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Streit der Cheney-Töchter:Die eine lesbisch, die andere erzkonservativ

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"Liz liegt völlig daneben", sagt Mary Cheney (re.) über ihre Schwester. Ein Bild vom Parteitag 2004, als ihr Vater Richard Cheney Vizepräsident war.

(Foto: Jeff Haynes/AFP)

Der Papa gilt als Hardliner. Mary, die eine Tochter des früheren US-Vizepräsidenten Cheney, ist lesbisch. Ihre sexuelle Orientierung steht im Mittelpunkt einer Familienfehde. Denn Schwester Liz will einen Senatssitz erobern - und lehnt die Homo-Ehe plötzlich öffentlich ab.

Seit dem Entstehen der Tea Party findet man viele stramme rechte Politiker in Washington, aber kaum ein Politiker in Washington ist so lange so stramm rechts gestanden wie Richard "Dick" Cheney. In diesen Tagen ist eine neue Biografie erschienen über ihn und seine Jahre als Vizepräsident an der Seite von George W. Bush, und es ist die Geschichte einer Entfremdung: Während Cheney zunächst noch als erfahrener alter Falke an der Seite des Präsidenten erwünscht war, empfand Bush seinen Stellvertreter gegen Ende als Belastung - als verbiestert und radikal.

Dass sich Cheneys ultrakonservatives Weltbild nicht vollständig auf seine Nachkommen übertragen hat, ist seit Langem bekannt. Seine zweite Tochter Mary ist bekennend lesbisch; im Jahr 2007, ihr Vater war noch im Weißen Haus, brachte sie ein Kind zur Welt. Als Privatsache erregte die Geschichte wenig Aufmerksamkeit. Doch jetzt steht die sexuelle Orientierung Mary Cheneys im Mittelpunkt einer Familienfehde, die öffentlich und sehr bitter ausgetragen wird. Der Streit hat eine politische Dimension; er zeugt vom Unbehagen der Republikanischen Partei mit Homosexualität und Homo-Ehe.

Liz Cheney, die ältere Tochter des einstigen Vizepräsidenten, hat den Streit ausgelöst. Sie möchte einen Sitz des Staates Wyoming im US-Senat erobern und muss in der Vorwahl gegen den republikanischen Amtsinhaber antreten. Im Vorwahlkampf hat sie ihre Haltung zu vielen Themen erläutert; im August erklärte sie, dass sie die Homo-Ehe ablehne, worauf ihre jüngere Schwester Mary erklärte, Liz liege "völlig daneben".

Als sich Liz Cheney am vergangenen Wochenende im Fernsehen abermals gegen die Homo-Ehe aussprach, eskalierte der Streit. Heather Poe, Marys Ehefrau, schrieb auf Facebook: "Liz war bei uns zu Gast, hat Urlaub mit unseren Kindern verbracht, und als Mary und ich 2012 geheiratet haben, sagte sie, wie glücklich sie für uns sei". Sie fügte hinzu: "Ich frage mich, wie sie sich fühlen würde, wenn sie von einem Staat in den anderen zöge und dabei feststellte, dass ihre Familie in einem geschützt ist und im nächsten nicht."

Liz Cheney steht nun als Opportunistin da

Diese Wortwahl könnte Liz Cheney noch schaden: Sie steht nun als doppelzüngige, gar opportunistische Politikerin da, die privat bestens mit ihrer Schwester und deren Familie zurechtkommt, als öffentliche Person aber nicht. Vor vier Jahren noch hatte sich Liz Cheney toleranter gezeigt und sich gegen ein generelles Verbot der Homo-Ehe ausgesprochen. "Die Haltung meiner Familie ist sehr klar", sagte sie damals, "Freiheit bedeutet Freiheit für alle."

Die Republikaner tun sich mit dem Thema schwer, allenfalls jeder Dritte in der Partei akzeptiert die Homo-Ehe. Als Befürworter ist es in etlichen Staaten kaum möglich, eine republikanische Vorwahl zu gewinnen. Dabei ist die gleichgeschlechtliche Ehe landesweit zunehmend eine gesellschaftliche Realität. Die Wähler haben sie bereits vielerorts für zulässig erklärt. Dick Cheney und seine Frau sahen sich nun gezwungen, öffentlich in den bitteren Streit ihrer Töchter einzugreifen. Es überraschte wenig, dass sie Liz gegen den Vorwurf des Opportunismus verteidigten: Sie habe immer an die "traditionelle Definition der Ehe geglaubt".

© SZ vom 20.11.2013/ratz

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