bedeckt München
vgwortpixel

Tod, Flucht, Zerstörung in Syrien:Truppenstärke der am Krieg beteiligten Parteien

Streitkräfte der syrischen Regierung

Zählte die Armee von Diktator Baschar al-Assad zu Beginn des Kriegs am 15. März 2011 noch 350 000 Soldaten, war sie nach den ersten vier Jahren auf etwa 200 000 geschrumpft. Aktuellen Schätzungen des Londoner Forschungsinstituts International Institute for Strategic Studies im Journal The Military Balance zufolge verfügt die Regierung derzeit noch über 142 500 aktive Soldaten und sie hat Probleme, neue Soldaten zu rekrutieren. Fachleute gehen davon aus, dass sich die Regierung außerdem auf einen großen Teil der Armee nicht verlassen will.

Die Loyalität derjenigen Wehrpflichtigen, die wie die meisten Aufständischen der sunnitischen Glaubensgemeinschaft angehören, dürfte gegenüber dem Assad-Regime, das vor allem aus Alawiten und Schiiten besteht, nicht sehr groß sein. Große Truppenteile werden deshalb nicht eingesetzt oder nur in Gebieten, die Damaskus bereits kontrolliert.

Soldaten der syrischen Armee.

Soldaten der syrischen Armee nach der Eroberung von Duma im April 2018

(Foto: AFP)

Im Kampfeinsatz sind vor allem die 4. Division, die Präsidentengarde, Fallschirmjäger und Spezialeinheiten, die loyal zum Assad-Regime stehen. Auch auf die Luftwaffe kann Damaskus zurückgreifen. Der Council of Foreign Relations, ein Think Tank in New York, schätzt die Zahl der tatsächlich einsetzbaren syrischen Soldaten auf etwa 25 000. Dem IISS zufolge verfügen die syrischen Streitkräfte über etwa 260 Kampflugzeuge und mehr als 100 Kampfhubschrauber.

Unterstützt wird die Armee von etwa 100 000 paramilitärischen Kämpfern der Nationalen Verteidigungskräfte, eine Sammlung verschiedener Gruppen, die überwiegend lokal eingesetzt werden und aus eigenem Interesse mit der Armee zusammenarbeiten. Die Regierung hat nicht überall die vollständige Kontrolle über diese Milizen.

Iran

Iran ist in Syrien mit Soldaten des regulären Militärs, mit Beratern und Spezialeinheiten der Revolutionsgarden (den Al-Quds-Brigaden) vertreten. Nach Schätzungen des IISS sind insgesamt etwa 5000 iranische Soldaten in Syrien, davon 2000 Mitglieder der Revolutionsgarden. Unter iranischer Kontrolle stehen aber auch Kämpfer der Hisbollah aus Libanon, von denen sich ursprünglich etwa 12 000 in Syrien aufgehalten haben. Inzwischen wird ihre Zahl auf 7000 bis 8000 geschätzt.

Hisbollah-Kämpfer in Syrien

Hisbollah-Kämpfer in den Bergen der syrischen Region Qalamun

(Foto: AP)

Weitgehend unter iranischer Kontrolle stehen dem IISS zufolge auch etwa 50 000 paramilitärische schiitische Kämpfer aus Ländern wie Afghanistan, Irak und Pakistan, die gegen die Assad-Gegner eingesetzt werden.

Russland

Schätzungen des IISS zufolge hat Moskau etwa 6000 russische Soldaten nach Syrien geschickt, außerdem sind Dutzende Kampfflugzeuge und -hubschrauber im Einsatz, um die syrische Luftwaffe zu unterstützen.

Russische Luftwaffentruppen in Syrien

Russische Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Hmeimim in der syrischen Provinz Latakia im Mai 2016

(Foto: dpa)

Freie Syrische Armee (FSA)

Eine der größten Gruppen von Aufständischen in Syrien, der verschiedene lokale Milizen angehören, ist die Freie Syrische Armee mit geschätzten 35 000 Kämpfern. Sie besteht aus etlichen lokalen, sehr unterschiedlichen Gruppen. Ihre Mitglieder sind teils gemäßigte Islamisten, teils säkulare Regimegegner, die für eine Demokratie kämpfen. Was sie verbindet, ist die Ablehnung der Assad-Diktatur.

Miliz der Freie Syrische Armee

Kämpfer der Jaysh al-Izza, einer der Milizen, die der Freien Syrischen Armee angehören, am 9. April 2018 in Idlib

(Foto: AFP)

Freie Syrische Armee - Südliche Front (FSA - Southern Front)

Mit geschätzten mehr als 25 000 Kämpfern ist diese Koalition aus etlichen lokalen Gruppen im Süden von Damaskus ebenfalls ein wichtiger Faktor. Neben Islamisten gehören auch Stammeskrieger zu ihren Mitgliedern.

Syrische Demokratische Kräfte (SDF) / Kurdische Volksverteidigungseinheiten YPG

Neben arabischen Kämpfern gehört der größte Teil der Milizionäre in dieser Koalition der Kurdenmiliz YPG an. Insbesondere diese Gruppe wird von amerikanischen Special Forces unterstützt. Dem IISS zufolge dürfte die Koalition über etwa 50 000 Bewaffnete verfügen. Sie kontrolliert große Teile des Nordostens von Syrien, nachdem sie den IS dort zurückgedrängt hat. Im Grenzgebiet zur Türkei haben sich die kurdischen Kämpfer wegen einer Offensive türkischer Soldaten zurückgezogen.

Syrische Demokratische Kräfte (SDF) in der Nähe von Rakka

Mitglieder der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) in der Nähe von Rakka im Oktober 2017

(Foto: AFP)

Hayat Tahrir al-Scham

Diese aus der Al-Qaida-Organisation Al-Nusra-Front hervorgegangene Gruppe von islamistischen Extremisten verfügt dem IISS zufolge über etwa 20 000 Kämpfer. Die Islamisten haben sich bislang jedem Versuch einer Deeskalation in Syrien widersetzt.

Kämpfer der Fateh al-Scham, die das Dschihadistenbündnis Hayat Tahrir al-Scham dominieren.

Kämpfer von Fateh al-Sham, die aus der Terrorgruppe al-Nusra-Front hervorgegangen ist, dominieren heute das Bündnis Hayat Tahrir al-Scham. (Bild von 2016)

(Foto: AFP)

Ahrar al-Sham

Die ultrakonservativen Salafisten der Ahrar al-Sham waren einmal eine der stärksten Rebellengruppen in Syrien, inzwischen verfügen sie nur noch über etwa 15 000 Kämpfer.

Salafisten der Ahrar al-Scham

Eigenes Twitter-Bild der Rebellengruppe Ahrar al-Scham vom 2. September 2015: Kämpfer der Ahrar al-Scham feuern Raketen auf die schiitischen Dörfer Fua und Kafraja in der nordwestlichen Provinz Idlib ab.

(Foto: AP)

Jaisch al-Islam

Eine weitere Gruppe islamistischer Aufständischer, die immer noch eine Rolle spielen, ist Jaisch al-Islam. Sie verfügt dem IISS zufolge über etwa 10 000 Kämpfer.

Syrischer Kämpfer in Ost-Ghouta, Operationsgebiet der Rebellengruppe Jaisch al-Islam (Bild vom Juli 2017)

(Foto: AFP)

"Islamischer Staat"

Nach den anfänglichen großen militärischen Erfolgen der Terroristen und dem Ausrufen des "Kalifats" 2014 verfügte der "Islamische Staat" über etliche Zehntausend Kämpfer, darunter viele aus dem Ausland, auch aus Europa. Seitdem das Gebiet des "Kalifats" fast vollständig von syrischen Truppen, Milizen, die Damaskus unterstützen, sowie von Aufständischen kontrolliert wird, ist unklar, wie viele IS-Terroristen noch aktiv sind. Viele wurden getötet, andere sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt, wieder andere treten nicht mehr erkennbar als IS-Terroristen auf. Vermutlich sind nur noch wenige Tausend von ihnen in der Lage oder willens, zu kämpfen.

Angebliche IS-Stellungen in Jarmuk unter Beschuss der syrischen Armee (Bild vom 24. April 2018)

(Foto: AFP)

USA

Das Pentagon gab im Dezember bekannt, dass die Vereinigten Staaten 2000 Soldaten in Syrien, östlich des Euphrat, stationiert haben. Aktuellen Schätzungen des IISS zufolge waren es im Februar noch mehr als 1700. Die Soldaten werden gegen den "Islamischen Staat" eingesetzt. Unterstützt werden sie durch US-Kampfflugzeuge, die seit Beginn der Mission etwa 32 000 Luftangriffe geflogen haben. US-Präsident Trump hat nach dem Militärschlag auf mutmaßliche syrische Giftgasanlagen im April 2018 angekündigt, seine Truppen "schnellstmöglich" aus Syrien abzuziehen.

Jamie Jarrord, Muhammed Abu Adeel

Demonstrativer Handschlag: US-General Jamie Jarrod dankt einem Kommandeur der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) in der nordsyrischen Stadt Manbidsch.

(Foto: Susannah George/AP)

Türkei

Über die türkischen Truppen in Syrien gibt es kaum Zahlen. Der britischen Zeitung Independent zufolge wurden im Rahmen der Operation "Schutzschild Euphrat" im Oktober 2016 1000 Soldaten von Spezialeinheiten in Syrien eingesetzt. Das IISS geht von mehr als 500 Soldaten aus, die sich derzeit in Syrien befinden.

Türkische Offensive in Nordsyrien

Türkische Soldaten bereiten am 21. Januar 2018 in der türkischen Provinz Hatay ihre Panzer vom Typ Leopard 2A4 auf den Einsatz gegen kurdische Milizen in Nordsyrien vor.

(Foto: dpa)

Das Londoner Institut schätzt außerdem, dass die Türkei im Nordwesten Syriens etwa 10 000 syrische Kämpfer kontrolliert, die vor allem zum Volk der Turkomanen (auch Turkmenen, nicht zu verwechseln mit dem Staatsvolk Turkmenistans) gehören, den Euphrat-Schutzkräften.

Frankreich

Im Juni 2016 hatte der französische Verteidigungsminister laut France24 eingeräumt, dass Spezialeinheiten in Syrien stationiert waren, um die syrische Opposition in Manbidsch in ihrem Kampf gegen den IS zu beraten. Zahlenangaben gab es jedoch nicht. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu sprach im Juni 2017 von etwa 75 bis 100 französischen Soldaten, von denen sich die meisten auf einer Basis bei Rakka befanden.

Stützpunkte und Luftangriffe

Seit 2014 greifen Kampfflugzeuge der USA und ihrer Verbündeten Stellungen von IS-Terroristen im Nordosten Syriens an. Im folgenden Jahr setzte Russland erstmals ebenfalls Kampfflugzeuge in Syrien ein, allerdings nicht nur gegen IS-Stellungen, sondern auch gegen solche von Aufständischen, die Moskau ebenfalls als Terroristen betrachtet.

Mittels dieser Unterstützung ist es den syrischen Truppen und ihren Helfern gelungen, große Teile des "IS-Kalifats" zu erobern, aber auch Aufständische zurückzudrängen. Mit Hilfe der Anti-IS-Koalition konnten insbesondere kurdische Kämpfer ebenfalls erfolgreich gegen IS-Terroristen vorgehen.