann und was der Terror in die Luft sprengt. Deshalb ergreifen wir jede Art von Maßnahme und werden sie auch weiterhin ergreifen."

Erdoğan kündigte einen langen Kampf gegen den Terrorismus an. "Dieser Kampf, der mit dem ersten Menschen begonnen hat, wird bis in alle Ewigkeit weitergehen." Zu dem Anschlag in Istanbul sagte er: "Das kann nicht vergeben werden." Die Ermittlungen zu den Urhebern der Tat dauerten an. Erdoğan sagte, zwei der Verletzten schwebten in Lebensgefahr.

Mehr als 200 Tote bei Bombenanschlägen seit Juli 2015

Die Türkei wird seit Monaten immer wieder von Attentaten erschüttert. Die USA hatten ihre Bürger im April zu extremer Vorsicht aufgerufen. Es gebe "glaubwürdige Drohungen" gegen Touristenziele in der Türkei, vor allem an öffentlichen Plätzen in Istanbul und im Badeort Antalya.

Seit Juli 2015 kamen bei Bombenanschlägen insgesamt mehr als 200 Menschen ums Leben. Die Attentate werden kurdischen Extremisten oder der Terrormiliz Islamischer Staat zugeschrieben.

Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und eine ihrer Splittergruppen, die TAK, verüben regelmäßig Angriffe auf türkische Sicherheitskräfte. Auch die linksterroristische DHKP-C verübt immer wieder Anschläge.

© SZ.de/Reuters/AP/ewid
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