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Todesurteile in Nigeria:Meuterei gegen ungleichen Terrorkampf

Nigerianische Soldaten sitzen im Oktober dem Militärtribunal in der Hauptstadt Abuja gegenüber - jetzt fällte das Gericht viele Todesurteile.

(Foto: AP)

Wer Soldaten mit schlechter Ausrüstung ins Gefecht schickt, kann keinen Gehorsam erwarten. Nigerias Armee tut das aber - und hat jetzt 54 Soldaten wegen Meuterei zum Tod verurteilt.

Meuterei und Feigheit vor dem Feind: Für diese Vergehen sollen mehr als 50 nigerianische Soldaten mit dem Tod bestraft werden. Sie hatten sich im August geweigert, an einer Kampfoperation gegen die Terroristen von Boko Haram teilzunehmen - nun hat ein Militärgericht vier der beteiligten Soldaten freigesprochen und 54 zum Tode verurteilt.

Im Militär gilt Meuterei als eines der schlimmsten möglichen Vergehen; in vielen Ländern wird es mit dem Tod bestraft. Doch in Nigeria ist das nur ein Teil der Wahrheit. Seit Beginn der Militäroffensive gegen Boko Haram im Norden und Nordosten des Landes beklagen sich Offiziere und einfache Soldaten immer wieder über ihre schlechte Ausstattung, über unzureichende Bewaffnung. Dabei fließen in Nigeria enorme Summen in den Sicherheitsapparat. Doch das Militär agiert wie ein Staat im Staate und versorgt lieber seine hochrangigen Mitglieder als die Kämpfenden in den Bundesstaaten Borno oder Adamawa.

Boko Haram versorgt sich auf dem blühenden Waffenmarkt

Die Terroristen dagegen gelten als bestens ausgerüstet: Sie decken sich auf dem blühenden Waffenmarkt der Region ein und lassen sich Beobachtern zufolge auch Kriegsgerät von korrupten Militärangehörigen verkaufen. Es verwundert nicht, dass Soldaten auch im Angesicht heftigster Strafen diesen ungleichen Kampf nicht kämpfen wollen.

Meuterei ist ein Vergehen, ja. Doch in einem Land, dessen Regierung und Armee im Kampf gegen Boko Haram selbst Unrecht begehen, stehen die Dinge anders. Den Tod haben die 54 Soldaten nicht verdient.