bedeckt München 19°

Timoschenko im Hungerstreik:Anpfiff in der Ukraine

Mit einem Hungerstreik protestiert die erkrankte ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko gegen ihre Haftbedingungen. Die Regierung in Kiew beeindruckt das nicht, stattdessen treibt sie einen zweiten Prozess voran. Sechs Wochen vor Beginn der EM erntet das Land dafür heftige internationale Kritik.

Sechs Wochen vor dem Anpfiff zur Fußball-Europameisterschaft tritt die ehemalige Ministerpräsidentin eines der Gastgeberländer im Gefängnis in den Hungerstreik. Julia Timoschenko protestiert damit gegen die Haftbedingungen in der Strafkolonie, in der sie eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren absitzt.

Julia Timoschenko

Julia Timoschenko protestiert mit einem Hungerstreik gegen ihre Haftbedingungen.

(Foto: dpa)

Der Prozess, der sie dorthin gebracht hat, wurde von allen Staaten, die ihre Mannschaften zur EM schicken, als politisch motiviert verurteilt. Unbeeindruckt davon wurde in der vergangenen Woche ein zweiter Prozess nach dem gleichen Muster eröffnet. Zum Auftakt hat der Staatsanwalt verkündet, er werde die Angeklagte notfalls auf der Trage in den Gerichtssaal bringen lassen.

Dass Timoschkenko ernsthaft krank ist, daran besteht kein Zweifel. Ein Wirbel ist angebrochen, die 51-Jährige leidet an heftigen Schmerzen, so lautet der Befund von Charité-Chef Karl Max Einhäupl, den die ukrainische Regierung als unabhängigen Experten akzeptiert hat. Einhäupl hat zwar festgestellt, dass das Krankenhaus, in dem Timoschenko behandelt werden soll, den Standards entspricht. Aber er hat auch betont, dass die Behandlung nur erfolgreich sein kann, wenn die Patientin den Ärzten vertraut.

Julia Timoschenko hat Gründe, das nicht zu tun: Ihr ehemaliger Innenminister Juri Luzenko ist als gesunder Mann in Haft gekommen, jetzt hat er eine Leberentzündung. Ihr ehemaliger Mitstreiter bei der orangen Revolution, Viktor Juschtschenko, wurde mit Dioxin vergiftet. Und sie selbst wurde von den Gefängnisärzten lange als Simulantin dargestellt. Der Hungerstreik ist jetzt die nächste Stufe der Eskalation, in einem Moment, in dem sich die Aufmerksamkeit Europas auf die Ukraine richtet.

© SZ vom 25.04.2012/infu/gal

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite