Terrorismus Behörden durchkreuzten IS-Anschlagspläne in Deutschland

Detailaufnahme der Zentrale des BND in Berlin

(Foto: AFP)
  • Der sogenannte Islamische Staat wollte 2016 einen großen Anschlag in Deutschland durchführen.
  • Drei Zellen mit potenziellen Attentätern sollten offenbar nach Deutschland geschleust werden.
  • Die Planungen für den Anschlag wurden durch die Ermittlungen der deutschen Behörden und den Zerfall des IS durchkreuzt.
Von Georg Mascolo, Volkmar Kabisch und Amir Musawy

Mit Hilfe einer Geheimoperation haben deutsche Sicherheitsbehörden einen bislang unbekannten Anschlagsplan des sogenannten Islamischen Staates in Deutschland durchkreuzt. Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung hatte der IS 2016 den Auftrag erteilt, einen großen Anschlag in Deutschland durchzuführen.

Nach den bisherigen Erkenntnissen sah der Plan vor, dass drei Zellen mit potenziellen Attentätern nach Deutschland geschleust werden sollten. Als eines der möglichen Ziele hatte der IS womöglich bereits ein Musikfestival ausgesucht. Die Bundesanwaltschaft ermittelt in dieser Sache gegen die beiden deutschen Islamisten Marcia M. und Oguz G. Das Ehepaar hatte sich im Oktober 2017 in der damaligen Kalifats-Hauptstadt Raqqa ergeben und sitzt seither in kurdischen Gefangenenlagern in Nordsyrien ein. Beide sollen in dem Plot eine zentrale Rolle gespielt haben.

In den abgefangenen Nachrichten war von mehreren "Paketen" die Rede

"Wir haben sehr frühzeitig von den Anschlagsplanungen erfahren," sagte Generalbundesanwalt Peter Frank gegenüber den drei Medien. Die Faktenlage sei "sehr konkret und auch belastbar" gewesen. 2016 hatten die deutschen Behörden Chatnachrichten aus dem syrischen Raqqa überwacht. Die aus Salzgitter stammende Marcia M. suchte im Auftrag der Terrororganisation Frauen in Norddeutschland, die zur Tarnung eingereiste Attentäter heiraten würden. Unwissentlich kommunizierte M. dabei auch mit einer Frau, die für das Bundesamt für Verfassungsschutz arbeitete.

Das BKA und die Bundesanwaltschaft übernahmen die Ermittlungen. In den abgefangenen Nachrichten war von mehreren "Paketen" die Rede. Die "Brüder" hätten "eine sehr wichtige Arbeit zu erledigen." Nach den bisherigen Ermittlungen geht der Auftrag offenbar auf einen hochrangigen IS-Funktionär mit dem Kampfnamen "Abu Mussab al-Almani" zurück. Es soll sich dabei um den womöglich bei den Kämpfen in Syrien getöteten Schweizer Thomas C. handeln. Er gilt als der bisher höchstrangige bekannte IS-Funktionär aus dem deutschsprachigen Raum. Thomas C. soll direkt für die Abteilung "Externe Operationen" gearbeitet haben, die auch für die Anschläge in Paris im Herbst 2015 verantwortlich gemacht wird.

Die Planungen für den Anschlag wurden durch die Ermittlungen und den Zerfall des sogenannten "Islamischen Staates" durchkreuzt. Oguz G. und Marcia M. haben gegenüber dem BND inzwischen umfangreiche Angaben zu den Anschlagsplanungen gemacht. Beide warten auf ihre Überstellung nach Deutschland, wo bereits Haftbefehl gegen sie erlassen wurde. "Ich bin da reingerutscht," behauptete Oguz G. in einem Interview mit NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Als er vom eigentlichen Plan erfahren habe, habe er versucht "aus der Sache wieder rauszukommen."

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