Terrorgruppe in Nigeria Boko Haram attackiert Millionenstadt Maiduguri

  • Kämpfer der Boko Haram haben erneut versucht, Maiduguri im Nordosten Nigerias einzunehmen, dabei wurden offenbar mehrere Menschen getötet.
  • Es ist der zweite Angriff der Islamisten auf die Millionenstadt kurz vor der Präsidentschaftswahl.
  • Auch die Armee des Nachbarlandes Tschad soll in die Kämpfe eingegriffen haben.

Gefechte zwischen nigerianischer Armee und Extremisten

Die nigerianische Islamistengruppe Boko Haram hat einen neuen Angriff auf die Millionenstadt Maiduguri im Nordosten Nigerias gestartet. Sie nahm die Stadt im Bundesstaat Borno unter Beschuss und lieferte sich Gefechte mit Soldaten, wie Augenzeugen berichteten. Dabei seien mindestens acht Menschen getötet worden, sagten Anwohner und ein Vertreter der Sicherheitsbehörden.

Zunächst hätten die Kämpfer versucht, von Süden her in die Stadt einzudringen. Die von einer Bürgerwehr unterstützte nigerianische Armee habe die Angreifer zurückschlagen können. Daraufhin habe Boko Haram einen weiteren Angriff im Osten der Stadt gestartet. Die Armee hat den Angriff unterdessen nach eigenen Angaben abgewehrt. "Die terroristische Attacke auf Maiduguri am frühen Sonntag wurde rasch zurückgeschlagen", erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in der Hauptstadt Abuja. "Die Terroristen haben massive Verluste erlitten", fügte er hinzu. Die Lage sei "ruhig", es werde aber noch nach Boko-Haram-Kämpfern gefahndet.

Anschlag kurz vor Präsidentschaftswahl

Nigeria ist die größte Volkswirtschaft und der größte Ölproduzent Afrikas und wählt am 14. Februar einen neuen Präsidenten. Experten hatten vor der Wahl mit einer neuen Offensive auf Maiduguri gerechnet. Eine Einnahme der Stadt durch Boko Haram würde eine schwere Niederlage für die nigerianischen Streitkräfte bedeuten - und wahrscheinlich eine humanitäre Katastrophe auslösen. In der Stadt haben hunderttausende Menschen aus anderen Teilen von Borno Zuflucht vor Boko Haram gesucht. Die Einwohnerzahl soll sich in den vergangenen Monaten auf mehr als zwei Millionen verdoppelt haben. Kämpfer der Boko Haram hatten Maiduguri erstmals vor einer Woche angegriffen, Soldaten drängten sie zurück.

Boko Haram beherrscht derzeit ein Gebiet von der Größe Belgiens, das jedoch vor allem ländliche Regionen entlang der Grenze zu Kamerun und dem Tschad umfasst, und hätte Maiduguri gern als Hauptstadt ihres angestrebten Islamistenstaates.

Tschad meldet Tod von 120 Boko-Haram-Kämpfern

Die Streitkräfte des Tschad töteten unterdessen nach eigenen Angaben in Kamerun 120 Boko-Haram-Kämpfer. Die Armee habe am Samstag Stellungen der Gruppierung bombardiert, bei den Kämpfen seien auch drei eigene Soldaten getötet worden. Vorausgegangen seien Angriffe der Extremisten auf Truppen des Tschad.

Boko Haram kämpft seit etwa fünf Jahren für einen radikal-muslimischen Staat im Nordosten Nigerias und hat zuletzt verstärkt auch Gebiete in den Nachbarländern Tschad und Kamerun angegriffen. Die beiden Staaten haben daher ihre Truppen in der Region verstärkt. Es wird geschätzt, dass bei den Kämpfen mit Boko Haram seit 2009 mehr als 13 000 Menschen ums Leben gekommen sind. Mehr als eine Million Menschen sind vor den Kämpfen in andere Landesteile oder Nachbarländer geflohen.