Clausnitz Ein SPD-Politiker vermutet, dass auch Rechtsextreme vor Ort waren

Nach der Hass-Nacht in Clausnitz stellen sich immer noch viele Fragen: Wer sind die Menschen gewesen, die vor der Asylunterkunft gebrüllt haben. Kann ihr Zusammentreffen wirklich Zufall gewesen sein? Die Polizei geht davon aus, dass es sich vor allem um Einheimische gehandelt haben soll. Doch die Videos von dem pöbelnden Mob wurden zuerst auf der Facebookseite von "Döbeln wehrt sich" veröffentlicht. Döbeln liegt im Wahlkreis des sächsischen Landtagsabgeordneten Henning Homann.

Der SPD-Politiker vermutet, dass auch Rechtsextreme vor Ort waren, möglicherweise Neonazis aus dem Umfeld der 2013 verbotenen "Nationalen Sozialisten Döbeln". Dass sie sich zufällig einfanden, daran glaubt Homann nicht. "100 Menschen kommen zusammen, um zu protestieren, darunter auch Auswärtige - das war kein Zufall", sagt er der SZ.

Doch woher wussten die Demonstranten, wann die Flüchtlinge kommen? Der genaue Zeitpunkt wird meist sehr kurzfristig mitgeteilt, manchmal erst am selben Tag. Um 19.20 Uhr sollte die Flüchtlingsunterkunft in Clausnitz offiziell belegt werden. Doch durch die Blockade der Zufahrt konnten die Flüchtlinge die Wohnungen erst gegen 22 Uhr beziehen (ausführliche Chronologie der Nacht).

Als Heimleiter war Thomas Hetze einer derjenigen, die als erste Bescheid wussten. Doch auch die Gemeinde war informiert - und möglicherweise auch der Sicherheitsdienst. "Ich weiß aus meiner Erfahrung mit anderen Asylbewerberheimen, dass es da viele Sollbruchstellen gibt", sagt der Abgeordnete. Es ist also schwer zu sagen, ob und wer Informationen gezielt weiter gegeben hat.

Was bleibt, sind die Videos, die einen hasserfüllten Mob zeigen. Gegen diese Bilder wollen am Samstagabend Menschen vor der Unterkunft demonstrieren. "Das, was am Donnerstagabend passiert ist, darf nie normal werden", sagt der Grünen-Landesvorsitzende Jürgen Kasek.

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Clausnitz

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