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Terroranschlag in Nigeria:Mehr als 120 Tote bei Bombenattentat auf Moschee

Nach dem Angriff auf eine Moschee in der Millionenstadt Kano herrscht Entsetzen.

(Foto: AP)
  • In der nigerianischen Stadt Kano explodieren kurz vor Beginn des Freitagsgebets zwei Bomben nahe einer Moschee. Mindestens 120 Menschen sterben nach Angaben der Rettungskräfte.
  • Nahe der Moschee steht der Palast des Emirs, der in der Vergangenheit zum Widerstand gegen die Terrororganisation Boko Haram aufgerufen hat.
  • EU, USA und UNO verurteilten den Angriff

Vermutlich mehr als 120 Tote

Bei einem Anschlag auf eine Moschee in der nigerianischen Stadt Kano sollen nach vorläufigen Angaben der Rettungskräfte mindestens 120 Menschen getötet und 270 verletzt worden sein. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP zählte in einem Leichenschauhaus allein 92 Leichen. Eine offizielle Opferzahl gibt es bisher allerdings nicht.

Die Angreifer zündeten der Polizei zufolge während des Freitagsgebets in der Großen Moschee der Millionenstadt Kano zwei Sprengsätze, anschließend eröffneten sie mit Gewehren das Feuer auf die Gläubigen. In der Moschee sei Panik ausgebrochen, so Militärsprecher Ikechukwu Eze. Nur kurz zuvor war von einem Bombenanschlag im Nordosten des Landes mit 35 Toten berichtet worden.

Ein Polizeisprecher sagte, vier der Angreifer seien von der aufgebrachten Menschenmenge gelyncht worden, die anderen hätten im Chaos fliehen können. Augenzeugen berichteten, dass Sicherheitskräfte Schüsse abgegeben hätten, um weitere Angreifer abzuschrecken. Der Polizeisprecher schätzte die Zahl der Attentäter auf etwa 15.

Ziel des Anschlags war womöglich der Emir

Die Moschee liege in der Nähe des Palastes des Emirs von Kano, Muhammad Sanusi, der sich jedoch derzeit außer Landes befinde, berichteten lokale Medien. Der zweithöchste islamische Geistliche des Landes soll offenbar Ziel des Anschlags gewesen sein, sagte ein Mitarbeiter des Emirs, der die islamistische Terrorgruppe Boko Haram kürzlich scharf attackiert hatte.

"Seit seiner Attacke auf die Boko Haram wussten wir, dass etwas passieren würde", sagte der Mann, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur dpa. "Die Sicherheitsvorkehrungen sind schon seit einer Weile verschärft worden." Sanusi hatte die Menschen dazu aufgefordet, sich gegen Boko Haram zu bewaffnen. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.

Boko Haram verübt in der Region seit Jahren Anschläge. Ziel sind dabei nicht nur Christen, sondern auch immer wieder moderate Muslime. Bei den blutigen Anschlägen der Extremisten sind in den vergangenen fünf Jahren bereits Tausende Menschen gestorben. Die Miliz will im Norden des bevölkerungsreichsten Landes in Afrika einen Gottesstaat aufbauen.

EU, USA und UNO verurteilen Anschlag

Der Bombenangriff ist international scharf verurteilt worden. Es könne für Angriffe auf Zivilisten "keine Rechtfertigung geben", erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. US-Außenamtssprecherin Jen Psaki sagte, die "fürchterliche" Attacke trage alle Handzeichen der islamistischen Sekte Boko Haram. Sie warf den Extremisten vor, Nigeria weiter destabilisieren zu wollen. Auch EU-Chefdiplomatin Federica Mogherini verurteilte den Angriff scharf. Indem sie auf ein muslimisches Gebetshaus zielten, "haben die Terroristen die vollständige Missachtung der Heiligkeit von Menschenleben gezeigt". Ihr einziges Ziel sei es, "Schrecken und Leid zu verbreiten". Im Namen der EU drückte Mogherini den Familien der Opfer, der muslimischen Gemeinschaft und allen Nigerianern ihr Beileid aus. "Die EU unterstützt Nigerias Regierung und die Bevölkerung im Kampf gegen Terrorismus und für den Respekt der Menschenrechte", erklärte sie.